Thurnau
Theater

Theater mit den Berndorfer Kirchenmäusen: Turbulenzen im Hotel "Zur Linde"

Auch in der neuen Produktion der Berndorfer Kirchenmäuse geht es wieder ausgesprochen rasant zur Sache.
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Dr. Gerlach (Björn Müller) gerät unter Druck, denn unerwartet ist seine Frau (Ingrid Erhardt) im Hotel aufgetaucht. Foto:  Uschi Prawitz
Dr. Gerlach (Björn Müller) gerät unter Druck, denn unerwartet ist seine Frau (Ingrid Erhardt) im Hotel aufgetaucht. Foto: Uschi Prawitz
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In Thurnau ist dieser Tage "kein Platz für die Liebe"! Das behauptet zumindest das Theaterensemble der Berndorfer Kirchenmäuse, das mit dem gleichnamigen Stück von Bob Grant und Anthony Marriott am Freitagabend Premiere feierte. Im vollends ausverkauften Schützenhaus strapazierten neun Laiendarstellerinnen und -darsteller die Lachmuskeln ihrer Zuschauer mit einer turbulenten Verwechslungskomödie, bei der auch lokale Anspielungen nicht fehlen durften.

Lokalkolorit

"An klaren Tagen haben Sie eine herrliche Aussicht auf die Windräder", erklärte etwa der Manager (Harald Kretter) des etwas heruntergekommenen Hotels "Zur Linde" in Limmersdorf den frisch eingetroffenen Hotelgästen Fräulein Unverdorben und Dr. Gerlach (Katja de Ridder und Björn Müller). Die beiden sind ein heimliches Liebespaar, werden jedoch für das Flitterwochenpärchen Schmidt (Jasmin Graß und Martin Geiger) gehalten und im gleichen Zimmer einquartiert.

Doch damit nicht genug, denn auch der Musiker David Kron (Alexander Herold) und dessen betüddelte Frau Maria (Talitha Kemnitzer) beziehen Zimmer 12A in der Linde. Zu allem Überfluss schneit auch noch Dr. Gerlachs tatsächliche Gattin (Ingrid Erhardt) mit ihrer riesigen Harfe herein, und es braucht nicht viel Fantasie um zu merken: Hier geht es schon bald ziemlich rund und der schnodderige Hoteldiener Albert (Dietmar Hofmann) hat alle Hände voll zu tun.

Fliegende Zimmerwechsel

"In diesem Jahr war nicht der Text die Herausforderung, sondern die Laufwege", sagt Dietmar Hofmann nach der gelungenen Premiere. Tatsächlich gibt es in dem Stück derart viele fliegende Zimmerwechsel, dass es aufmerksame Darsteller braucht, um die Reihenfolge nicht zu verwechseln und dadurch womöglich eine Pointe zu zerstören.

Auch Regisseurin Christa Bialas-Müller nannte dies als einen der Ansprüche in diesem Jahr. "Das Stück ist inhaltlich nicht tiefgreifend, es hat einen Slapstick nach dem anderen", erklärt sie. Sie denkt, dass jeder etwas von seiner Persönlichkeit spielen und einbringen konnte. Oder von seinen Ideen, wie zum Beispiel Talitha Kemnitzer, die selbst keinen Alkohol trinkt, aber eine alkoholabhängige, betrunkene Gattin mimen durfte. "Die Singszene, die ich vorgeschlagen hatte, war für mich eine große Herausforderung", sagte sie, ansonsten haätten ihr Gefühl und Intuition geholfen. Die junge Frau studiert aktuell an der Universität Bayreuth Theater- und Musikwissenschaften.

Das Stück, das eigentlich in England angesiedelt ist, hat das Ensemble gemeinsam nach Oberfranken geholt. "Bei uns ist das so - einer bringt eine Idee mit, wir besprechen, ob das sinnvoll ist, und dann machen wir das", erklärte Dietmar Hofmann.

Große Theaterfamilie

Die Berndorfer Kirchenmäuse sind eine große Theaterfamilie mit viel Gemeinschaftssinn, und die Freude am Theaterspielen bringen sie auch mit auf die Bühne. Seit 26 Jahren gibt es die Kirchenmäuse schon, das aktuelle ist ihr 25. Theaterstück. Die Darsteller spielen, weil es ihnen Spaß macht. Ein nicht minder ambitioniertes Team sorgt hinter der Bühne und beim Kulissenbau dafür, dass alles reibungslos läuft.

Den Erlös spenden sie für gemeinnützige Zwecke. "Im Lauf der Jahre haben wir schon etwa 140 000 Euro eingespielt, Geld, mit dem wir viele Projekte unterstützen konnten", sagte Dietmar Hofmann.

Wer sich die rasante Komödie im Thurnauer Schützenhaus nicht entgehen lassen will, sollte schnell sein, denn drei Vorstellungen sind bereits komplett ausverkauft.

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