Kulmbach
Schnuppertag

Typisch weiblich?: Girls' Day in Kulmbach

Beim Girls' day und Boys' Day sollen junge Menschen sich jenseits traditioneller Rollenbilder bei der Berufswahl informieren.
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Daniela Wagner erklärt beim Girls' Day am Landesamt für Umwelt Anna Barnickel und Lea Schardt eine pH-Wert-Umstellung von Säure auf Lauge. Uschi Prawitz
Daniela Wagner erklärt beim Girls' Day am Landesamt für Umwelt Anna Barnickel und Lea Schardt eine pH-Wert-Umstellung von Säure auf Lauge. Uschi Prawitz
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Im Landkreis Kulmbach haben sich am Donnerstag beim Girls' Day und Boys' Day 64 Unternehmen und Einrichtungen beteiligt, sie stellten knapp 300 Plätze für die Mädchen und Jungen zur Verfügung. Der Aktionstag ist bundesweit ein wichtiger Baustein bei der Berufsorientierung und Studienwahl.

Sowohl der Girls' Day als auch der Boys' Day verfolgen das Ziel, junge Menschen bei ihrer Berufsorientierung zu unterstützen, festgefahrene Rollenbilder aufzubrechen und die Ursachen eines stark vom Geschlecht geprägten Berufswahlverhaltens nachhaltig zu beeinflussen. Mädchen wie Jungen sollen dazu ermuntert werden, bei ihrer Berufswahl nicht nur auf ein eingeschränktes Spektrum zurückzugreifen.

Landrat Klaus Peter Söllner schaute sich in der Dynamic Commerce GmbH in der von-Linde-Straßeum. Das ist ein Unternehmen, das E-Commerce- und ERP-Prozesse optimal miteinander verbindet und so für den reibungslosen Betrieb von Webshops sorgt. Wie Geschäftsführer Tobias Langmeyer betonte, ist das junge Unternehmen immer auf der Suche nach innovativen und kreativen Köpfen. Landrat Söllner hatte zu seiner Visite die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Kulmbach, Heike Söllner, dabei. Sie koordiniert den Aktionstag. Auch die Schulen sind wichtiger Kooperationspartner und als Multiplikatoren frühzeitig eingebunden.

Der Girls' Day ist mittlerweile zum festen Bestandteil der Berufsorientierung geworden, und auch für viele Unternehmen ist der Aktionstag ein Fixtermin für die Nachwuchswerbung und zunehmend ein wichtiges Personalentwicklungsinstrument.

Heike Söllner: "Die Unternehmen und Einrichtungen wissen auch, dass es angesichts der sinkenden Schülerabgängerzahlen wichtig ist, gute Fachkräfte für das eigene Unternehmen beziehunsweise die eigene Einrichtung zu sichern, wobei das Potenzial der weiblichen Bewerberinnen eine immer größere Rolle spielt."

Bis jetzt gibt es im Stadtsteinacher Steinbruch noch keine weiblichen Muldenfahrer, doch vielleicht ändert sich das in den nächsten Jahren. Um die Monstermaschinen, die voll beladen mehr als 120 Tonnen auf die Waage bringen, bewegen zu können, genügt jedenfalls ein ganz normaler Lkw-Führerschein. "Frauen könnten das genauso machen", erklärte Betriebsleiter Oswin Kirchner beim Girl's Day.

Tatsächlich sind Frauen bei den Arbeiten, die im Steinbruch anfallen, auf dem Vormarsch. "Wir haben schon Frauen in der Verladeabteilung sitzen. Auch die Tätigkeiten im Labor ist für Frauen gut geeignet", erklärte der Betriebsleiter Oswin Kirchner.

Die jungen Mädchen waren von der Vielseitigkeit des Tätigkeitsfeldes am Landesamt für Umwelt (LFU)überrascht. "Lea und ich haben an unserem Gymnasium den naturwissenschaftlich-technischen Zweig belegt", sagte Anna Barnickel. "Wir haben uns für diese Veranstaltung entschieden, weil wir mal schnuppern wollten und es interessant fanden, hinter diese komplexen Zusammenhänge zu schauen."

Lea Schardt und Anna Barnickel (Gymnasium Burgkunstadt) und Jasmin Prawitz (Caspar-Vischer-Gymnasium Kulmbach) verbrachten den Tag im LFU in Melkendorf. Mit Dozenten tauchten sie ein in die Welt der Luft- und Bodenmessungen, entnahmen Bodenproben zur Messung im Rahmen des Strahlenschutzes, wurden in das sogenannte Biomonitoring eingeführt und durften im Labor Versuche durchführen.

Beim Girls' Dax geht es darum, Mädchen Einblicke in Technik, Handwerk, IT oder Naturwissenschaften zu bieten. Unternehmen, Einrichtungen und Behörden mit technischen Abteilungen und Ausbildungen sowie Hochschulen und Forschungszentren öffnen ihre Türen für Schülerinnen ab der 5. Jahrgangsstufe.

Der Girls' Day will außerdem dazu beitragen, dass mittelfristig die Zahl der Frauen in Führungspositionen und als Unternehmerinnen steigt. Das Projekt wird gefördert von den Bundesministerien für Bildung und Forschung sowie für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Neue Wege für die berufliche Zukunft will auch der Boys' Day zeigen.

Genau wie die Mädchen schöpfen auch Jungs bei der Berufswahl ihre Möglichkeiten nicht voll aus. Die Zukunftsplanung wird oft eingleisig an einer traditionellen Männerrolle ausgerichtet. Gerade im wachsenden Bereich der sozialen Dienstleistungen und in der Gesundheitsbranche liegen Zukunftschancen, die Jungen noch zu wenig im Blick haben.

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