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Marktleugast
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Teilen ist das neue Besitzen: Zwei Gemeinden in Kulmbach machen es vor

Teilen ist das neue Besitzen - für die Gemeinden Marktleugast und Grafengehaig ist das längst Alltag. Vor allem für die Bauhöfe eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten.
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Der Grafengehaiger Kommunaltraktor ist in letzter Zeit öfters im Marktleugaster Bauhof anzutreffen. Der Grafengehaiger Bauhofchef Klaus Keil (links) stimmt dort mit seinem Marktleugaster Kollegen Fredi Ott (rechts) gemeinsame Einsätze ab. Oder sie tauschen Gerätschaften aus. Foto: Matthias Beetz
Der Grafengehaiger Kommunaltraktor ist in letzter Zeit öfters im Marktleugaster Bauhof anzutreffen. Der Grafengehaiger Bauhofchef Klaus Keil (links) stimmt dort mit seinem Marktleugaster Kollegen Fredi Ott (rechts) gemeinsame Einsätze ab. Oder sie tauschen Gerätschaften aus. Foto: Matthias Beetz
Für den Grafengehaiger Bauhofvorarbeiter Klaus Keil ist es längst kein mühseliger Alleingang mehr, wenn er nach Rohrbrüchen Straßen ausbessern und asphaltieren muss: Sein Marktleugaster Kollege Fredi Ott schickt ihm Helfer. Und wenn Ott gerade einmal alle Fahrzeuge anderweitig im Einsatz hat, dann mäht Klaus Keil auch schon mal eine Marktleugaster Straßenböschung, um die Verkehrssicherheit sofort wieder zu gewährleisten.

Dem Nachbarn regelmäßig den eigenen Pkw-Anhänger zu leihen, um im Gegenzug Hilfe beim eigenen Baumschnitt zu bekommen - im privaten Bereich ist das Teilen vielfach üblich. Inzwischen schicken sich auch immer mehr Kommunen an, sich gegenseitig zu unterstützten. Die beiden Märkte Marktleugast und Grafengehaig gehören dazu. Vor allem im Bereich Bauhof arbeiten sie immer enger zusammen.
"Seit 2014 verstärken wir das ganz bewusst", sagen die Bürgermeister Franz Uome (Marktleugast) und Werner Burger (Grafengehaig).


Geteilter Aufwand


Im Rahmen der Verwaltungsgemeinschaft sind die beiden Kommunen schon Jahrzehnte verbunden und teilen sich den Aufwand für diverse Aufgaben. Konkret: Beide Kommunen finanzieren gemeinsam eine Verwaltung, die wiederum für die einzelnen Gemeinden arbeitet. Oder: Das gemeindliche Mitteilungsblatt beinhaltet Marktleugaster und Grafengehaiger Themen.

Auch im Bereich der Bauhöfe machen Marktleugast und Grafengehaig seit längerer Zeit gemeinsame Sache. Will heißen: Bei größeren Anschaffungen legen die zwei Kommunen zusammen und teilen sich das Nutzungsrecht. "Investitionen stimmen wir ab. Und das wird auch künftig so sein", sagt der Marktleugaster Bürgermeister Franz Uome.


Spezialgeräte erschwinglich


Manchmal stehen auf der Wunschliste auch spezielle Geräte, die sich eine Gemeinde nicht leisten würde, weil die zu erwartende Auslastung zu niedrig wäre. Beispiel: eine Kanalnetz-Kamera. "Die haben wir ebenfalls über die Verwaltungsgemeinschaft angeschafft", erläutert Verwaltungsleiter Michael Laaber. Andere gemeinsame Investitionen flossen in Rüttelplatten oder ein Gerät, um Kanalschächte heben zu können.

Doch selbst bei herkömmlichen Geräten und sogar beim Personal verschwimmen inzwischen die Eigentumsgrenzen. Da ist die Marktleugaster Rüttelplatte im Grafengehaiger Ortsteil Weidmes im Einsatz oder einer der drei Grafengehaiger Bauhofarbeiter liefert den Marktleugaster Kollegen - insgesamt neun an der Zahl - im Thermofass dringend benötigten Asphalt. Dass einer der Marktleugaster Mitarbeiter gelernter Maurer ist, hat auch schon dem Markt Grafengehaig Vorteile gebracht.


Interne Verrechnung


"Kostenlose Dienstleistungen sind das natürlich nicht", schränkt der Grafengehaiger Bürgermeister Werner Burger ein. "Das wird intern verrechnet." Aber: "Kostengünstiger als die Beauftragung einer Baufirma ist das auf jeden Fall."

Sein Marktleugaster Kollege Franz Uome ("Wir befinden uns ja in der Konsolidierungsphase") sieht außerdem den Zeitfaktor als Vorteil. Dringende Probleme wie Rohrbrüche werden (ohne Wartezeit auf Fremdfirmen) sofort angegangen und sind aufgrund der Ortskenntnis meist auch schneller erledigt.

Marktleugast und Grafengehaig wollen die interkommunale Zusammenarbeit künftig noch ausbauen, wie die beiden Bürgermeister unterstreichen. "Das macht es in vielen Fällen einfach leichter", so Uome.

Diese Ankündigung bedeutet freilich nicht, dass sich Marktleugast und Grafengehaig als Duo abschotten. So kümmert sich Grafengehaig über den Zweckverband Walberngrüner Gruppe auch um die Wasserversorgung von Helmbrechtser Ortsteilen. Und Marktleugast liefert Trinkwasser bis nach Guttenberg und Kupferberg.
"Zusammen mit Presseck haben Marktleugast und Grafengehaig eine Geschwindigkeitsmessanlage angeschafft", erklärt Michael Laaber. Und auch den Straßenbau im so genannten Kernwegenetz und den Breitbandausbau gehen die beiden Kommunen gemeinsam mit Presseck an.


Nach allen Seiten offen


"Da gibt es auch noch viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden", sagt Werner Burger. Dass gleich sechs Oberlandkommunen über Landkreisgrenzen hinweg seit Jahren in der Aktionsgemeinschaft "Lebensqualität durch Nähe" (LQN) in den Bereichen Kultur, Fremdenverkehr, Wirtschaft und Sport zusammenarbeiten, schaffe natürlich auch Vertrauen, ergänzt sein Marktleugaster Kollege Franz Uome.

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