Immer wieder donnern am Freitagnachmittag schwere Lastwagen am Kirchplatz vorbei. Die Redner sind dann trotz Mikrofon und Lautsprecher schlecht zu verstehen. Bei Schneefall und Temperaturen um den Gefrierpunkt harren gut 50 Bürger, vor allem aus Mainroth und Fassoldshof, rund eineinhalb Stunden in der Ortsmitte von Mainroth aus. Sie wollen erfahren, was es Neues in Sachen Umgehungsstraße gibt.

Hohe Gäste aus Politik und vom Straßenbauamt hatten sich angekündigt. Eingeladen zu dem Treffen hatte CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner. Auf sie müssen die Leute aber eine halbe Stunde warten - Stau auf der A 9.

Häuser verlieren an Wert

Als sie eintrifft, hat Günther Knorr vom CSU-Ortsverband Mainroth schon die Situation vor Ort verdeutlicht: "Die Straße hat extreme Auswirkungen. Wenn die Laster über die Kanaldeckel fahren, scheppert es wie der Teufel", sagt er und beklagt Gestank, Feinstaub, schmale Gehsteige, eine Betonwüste bis zu den Häusern. Häuser an der Ortsdurchfahrt würden leer stehen und an Wert verlieren, "weil niemand mehr da einziehen will". Seine Hoffnung nach dem Bau der Umgehung ist "mehr Grün" im Ort. Mittel aus der Dorferneuerung stünden dafür zur Verfügung. Knorr ist überzeugt, dass die Mainrother hinter dem Projekt stehen.

Dass der Verkehr auf der B 289 - eine wichtige Verbindung zwischen Coburg und Bayreuth - eine große Belastung für die Menschen darstellt, weiß auch Kurt Schnabel, der Leiter des Staatlichen Bauamts Bayreuth. 9000 Fahrzeuge würden auf der Bundesstraße täglich den Ort durchqueren, mehr als im oberfränkischen Durchschnitt. "Da ist der Wunsch nach einer Verbesserung verständlich."

4,7 Kilometer lang wird seinen Worten zufolge die Ortsumfahrung von Mainroth und Rothwind/Fassoldshof sein und 22,3 Millionen Euro kosten. Damit ist das Projekt, das im Bundesverkehrswegeplan im vordringlichen Bedarf eingeordnet ist, zumindest veranschlagt. Wie viel die neue Straße mit Blick auf die Preissteigerungen im Bausektor wirklich kosten wird, da wagt an diesem kalten Freitagnachmittag keiner eine Prognose.

Das Gleiche gilt für den möglichen Baubeginn - auch wenn sich da Kurt Schnabel auf Drängen von Emmi Zeulner doch etwas entlocken lässt: "Die Planfeststellung dauert ein bis zwei Jahre. Dann kommt es darauf an, ob der Planfeststellungsbeschluss beklagt wird." Sollte das der Fall sein, seien keine Prognosen möglich. "Es gibt Extremfälle, da hat es sieben Jahre gedauert." Sollte aber der Beschluss nicht beklagt werden, bestehe Baurecht. "Und dann muss der Bund die Freigabe erteilen."

"Berechtigtes Interesse"

Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner mag das wohl gerne hören: "Es ist ein berechtigtes Interesse der Mainrother, die an der Straße wohnen, dass sich eine Lösung findet." Die Politik könne nicht über Jahrzehnte hinweg Sachen versprechen, die dann nicht kommen.

Für sie ist eine gute Verkehrsinfrastruktur aber auch aus anderen Gründen wichtig: "Es siedeln sich Betriebe an, es entstehen Arbeitsplätze. Familien müssen nicht wegziehen."

Jörg Panzer, beim Bayreuther Straßenbauamt für die Planung der Strecke zuständig, verdeutlichte das Ziel, beim Bau das Maintal möglichst zu schonen. Naturschutzfachliche Aspekte - beispielsweise ein Zauneidechsen-Gebiet - seien berücksichtigt worden. Die Linienführung der geplanten Umgehung entspreche modernster Straßenplanung - auch mit Blick auf die Sicherheit. 90 Prozent des Schwerlastverkehrs würden mit der Umgehung aus dem Ort verschwinden. Auswirkungen werde die Straße auch auf den Mainradweg haben, der in kleinen Zügen umgeleitet werden muss.

Der Mainleuser Bürgermeister Robert Bosch (CSU) kennt sowohl Befürworter als auch Kritiker des Projekts. In Bürgerversammlungen seien nicht alle von den Umgehungsplänen begeistert gewesen. Und mit dem Bau der Straße würden neue Betroffenheiten geschaffen.