Kulmbach

Tierschutzverein hat ein Loch im Spendentopf

Tierschutz ist gefühlt in aller Munde - ob Wal oder Wolf. Aber wie wird der Tierschutz vor der Haustür wahrgenommen? Hier fehlt offenbar Geld.
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Tierheimleiterin Susi Schilling ist eine von drei fest angestellten Kräften. Ansonsten helfen viele Ehrenamtliche mit.BR-Archiv Das Spendenkonto  lautet:  Sparkasse Kulmbach, IBAN: DE31 7715 0000 0000 1072 35,  BIC: BYLADEM1KUB).
Tierheimleiterin Susi Schilling ist eine von drei fest angestellten Kräften. Ansonsten helfen viele Ehrenamtliche mit.BR-Archiv Das Spendenkonto lautet: Sparkasse Kulmbach, IBAN: DE31 7715 0000 0000 1072 35, BIC: BYLADEM1KUB).
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Wo drückt der Schuh im Tierschutz, womöglich finanziell? Das wollten wir vom Vereinsvorsitzenden Wolfgang Hain wissen. Herr Hain, im Vergleich zum vergangenen Jahr fehlen dem Tierschutzverein Spenden, wie es heißt. Wie hoch ist die Summe? Wolfgang Hain: Laut unseres Schatzmeisters Hans Beyer sind wir zum jetzigen Zeitpunkt etwa 10000 Euro unter dem Vorjahresniveau. 2018 lief einigermaßen gut, was das Spendenaufkommen angeht. Sind Spender weggebrochen? Oder worin begründet sich der Rückgang? Das lässt sich so einfach nicht sagen, da spielen mehrere Dinge mit hinein. Teilweise fehlt mal eine größere Spende, dann handelt es sich gleich um ein paar 1000 Euro. Wir hatten vergangenes Jahr zum Glück ein paar wirklich große Zuwendungen bekommen. So gut sind wir aber nicht jedes Jahr aufgestellt. Gibt es dann jedes Jahr eine Unterdeckung? Die vergangenen Jahre wurden immer mit wirtschaftlichem Verlust abgeschlossen. Wie sieht die Bilanz aus? Woraus setzen sich die Einnahmen und Ausgaben zusammen? Wir haben Durchschnittswerte ermittelt. Demzufolge belaufen sich unsere Ausgaben pro Jahr auf etwa 160000 Euro zur Unterhaltung des Tierheims und des Tierheimbetriebs - davon entfallen allein für Tierarztkosten etwa 30000 Euro. Das ist ein großer Batzen. Konstante Einnahmen generieren wir aus unseren Mitgliedsbeiträgen in Höhe von 16000 Euro, den Tierabgaben und Patenschaften mit 20000 Euro, Aktionen wie dem Tierheimfest mit 15000 Euro und in gleicher Höhe nochmals dem aktuellen Spendenaufkommen. Dazu kommen 35000 Euro aus der Fundtierabgabe. Die stammen von den Kommunen, denn Tierschutz ist kommunale Pflichtaufgabe. Genau. Jede Kommune ist laut Tierschutzgesetz verantwortlich dafür, Fundtiere zu versorgen. Diese Aufgabe ist schließlich für die Stadt und den Landkreis Kulmbach gebündelt an den Tierschutzverein delegiert worden, als Gegenleistung bekommen wir von jeder Gemeinde pro Einwohner und Jahr 50 Cent. So kommen die besagten rund 35000 Euro zusammen.

Reicht das aus?

Eigentlich nicht. Laut Berechnungen des Deutschen Tierschutzbundes müsste die Abgabe auf bis zu 1,50 Euro ansteigen, um die Kosten zu decken. Das Geld aus diesem Topf reicht uns in keinem Jahr aus. Wenn, wie vor einiger Zeit in Presseck geschehen, allein für eine einzige Kastrationsaktion annähernd 2500 Euro auflaufen, weiß man, wie schnell die Summe aufgebraucht ist. Es gab früher sogar nur 25 Cent, die Verdoppelung auf 50 Cent haben unsere Kommunen glücklicherweise mitgetragen. Aber wir wissen, dass Städte und Gemeinden selber in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Wie lässt sich das Minus schließen? Bisweilen kommen wir als Verein in den Genuss einer - für uns steuerfreien - Erbschaft, die trägt uns dann wieder für einige Monate. Aber natürlich müssen wir auch sparen, da bleiben gewisse Sachen mit nicht ganz so hoher Dringlichkeit auch mal liegen. Den Tieren selber soll es in ihrer Versorgung und Betreuung an nichts fehlen, das hat oberste Priorität. Wir hatten es bereits von den Kastrationsaktionen für Katzen, für die der Tierschutzverein um Spenden bittet. Gibt es da bei den Tierärzten eine Art Rabatt? Nein, Tierärzte dürfen solche Leistungen für uns als Verein gar nicht anders abrechnen, sie müssen immer den Satz nehmen, den die Gebührenordnung vorsieht. Und nur eine Kastration beim Weibchen kostet etwa 135 Euro. Müsste man solche Aktionen einsparen? Es wäre kontraproduktiv, denn eine ungehinderte Vermehrung beschert auch dem Tierschutz - mit Verzögerung - automatisch mehr "Kunden", weil es mehr Katzen gibt. Insofern haben sich diese Aktionen bislang ausgezahlt und in merklich sinkenden Zahlen niedergeschlagen. Wir versuchen das in Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten deshalb auch weiter durchzuhalten. Wie viele Mitglieder hat der Verein und wie hoch ist der Beitrag? Derzeit sind es 580. Der Jahresbeitrag beginnt bei der Mindestgebühr von 30 Euro pro Jahr - nach oben sind keine Grenzen. Jeder kann bei uns seine Millionen loswerden (lacht). Ich denke, wir können von uns behaupten, extrem sparsam zu wirtschaften, auch dank unseres guten Schatzmeisters. Bei uns sind die Sparmöglichkeiten freilich auch begrenzt. Wie sieht es mit den Arbeitsplätzen aus? Im Tierheim arbeiten neben der Leiterin Susi Schilling noch zwei weitere Festangestellte. Sie alle zahlt der Verein, die Gehälter müssen wir über das Jahr erwirtschaften, da übernimmt keiner etwas von außen. Daneben zahlen wir natürlich Strom und Wasser, finanzieren Umbauten und Renovierungen. So kommen wir auch auf den besagten Betrag von rund 160000 Euro an Ausgaben, denn der Verein unterhält das Heim mit allem Drum und Dran. Was bringt das Tierheimfest? Es bringt uns einen gewissen wirtschaftlichen Gewinn und beschert uns das eine oder andere neue Mitglied und vielleicht ein paar Spenden. Es ist vor allem aber die Möglichkeit, auf uns aufmerksam zu machen und den Menschen zu zeigen, wie unsere Arbeit aussieht. Ist Tierschutzarbeit im Laufe der Jahre schwieriger geworden? In gewisser Weise schon. Was den wenigsten bewusst ist: Das Tierschutzgesetz beinhaltet für uns keinerlei rechtliche Handhaben. Wir dürfen gar nichts: kein Tier retten oder aus schlechter Haltung rausholen, wir dürfen nicht mal einen Privatgarten betreten. Wir müssen uns in jedem Fall ans Veterinäramt wenden, auch bei Hinweisen von Dritten. Das Amt muss zunächst tätig werden, erst danach sind wir mit im Boot. Wir können lediglich unverbindlich mit den Haltern oder Besitzern von Tieren reden, oft ernten wir nur ein Kopfschütteln. Was passierte, sollte der Verein aufhören? Dann müsste jede Gemeinde wieder selber dafür Sorge tragen, dass in ihrem Gebiet die Fundtierversorgung gewährleistet bliebe. Aber wir machen ja mehr als das und nehmen auch Abgabetiere auf, etwa wenn deren Halter verstirbt oder krank wird. Die meisten Tierheime haben zu knapsen und kämpfen mit ähnlich hohen Kostenbelastungen und sinkenden Zuwendungen. Aber es geht ja nicht allein um den angebunden Hund an der Autobahnraststätte zur Urlaubszeit. Mittlerweile kommt es immer öfter vor, dass illegale Transporte gestoppt werden und ein Tierheim gezwungen ist, mal auf einen Schlag 20 Hundewelpen aufzunehmen. Da kommt man schnell allein quantitativ an Grenzen.

Apropos Hunde: Derzeit sind wir voll, gerade kamen ein Dobermann und ein Schäferhund dazu, plus die beiden Neulinge von unserem Partnerverein aus Ungarn. Bei den Katzen sind es um die 40, das ist ein relativ geringer Bestand für unsere Verhältnisse, das ist zu händeln. Wie ließe sich dem Tierheim helfen? Die effektivste Hilfe ist finanzieller Art. Schön wäre es, wenn sich Menschen mit handwerklichem Können einbringen - von der Reparatur der lecken Wasserleitung und des defekten Stromkabels bis hin zum Zaunflicken oder Rasenmähen. Solche Dinge bleiben im Notfall unerledigt, weil anderes vorgeht. Wir müssen heuer noch einige Sanierungsvorhaben angehen. Da kommen mal schnell ungeplante Zusatzausgaben über 30000 Euro zusammen. Wer uns da helfen könnte, den nähmen wir mit Kusshand. Helfen Futterspenden? Ja, aber da haben wir zum Glück relativ viele, auch dank der Spendenboxen in diversen Supermärkten und Discountern sowie im Zoofachhandel. Wir nehmen alle möglichen Spenden auch direkt entgegen. Hilfreich wäre es, wenn der Spender vorher anfragt, was gerade benötigt wird.

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