Wartenfels
Jubiläum

Totengräberin als Geburtshelfer

Der Musikverein Wartenfels wird 50 Jahre alt - und feiert am kommenden Wochenende kräftig.
Artikel drucken Artikel einbetten
Alex Schramm ist 13 und das jüngste Mitglied. Er freut sich schon mächtig auf das Fest-Wochenende und präsentiert stolz das Plakat.  Foto: pr
Alex Schramm ist 13 und das jüngste Mitglied. Er freut sich schon mächtig auf das Fest-Wochenende und präsentiert stolz das Plakat. Foto: pr
+2 Bilder

"Uns verbindet die Musik". Sinnstiftend ist der Leitspruch, den sich der Musikverein Wartenfels auf die Fahne geschrieben hat. Das war vor 50 Jahren. Seither sind die Aktiven durch manche Höhen und Tiefen gegangen. Es gab auch schon Zeiten, da man kurz vor der Auflösung stand. Doch das ist Geschichte.

Heute geht des Musikfreunden aus dem kleinen Bergdorf im Frankenwald besser denn je. Und sie sind fest entschlossen: Den 50. Geburtstag ihres Zusammenschlusses wollen sie kräftig feiern. Denn das gehört schließlich auch zu einem runden Musiker-Leben.

Am kommenden Wochenende ist es soweit: Die Wartenfelser haben alle Register gezogen, um den Geburtstag ihres Vereins angemessen zu feiern. Schon seit über einem Jahr laufen die Vorbereitungen. Für die Jugend gibt es am Samstagabend eine Schlagerparty, die älteren Mitglieder kommen am Sonntag zu ihrem Recht: Mit Festgottesdienst, Festzug, Frühschoppen und Ehrungen. Im Mittelpunkt stehen vor allem die alten Kämpen: Zu ihnen gehören Peter Lehnert oder etwa Reinhold Beetz, der seit 49 Jahren aktiv ist und zum Inventar des Vereins zählt, sowie Albin Hain.

Wer nun aber glaubt, dass es sich bei den Freunden von Tuba, Trommel oder Trompete um eine "Old-Men's-Connection" handelt, der irrt. Es gibt auch einige Jungspunde, die die Freude an der Musik in die Zukunft tragen. Der Jüngste von ihnen ist Alex Schramm. Schon mit fünf Jahren trat er dem Verein bei; jetzt freut sich der 13-jährige Realschüler auf das Fest und präsentiert stolz das zugehörige Plakat. "Wird bestimmt cool", meint er.

Großzügige Gönnerin

Cooles und Außergewöhnliches, das passt zur Geschichte des Vereins. Ein Blick in die Annalen bringt so manche Besonderheit an den Tag. Das beginnt schon im Gründungsjahr mit einem Kuriosum. Denn als Geburtshelferin fungierte eine Totenfrau: Anna Migdalski, eine Heimatvertriebene, wohnte in Zettlitz und war eine brennende Verehrerin der Blasmusik. Sie kratzte jeden Pfennig zusammen, um die Musiker zu unterstützen. Die Gönnerin spendierte dem Verein sogar eine eigene Fahne. "Die war so teuer, dass man sich davon zu dieser Zeit einen neuen Opel Kadett hätte kaufen können", erinnert sich Zeitzeuge und Gründungsmitglied Erhard Hildner. Der ehemalige Pressecker Bürgermeister und stellvertretende Landrat kennt die Geschichte des Musikvereins aus eigener Anschauung. Denn die ist eng verknüpft mit dem Gesangverein Wartenfels/Schwand, in dem Hildner aktiv ist. Es gibt viele Doppel-Mitglieder.

Und als Bürgermeister hatte Hildner manchmal alle Hände voll zu tun, um in den Jahren der Wirren und Irritationen die Wogen zu glätten und den "Corpsgeist am Leben zu erhalten", wie er es diplomatisch umschreibt.

Sein Sohn Dietmar tat es ihm gleich. In der Chronik wurde es als "Schande" bezeichnet, dass der Verein zwar eine wertvolle Fahne besitzt, aber zeitweise niemand gefunden werden konnte, sie zu tragen. Dietmar "Didi" Hildner fasste sich ein Herz und fungierte fortan als Fahnenträger. Heute wirkt er als Stellvertreter des Vorsitzenden Dominik Schmidt und unterstützt die Mannschaft zusammen mit Schriftführer Dieter Mücke und Kassier Dieter Heiß nach Kräften.

Letzterer steht vor großen Aufgaben. Denn die Aktiven benötigen dringend neue Uniform-Westen. Die aktuellen, roten Bekleidungsstücke sind schon weit über 35 Jahre alt und haben das Ende ihrer Lebenserwartung erreicht. 3500 Euro werden nötig sein, um die Anschaffung zu schultern. Diesem Zweck kommt auch der Erlös des Festwochenendes zugute. Und: Wer darüber hinaus eine Spende machen möchte, wird gewiss nicht abgewiesen.

Wichtigstes Aushängeschild

Damit unterstützt man einen guten Zweck, denn der Musikverein gilt als ein wichtiges Aushängeschild des Frankenwald-Dorfes. In ihm "spielt" der Musikverein eine wichtige Rolle bei vielen gesellschaftlichen und kirchlichen Anlässen. So veranstaltet man immer wieder - auch in diesem Jahr - Weihnachtskonzerte. Und bei der Jubelkommunion packen die Aktiven auch die Notenbücher aus, um den feierlichen Tag zu umrahmen. Nur einmal kam es zu einem Fauxpas. Weil der Festgottesdienst deutlich kürzer als normal ausfiel, stimmte das Timing nicht. Die Folge: Die Gemeinde wartete an der Kirche auf die Aktiven, die zu diesem Zeitpunkt noch gemütlich bei einem Bier in der Gastwirtschaft saßen. Jubelkommunion gelungen - Einsatz verschlafen? Musiker sind auch nur Menschen. Und Gott ist gnädig.

Wartenfelser Bergest

Zum festen Bestandteil des Lebens gehört auch das Wartenfelser Bergfest. Auch diese Traditionsveranstaltung wäre um ein Haar ganz von der Landkarte der kulturellen Veranstaltungen verschwunden, fiel wegen Musikermangels 13 Jahre lang aus. Der Vorstand wagte einen Neustart vor sechs Jahren. Und das Bergfest wurde wieder zum Renner, das Hunderte anlockt.

Gar in die Tausende geht die Zahl der Zuhörer, wenn der Musikverein in Himmelkron auftritt. Beim Fest in der Baille-Maille-Allee ist der Zuspruch riesig, aber auch bei der Graßmannsdorfer Kirchweih haben die Wartenfelser eine tolle Resonanz bekommen. Aber auch auf großer Bühne waren die Frankenwäldler schon zu sehen. Auf Einladung der ehemaligen Landtags-Vizepräsidentin Inge Aures traten sie im Maximilianeum auf. Der Gesangverein Wartenfels/Schwand verstärkte die Truppe im hohen Haus. Ob die Gäste den Abgeordneten den Marsch geblasen haben? Der Vorsitzende lacht: "Spaß gemacht hat es allemal."

Die Erfolge sind freilich auch Resultat fleißiger Probenarbeit, die den Aktiven einiges an Disziplin und Durchhaltevermögen abverlangt. Das beste Beispiel für diesen unbeirrbaren Corpsgeist gibt Dieter Schmidt. Der wohnt in Ebern und nimmt jedes Mal zwei Stunden Fahrzeit auf sich, nur um an den Proben teilnehmen zu können. "Wir sind halt alle Idealisten", resümiert Vorsitzender Dominik Schmidt.

Idealismus

Dieser Idealismus ist es, was den Verein vorangebracht hat. Denn dem Vorstand ist es gelungen, das Schiff des Musikvereins aus einer Flaute herauszuführen und in den Wind zu bringen. Noch vor wenigen Jahren war aus dem einstmals stattlichen Verein ein "Vereinchen" geworden. Das nur noch sieben Aktive und 30 passive Mitglieder zählte. Und es schien so, als dass in der kleinen Wartenfelser Kapelle, die das Logo der Musiker ziert, das Totenglöckchen geläutete hätte. Doch dann kam alles anders. Ein neuer Vorstand unter der Führung von Dominik Schmidt und seinem Stellvertreter Dietmar "Didi" Hildner hauchte dem schon Todgeweihten neues Leben ein. Heute, wenige Jahre später, haben sich die Mitgliederzahlen mehr als verdreifacht, und die Freunde der Musik sprühen nur so vor Elan und Ideen. Keine Spur von Schwanengesang - der Verein ist wiedererstanden wie Phönix aus der Asche.

Grundlegende Trendwende

Wie aber bekommt man so eine grundlegende Trendwende hin? Diese Frage dürfte viele Vereinsvorstände bewegen, die vor einer ähnlichen Situation stehen. Dominik Schmidt kennt die Antwort. "Wir sind aktiv geworden, haben neue Ideen umgesetzt, sind auf die Leute zugegangen", sagt der Vorsitzende in keinesfalls prahlerischem Ton. Das Protzen ist nicht das Ding des bescheidenen Mannes. Obgleich bei der Blasmusik, liebt er doch die leisen Töne. Sein Erfolgsrezept ist auch die Geschichte einer kontinuierlichen Aufbauarbeit. Die Handvoll verbliebener Musiker ließ nicht nach und machte den Leuten Angebote. Man wurde offensiv, bot in zweijährigem Turnus Schnupperkurse an. Mit Erfolg. So gewann die Vereinigung besonders junge Mitglieder, die den Grundstock für die Zukunft bilden können. Manchmal genügt ein kleiner Funke, um das Feuer der Musik zu entfachen. Und selbst das längste Stück beginnt mit der ersten Strophe.

Strophen gibt es viele in den Notenbüchern der Musiker. Zahlreiche unterschiedliche Lieder hat der Musikverein in seinem Repertoire. Klassisches Liedgut? "Ja sicher", sagt Dominik Schmidt. "Aber nicht nur. Sondern auch einen gehörigen Anteil populärer Sachen. Wie Medleys von Helene Fischer oder auch anderer angesagter Interpreten und Gruppen. Musikverein goes future. Auch in den nächsten 50 Jahren....

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren