Kulmbach
Diskussion

Tourismus in Kulmbach: Chancen und Schwierigkeiten

Bei der Kreisversammlung der Gastronomen drehte sich alles um erfolgreichen Tourismus in Kulmbach. Zwölf Vertreter des öffentlichen Lebens diskutierten über Chancen, Möglichkeiten und Schwierigkeiten.
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Karin und Helmut Desor aus Buxtehude haben den Mainradweg bereits erkundet - und waren begeistert von Strecke und Landschaft. Foto: Sonja Adam
Karin und Helmut Desor aus Buxtehude haben den Mainradweg bereits erkundet - und waren begeistert von Strecke und Landschaft. Foto: Sonja Adam
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Kulmbach liegt zentral zwischen Fichtelgebirge, Frankenwald und Fränkischer Schweiz. Das Bierfest und die Motorradsternfahrt haben Strahlkraft, ebenso das Deutsche Dampflok-Museum. "Wir haben 40.000 Besucher im Dampflokmuseum seit der Eröffnung zu verzeichnen", sagte Landrat Klaus Peter Söllner (Freie Wähler) und sieht vor allem in der "Genussregion" ein echtes Qualitätsmerkmal.

Die Übernachtungszahlen steigen. Übernachteten 2007 noch 74.500 Gäste in Kulmbach, waren es im vergangenen Jahr schon 77.000 Menschen, hatte Zweiter Bürgermeister Stefan Schaffranek (WGK) aktuelle Zahlen parat. "Im Tagestourismus haben wir einiges erreicht, aber ich sehe das Potenzial noch nicht als erschöpft an", so Schaffranek. Er schlug vor, zielgruppenorientierter zu werden.
"Wir sollten uns lieber auf ein bis zwei Zielgruppen konzentrieren und dann Alleinstellungsmerkmale etablieren", sagte Schaffranek.

Der Kulmbacher Tourismus-Chef Helmut Völkl war guter Dinge. In Kulmbach stehen aktuell 630 Betten zur Verfügung. "Unseren größten Zuwachs haben wir bei den Radwanderer auf dem Mainradweg.".

Während stellvertretender Landrat Erhard Hildner (CSU) glaubt, dass "das Kulinarische" zu einem Aufenthalt in Kulmbach unbedingt dazu gehört, will Stadtrat Hans-Dieter Herold (Grüne/Offene Liste) das "Wir-Gefühl" verstärken. "Wir müssen die Leute aus Gastronomie und Hotellerie zusammenbringen und Pakete schnüren", sagte Stadtrat Michael Pfitzner (CSU).


QR-Codes und Cards

Stadtrat Thomas Nagel (FDP) sieht in der Art und Weise der Werbung noch Potenzial. So könnten QR-Codes an historischen Gebäuden eine Bereicherung bringen. "Wir brauchen nicht nur Tagestouristen, sondern auch Familien, und wir brauchen eine Tourismuscard", forderte Nagel.

"Wir haben schon viele tolle Angebote, aber wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht verzetteln. Ich habe meine Ferienwohnungen auf die Zielgruppe 50+ umgestellt", erklärte Anita Sack. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass die Genussregion Kulmbach über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt ist. "Die Gäste wollen regionale Produkte, und sie wollen genießen", sagte Sack.

Für stellvertretenden Landrat Jörg Kunstmann (CSU) ist "der Erlebnischarakter" wichtig. "Wir müssen Emotionen wecken und die neuen Medien nutzen", sagte er.

Der Wirsberger Bürgermeister Hermann Anselstetter (SPD) forderte einen Anschluss an den Verkehrsverbund Nürnberg. "Das ist ein Tarifverbund, der zwei Millionen Menschen verbindet." Er regte außerdem an, Gästeführer für Natur, Kultur und Brauchtum auszubilden.

Klaus Zahner (Freie Wähler) machte sich Gedanken um den Erhalt der gastronomischen Vielfalt. "Wir müssen doch ehrlich sagen, viele Wirtshäuser boomen nicht mehr oder bieten keinen Mittagstisch mehr an. Wir müssen's gemeinsam anpacken", gab er als Parole aus.


Wirtshäuser fehlen

"Ich mache jetzt seit vierzig Jahren Tourismus in Kulmbach, und das alles haben wir schon vor dreißig Jahren gehört", monierte Hagleiten-Wirt Günther Limmer. Erst vor kurzem war er auf der Grünen Woche und hat gemeinsam mit Erhard Hildner die Region präsentiert. "Aber wir haben dort keinen einzigen Prospekt verteilt", so Limmer. Er bemängelte, dass es in vielen Dörfern keine Wirtschaften mehr gibt - und dass Vereinsfeiern den Wirten das Leben schwer machen. Auch Ingrid Grampp aus Oberdornlach brachte ihre Sorgen vor. So führten die Wanderwege oft an den Ortschaften vorbei. "Wir haben selbst ein Schild angebracht, sonst weiß niemand, dass es eine Einkehrmöglichkeit gibt", beklagte die Gastronomin.

Das empörte auch Hermann Anselstetter: "Es kann nicht sein, dass die Wanderwege an unseren Gaststätten vorbei führen. Wir haben eine halbe Million Euro für das neue Wegenetz des Frankenwaldvereins ausgegeben, jetzt für das Wanderbare-Frankenwald-Konzept 1,2 Millionen Euro. Da müssen wenigstens unsere Gastronomen und unser Gewerbe etwas davon haben", so Anselstetter. Auch Thomas und Alexander Schütz vom "Berghof" in Wartenfels regten eine engere Zusammenarbeit mit der Gastronomie an - auch bei der Neukonzeption der Plassenburg und anderen Aktionen.
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