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Thurnau
Kommunalwahl

Thurnau: das wünschen sich die Bürgermeister-Kandidaten

Wer wird in Thurnau Bürgermeister? Amtsinhaber Martin Bernreuther (CSU) traf im Redaktionsgespräch auf Herausforderin Dunja Pfaffenberger (SPD/OL).
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Foto: Andrea Hofmann
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"Spritzig oder still?" Das war die erste Frage, die sich den Thurnauer Bürgermeisterkandidaten stellte, als sie beim BR-Redaktionsgespräch Seite an Seite Platz nahmen. Die Antwort: Amtshinhaber Martin Bernreuther (CSU) griff zum spritzigen Wasser, seine Herausforderin Dunja Pfaffenberger (SPD/Offene Liste) wählte das stille. "Darin unterscheiden wir uns", sagte Pfaffenberger.

Keine Kritik

Eine Stunde später stand fest: Es war einer von wenigen Punkte, in denen die beiden Bewerber konträre Ansichten hatten. Kritik an der Amtsführung von Martin Bernreuther übte dessen Herausforderin nicht. Was beim Blick auf die Entwicklung der Töpfergemeinde nicht verwundert, denn der Markt ist in der zu Ende gehenden Legislaturperiode aufgeblüht: Die Schlossanlage wird Zug um Zug saniert, Leerstände im Ortskern werden behoben, die Schulden der unter Konsolidierungszwang stehenden Gemeinde konnten auch dank der Finanzspritze des Freistaates um 80 Prozent zurückgefahren werden

Viele einstimmige Beschlüsse

Viele Beschlüsse im Gemeinderat wurden einstimmig gefasst: Konfliktpotenzial gibt es da kaum. Harmonisch verlief dann auch das Redaktionsgespräch in einem äußerst freundschaftlichen Ton. Was dabei nicht verwunderte: Martin Bernreuther verfügt als Amtsinhaber über detailliertere Kenntnisse, was ihm beim Frage-Antwort-Spiel mit Redaktionsleiter Alexander Müller bei so manchem Redebeitrag zugute kam.

Schuldenabbau

Beim Thema Finanzen machte Dunja Pfaffenberger deutlich, dass der Schritt in die Konsolidierung im Jahr 2013 der richtige war. Der Markt habe davon profitiert, viele Projekte aufgrund einer hohen staatlichen Förderung von bis zu 90 Prozent umsetzen können. Bei den freiwilligen Leistungen sei der Spielraum dadurch aber eingeschränkt, so die 47-Jährige, die sich wie Martin Bernreuther wünschte, dass der Markt baldmöglichst wieder aus eigener Kraft Projekte steuern und Akzente setzen kann.

Die Schulden im Blick

Der Bürgermeister stellte heraus, dass der Schuldenstand der Marktgemeinde von 4,1 Millionen Euro (2014) auf heute 750 000 Euro zurückgefahren werden konnte. Dies aber nicht allein dank der Finanzspritze des Freistaats. 2,5 Millionen Euro sind direkt in die Kreditablösung geflossen. Etwa eine Million habe der Markt selbst beisteuern können. "Das zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind." Thurnau habe vom starken Anstieg der Einkommenssteuerbeteiligung ebenso profitiert wie vom Anstieg der Gewerbesteuer, so der 41-Jährige, der zuversichtlich ist, dass sich letztere durch die Ansiedlung weiterer neuer Firmen erhöhen wird.

Der Blick auf den Ortskern

Unstrittig ist in Thurnau, dass auf die innerörtliche Entwicklung ein besonderes Augenmerk gelegt wird. 2014 war im Entwicklungsausschuss parteiübergreifend die Entscheidung getroffen worden, den Ortskern zu beleben, einer Flächenversiegelung durch Neubauten im Außenbereich den Riegel vorzuschieben.

Das Thema Wohnraum

Bei der Frage, wie man weitere Leerstände beheben sollte, haben die Kontrahenten aber unterschiedliche Ansichten. Dunja Pfaffenberger wünscht sich, dass die Gemeinde möglichst viele Projekte selber in die Hand nimmt und entwickelt. Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sollte auch eine Wohnungsbaugesellschaft gegründet werden, so die Herausforderin. In Thurnau bestehe da großer Bedarf, wie sie an einem Beispiel aus Hutschdorf erläuterte. Auf eine Wohnung hätten sich jüngst 30 Personen beworben.

Gegen den Leerstand

"Ich sehe das Thema etwas anders", sagte Bernreuther, als er sich zu den Mitteln der Leerstandsbekämpfung äußerte. "Wir sollten auf Privatleute setzen, nach Investoren Ausschau halten, auch mit Blick darauf, dass wir keine neue Verschuldung aufbauen wollen." Grundsätzlich sei es mit Blick auf die demografische Entwicklung wichtig ("Wir werden langfristig nicht wachsen"), Häuser im Ortskern zu sanieren statt immer neue Baugebiete auszuweisen. Was den sozialen Wohnraum betrifft, so verwies er darauf, dass die Gemeinde mit dem Umbau der Sparkasse einen Akzent setzt. In Thurnau gebe es ansonsten etliche Häuser, die im Besitz der Kulmbacher Baugenossenschaft seien. "Von ihr wünsche ich mir die Bereitschaft, diese zu sanieren."

Thema Parken

Auch die Parkproblematik rund um das Schloss und den Marktplatz war ein Thema. Den Verkehr und damit auch Besucher aus dem Ortskern rauszuhalten, sei gerade mit Blick auf den Handel der falsche Weg, erklärte Dunja Pfaffenberger. Um Parkordnung zu schaffen, würden Markierungen angebracht. "Noch ist das Konzept aber nicht ausgereift", sagte die 47-Jährige, die auch Stellflächen für die Bewohner im Auge hat.

Dass Kupfernägel auf dem Kopfsteinpflaster ("Die Markierung muss zum historischen Ortsbild passen") für ein geordnetes Parken sorgen sollen, teilte Martin Bernreuther mit. "Ohne Menschen und Autos kann ein Ort nicht belebt sein", so der Bürgermeister, der darauf verwies, dass nicht nur das Schloss, sondern auch die Wirtshäuser und die Eisdiele Besucher locken. Parkplätze seien vorhanden: "Es wird zwar enger, es ist aber nicht so, dass man nichts findet."

Die Umgehung im Visier

Apropos Verkehr: Auch nach der geplanten Ortsumgehung von Döllnitz und deren Auswirkung auf Thurnau wurde gefragt. Dass man Döllnitz mit rund 3500 Fahrzeugen am Tag mit Großprojekten wie in Untersteinach nicht vergleichen könne, stellte der Bürgermeister fest. Er machte deutlich, dass im Zuge des Umgehungsbaus Engstellen in Thurnau beseitigt werden können. Ob der Verkehr durch Thurnau zunehmen würde? "Die Frage ist hier, was mit den angedachten Gewerbegebieten bei Krumme Fohre und Melkendorf passiert. Beim Ist-Zustand ist das aus meiner Sicht nicht zu erwarten."

Dunja Pfaffenberger glaubt nicht, dass die Umgehung zeitnah kommt. "Die Straße ist ja schon seit Urzeiten in Planung. " Sie hat keinen Zweifel daran, dass durch die Umgehung der Verkehrsfluss verbessert würde, vor allem dann, wenn auch das Teilstück der Staatsstraße auf Thurnauer Seite in Angriff genommen würde. "Über die Finanzierung entscheidet da aber der Freistaat."

Die Wünsche

Was sich beide in den nächsten Jahren für Thurnau wünschen? "Dass sich der Ort weiter entwickelt und wir wenig Arbeitslose haben", sagte Dunja Pfaffenberger, für die die Öffnung des Schlossparks "ein Traumobjekt" ist. Die Wünsche in wenigen Worten zusammenzufassen, sei schlicht unmöglich, erklärte Martin Bernreuther: "Wenn Thurnauer im Urlaub von dem Ort schwärmen, an dem sie wohnen und arbeiten, dann wäre das Ziel erreicht."

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