Kulmbach
Großeinsatz

Übung am Klinikum Kulmbach bringt Erkenntnisse für den Ernstfall

Einsatzkräfte des Bayerischen Roten Kreuzes, des Malteser Hilfsdienstes und Mitarbeiter des Klinikums simulierten am Dienstagabend den Ernstfall.
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Die Evakuierung der "Patienten", die von Schülern der Krankenpflegeschule gemimt wurden, klappte gut. Sonny Adam
Die Evakuierung der "Patienten", die von Schülern der Krankenpflegeschule gemimt wurden, klappte gut. Sonny Adam
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Folgendes Szenario wurde für die Großübung angenommen: Im neuen Trakt des Klinikums gleich neben der Notaufnahme wird es plötzlich dunkel. Die medizinischen Gerätschaften fallen aus. Wenige Sekunden später ist klar: Der Stromausfall wird sich so schnell nicht beheben lassen. Licht und Strom funktionieren nicht mehr, auch die Versorgung der Patienten mit medizinischen Gasen klappt nicht. Pflegekräfte und Ärzte lösen Alarm aus. Gleichzeitig versuchen die Pflegekräfte, die Patienten zu beruhigen. Doch das ist nicht so einfach. Denn der gesamte Gebäudetrakt ist stockfinster. Einige Patienten sind frisch operiert. Insgesamt sind 13 Patienten in dem betroffenen Teil des Klinikums. Viele davon können das Gebäude nicht aus eigener Kraft verlassen.

Mehr als 40 Helfer

Nach nur fünf Minuten treffen die ersten Einsatzkräfte ein. Die beiden Einsatzleiter Michael Martin und Manuel Stumpf versuchen, die Rettungskräfte zu koordinieren. Kein leichtes Unterfangen. "Das Schwierige bei dem Einsatz ist es, die Fahrzeuge so zu positionieren, dass sie sich nicht gegenseitig behindern", erklärt Maximilian Türk vom Bayerischen Roten Kreuz. Mehr als 40 freiwillige Helfer von BRK und Malteser Hilfsdienst rücken an. Die Übung ist so spektakulär, dass auch viele echte Patienten des Klinikums das Geschehen aufmerksam verfolgen.

Die "falschen Patienten" werden von den Schülern der Krankenpflegeschule gemimt. Sie nehmen ihre Sache sehr ernst - und harren in den Betten aus. Jeder einzelne muss bei dem angenommenen Massenunfall aus dem Gebäude gebracht, die meisten getragen werden.

Während sich das Erstkommando noch einen Überblick über die Zahl der Verletzten verschafft, passiert etwas völlig Unerwartetes. Das Rettungskommando dringt ins Innere des Gebäudes vor. Die Tür fällt hinter ihnen zu - und lässt sich nicht mehr öffnen. Das Erstkommando könnte jetzt im Ernstfall nicht mehr nach draußen. Denn die Türen öffnen sich automatisch, und Strom gibt es nicht.

"Man braucht unbedingt Keile, um die Türen festzustellen", sagt Einsatzleiter Michael Martin. "Es gäbe ja noch einen zweiten Fluchtweg zur anderen Seite raus", relativiert Kreisbrandrat Stefan Härtlein das Szenario. Trotzdem werden die Rettungskräfte und auch die Feuerwehren in Zukunft an dieses Detail denken.

Bei der Übung kommen noch mehr Tücken ans Licht. So versagt das Stromaggregat seinen Dienst, wertvolle Zeit verstreicht. "Im Ernstfall wäre die Feuerwehr vor Ort und man hätte noch ein Aggregat gehabt", kommentiert Landrat Klaus Peter Söllner.

Schließlich geht alles gut aus. Die Rettungskräfte können alle Patienten aus dem Gebäude bringen. Sie werden in Zelten untergebracht.

Kein Zeitdruck

Bei der Übung sollte die Evakuierung getestet werden, aber auch die Umfahrung rund um das Klinikum. Die Rettungskräfte haben bewusst nicht auf die Zeit geachtet. Wichtig bei der Übung sollte ein reibungsloser Ablauf sein. "Es war gut, dass es Dinge gegeben hat, die nicht geklappt haben. Da sieht man, was verbessert werden muss", sagte Martin.

Der Klinikbetrieb war während der Übung in keinster Weise beeinträchtigt. Denn bei den Einsatzkräften handelte es sich um ehrenamtlich Tätige.

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