Kulmbach

Theresa Weith fordert Klaus Peter Söllner heraus: Ein Neuling will ins Landratsamt

Die 32-jährige Theresa Weith fordert bei der Kommunalwahl Landrat Klaus Peter Söllner heraus? Wer ist die Kandidatin? Und wer kandidiert auf der Liste?
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Zu ihrer Nominierung gratulierte SPD-Kreisvorsitzende Inge Aures der Landrats-Kandidatin Theresa Weith (rechts). Foto: Klaus Klaschka
Zu ihrer Nominierung gratulierte SPD-Kreisvorsitzende Inge Aures der Landrats-Kandidatin Theresa Weith (rechts). Foto: Klaus Klaschka

Drei Monate vor der Kommunalwahl steht eins schon fest: Ein Traumergebnis von 96,40 Prozent wie 2004 wird es für Klaus Peter Söllner nicht mehr geben. Damals war der amtierende Landrat alleiniger Kandidat für dieses Amt. 2020 hat er es mit (bislang) zwei Gegenkandidaten zu tun: Oswald Greim (Linke), und Theresa Weith, die von der SPD als Kandidatin nominiert wurde.

Die promovierte Wissenschaftlerin, Mutter einer knapp zweijährigen Tochter, ist politisch bislang noch nicht in Erscheinung getreten, hat aber klare Vorstellungen für ihre künftige Arbeit. Aber wer ist der Neuling, der den "alten Hasen" Klaus Peter Söllner selbstbewusst herausfordert? Wir haben nachgefragt. BR:Wer ist der Mensch Theresa Weith? Theresa Weith: Ich bin ein Familienmensch. Zeit mit meiner Familie verbringen zu können ist mir sehr wichtig (gemeinsame Mahlzeiten, Wochenendausflüge, Reisen, ...). Bedingt durch Beruf und Familie bleibt zur Zeit nicht viel Zeit für Hobbys. Aber ich spiele Tennis. Das nehme ich sehr ernst, und es macht mir viel Spaß, insbesondere, weil ich in einer super Mannschaft gelandet bin. Wie war Ihr Weg in die Politik?

Zur SPD und somit auch in die Politik bin ich durch meine Mutter gekommen. Die hatte mich bereits 2008 bei Wahlkampfterminen häufig mitgenommen. 2014 habe ich dann selbst für den Stadtrat und den Kreistag kandidiert. Mitglied in der SPD wurde ich 2015. Im Moment bin als Beisitzerin im Ortsverein Kulmbach sowie im Kreisverband der SPD aktiv.

Warum ausgerechnet die SPD? Natürlich hat mich der Beruf meiner Mutter geprägt, die Geschäftsführerin bei der Arbeiterwohlfahrt ist. Ich finde, man muss in der Politik in erster Linie für die Menschen da sein und nach den bestmöglichen Lösungen suchen. Und da war und ist für mich die SPD die die richtige Partei. Hier sehe ich die Werte, die mich auch persönlich begleiten, am besten und glaubwürdig vertreten - auch mit Blick auf die Geschichte. Mir geht es vor allem um Gerechtigkeit und Solidarität. Was war der Auslöser, sich als Landrats-Kandidatin zur Verfügung zu stellen? Die Menschen müssen bei einer demokratischen Wahl eine Alternative haben. Ich wurde von Inge Aures gefragt, ob ich mir eine Landratskandidatur vorstellen könnte. Dann habe ich das mit meiner Familie besprochen und es war klar: Ich trete an.

Wen möchten Sie mit Ihrer Kandidatur erreichen? Es geht ja nicht nur um verschiedene Parteien oder Gruppierungen, sondern auch um zwei Generationen.

Wenn man bei einer Wahl antritt, dann will man grundsätzlich alle Menschen erreichen. Ich denke, in diesem Amt geht es nicht um Orientierung an einer Generation, sondern um den Blick auf die Notwendigkeiten, die sich aus einem solchen Amt ergeben. Eine jüngere Kandidatin kann aber vielleicht den Effekt haben, dass sich auch jüngere Wähler angesprochen fühlen und sich für die Politik unseres Landkreises interessieren.

Was wollen Sie im Falle Ihrer Wahl für den Landkreis Kulmbach erreichen? Der Landkreis Kulmbach sollte für Menschen jeden Alters einen guten Lebensraum bieten. Fortschritt und Innovation sind für mich dabei genauso wichtig wie Tradition und Brauchtum. Zwei Themen, die mir aus meinem privaten und beruflichen Hintergrund heraus sehr am Herzen liegen: Familienfreundlichkeit - der Ausbau der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine zentrale Aufgabe der Landkreisarbeit. Und mir sind eine klimaverträgliche Energieversorgung und der Umweltschutz wichtig, nicht zuletzt wegen meines beruflichen Hintergrundes. Ihre Mutter Elisabeth Weith ist in Kulmbach als Stadträtin politisch aktiv. Wie funktioniert so ein Mutter-Tochter-Gespann? Wir sehen uns nicht als Mutter-Tochter-Gespann. Natürlich sprechen wir oft über Themen, die sich aus unseren politischen Aktivitäten ergeben, und wir sind uns in unserer Grundhaltung recht ähnlich. Aber wir sind keineswegs immer einer Meinung!

Die SPD hat nominiert

In der Aufstellungskonferenz für die Kommunalwahl am 15. März hat der SPD-Kreisverband im Stadtsteinacher TSV-Heim Theresa Weith als Kandidatin für das Amt der Landrätin nominiert und die Liste ihrer 50 Kandidatinnen und Kandidaten für den künftigen Kreistag verabschiedet.

Die 32-jährige Kulmbacherin Theresa Weith stellte sich der Versammlung als politisch bislang nicht vorbelastet, aber mit klaren Vorstellungen für ihr künftiges politisches Engagement in und für die SPD vor. Und mit Ehemann und zweijähriger Tochter in der Konferenz demonstrierte sie auch die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Elternschaft, die für sie nur eine Frage der Organisation sei. "Überhaupt", sagte sie, " bin ich bedingt durch meinen beruflichen Hintergrund ein Fan von Struktur." Theresa Weith hat in Bayreuth Ingenieurwissenschaften mit Schwerpunkt Energietechnik studiert. Anschließend hat sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Technische Thermodynamik und Transportprozesse 2017 promoviert. Sie ist nun Akademische Rätin an der Uni Bayreuth, mit Lehrtätigkeiten beauftragt und als Gruppenleiterin unter anderem verantwortlich für Projektkoordination und -akquise. Zur SPD sei sie in erster Linie durch ihre Mutter gekommen, erklärte Weith ihr politisches Engagement. Durch sie habe sie einen Einblick in soziale Arbeit bekommen und habe gelernt, "wie wichtig diese für die Bevölkerung ist".

Mit ihrer Kandidatur, so Weith, wolle sie ein Zeichen für Demokratie setzen, die nun einmal von Wahlen insbesondere mit Alternativen lebe. Als Wissenschaftlerin sei sie aber Realistin: "Das heißt, mir ist durchaus bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit, diese Wahl zu gewinnen, eher gering ist." Dennoch werde sie im anstehenden politischen Wettstreit zumindest Erfahrungen gewinnen, die sie künftig bei der Umsetzung ihrer Visionen nutzen könne.

Zwar gebe es im Landkreis Kulmbach "eine ausgewogene, breit aufgestellte Wirtschafts- und Unternehmensstruktur, günstige Lebenshaltungskosten, kulinarische Genüsse auf höchstem Niveau, eine zentrale Verkehrslage in der Mitte Europas, vielfältige Freizeitmöglichkeiten, gute Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und Senioren", die es zu erhalten und auszubauen gelte.

Allerdings gebe es auch "eine Reihe von Themen, die bearbeitet werden müssen - zum Beispiel: Die Abwanderung junger Menschen in die Ballungszentren sollte unbedingt ein Ende haben", zudem sei ein Beitritt zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg nötig, um einen starken öffentlichen Personennahverkehr im Kulmbacher Land zu verwirklichen.

Zudem gelte es, funktionierende soziale Netzwerke zu stärken und auszubauen, um Familie und Beruf miteinander verbinden zu können. Aus ihrem beruflich-wissenschaftlichen Blickfeld sehe sie bereits das Engagement des Landkreises "in Sachen Klimaschutz". Die "Energiezukunft" müsse aber weiterhin "durch konkrete Umsetzungsprojekte vor Ort aktiv mitgestaltet werden."

Als weitere Themenschwerpunkte deutete Landratskandidatin Theresa Weith Verkehr, Abfall- und Entsorgungsstruktur an. Dabei möchte sie "in erster Linie die Bedürfnisse der Bürger erfassen, deren Probleme erkennen und diese lösen." Das aber nicht durch leere Versprechen.

Die Kreistagskandidaten der SPD

1. Theresa Weith 2. Simon Moritz 3. Inge Aures 4. Roland Wolfrum 5. Christina Flauder

6. Ingo Lehmann

7. Elisabeth Weith

8. Hermann Anselstetter

9. Pauline Schweens

10. Dietmar Hofmann

11. Werner Diersch

12. Volker Seitter

13. Siegfried Küspert

14. Volker Schmiechen

15. Jürgen Karg 16. Mark Reuther 17. Dieter Zeidler 19. Ingo Moos 20. Matthias Meußgeyer

21. Gabriele Stenglein

22. Ralf Beutner

23. Cornelia Wehner

24. Rudi Gumtow

25. Iris Blätterlein

26. Volker Matysiak

27. Katharina Faßold

28. Franz Klatt

29. Karin Witzgall

30. Jürgen Beyer

31. Dunja Pfaffenberger

32. Heiko Eberth

33. Angelika Munk

34. Gerd-Dieter Träder

35. Heike Schweens

36. Michael Marx

37. Gabriele Schneider

38. Rudolf Bock

39. Stefanie Diersch

40. Helmuth Breitenfelder

41. Christa Müller

42. Detlef Weißmann

43. Andrea Boujjia

44. Ottmar Schmiedel

45. Marga Schramm

46. Klaus Marx

47. Gunhild Wagner-Fleischmann

47. Ralf Baumann

48. Willi Kolb

49. Anke Emminger

50. Hans Werther.

Ersatzleute sind Günther Schölzky, Matthias Hahn, Uwe Böhnke und Gerd Leinfelder.red

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