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Olympia

Tausend schöne Momente in Südkorea

Sechs Wochen lang war der Stadtsteinacher Georg Stöckel als Bundespolizist bei den Winterspielen in Südkorea. Er kehrte begeistert zurück.
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Georg Stöckel mit einem "Berg" voller Souvenirs von den Olympischen Spielen in Südkorea und einer Besonderheit, der gemeinsamen Fahne von Süd- und Nordkorea.Werner Reißaus
Georg Stöckel mit einem "Berg" voller Souvenirs von den Olympischen Spielen in Südkorea und einer Besonderheit, der gemeinsamen Fahne von Süd- und Nordkorea.Werner Reißaus
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Polizeihauptmeister Georg Stöckel (59) gehörte zu den rund 30 Bundespolizisten aus ganz Deutschland, die bei den Olympischen Spielen in Südkorea den Zugang zum Deutschen Haus in Pyeongchang beziehungsweise bei den Paralympics im "Alpenhaus" regelten. Seit Montag dieser Woche ist er nach seinem knapp sechswöchigen Auslandaufenthalt wieder in seiner Heimatstadt eingetroffen, dabei voller Eindrücke und Erlebnisse, der er nie vergessen wird.


Wache am Deutschen Haus

Der Stadtsteinacher Bundespolizist, der in Bayreuth im polizeiärztlichen Dienst arbeitet, wurde bei einer polizeiinternen Ausschreibung für diese Aufgabe ausgewählt, auf die sich hunderte Polizisten beworben hatten. An ihnen kam keiner vorbei, der ins Deutsche Haus wollte. Jeder musste sich ausweisen, egal ob es Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestrainer oder Medaillengewinner waren. Georg Stöckel rückblickend: "Das Land mit seiner unheimlichen Freundlichkeit und seiner Ruhe war an sich hervorragend auf die Olympischen Spiele vorbereitet und es gab Nichts, was man irgendwo hätte kritisieren können."


Kälte und Wind machten zu schaffen

Der Flug nach Südkorea erfolgte von Frankfurt aus mit dem Airbus A 380, dabei einige Tage später als der Olympiakader Deutschlands. Georg Stöckel: "Die Mannschaft musste ja noch die Umstellungen verkraften, also die Zeitumstellung und die klimatischen Veränderungen. Die ersten zwei Wochen waren auch für uns brutal, denn es herrschte eine eisige Kälte bei minus 20 Grad, eine Trockenheit und dann noch der Wind dazu, das war schon extrem. Wir waren natürlich darauf vorbereitet und wir wussten auch, was wir mitnehmen mussten. Ich habe da auch nochmals Geld in die Hand genommen für ganz, ganz teure Unterwäsche, aber das hat sich auch rentiert." Die Kälte, die in den letzten Tagen in den heimatlichen Gefilden herrschte, ist für Georg Stöckel kein Vergleich.


Tradition und Moderne

Georg Stöckel, der sogar auf sein Faschingswochenende in der Faschingshochburg "Stanich" schweren Herzens verzichtete, steht noch immer unter dem Eindruck der Olympischen Spiele, die ihn auch als Sportler unwahrscheinlich begeisterten. Beeindruckt war der Stadtsteinacher aber auch von Südkorea: "Es ist ein Land mit einer unheimlichen Wachstumsrate, viel, viel Moderne, aber immer gepaart mit einer Tradition, auf die sie auch sehr viel Wert legen, auch im täglichen Umgang mit den Menschen. Das sieht man auch am Stadtbild, da schießen die Hochhäuser aus dem Boden und gleichzeitig steht ein Tempel neben dran. In dem Land herrscht eine unheimliche Disziplin und man kann zu jeder Tages- und Nachtzeit die Verkehrsmittel wie die U-Bahn benutzen, ohne irgendwie Probleme zu haben. Die U-Bahnen waren immer blitzsauber."


Germany Number One!

Georg Stöckel wusste, dass Südkorea als eines der sichersten Länder gilt und das hat sich für ihn auch bestätigt. Was überraschte, das war die unglaubliche Freundlichkeit und auch das Interesse der Bevölkerung: "Das war nicht aufgesetzt, sondern man hat immer wieder gemerkt, wie die Einwohner dermaßen deutschfixiert sind und oft hieß es: Germany Number One! Wir Deutschen haben in dem Land eine ganz starke Nummer, weil wir die Wiedervereinigung geschafft haben und sie nehmen es irgendwie als einen Anker, warum sollen das Süd- und Nordkorea nicht auch schaffen."


Ein Teil des Teams

Zu den ersten Highlights in Pyeongchang zählte für Georg Stöckel schon die Unterbringung: "Sie war sehr zentral gelegen und auch direkt in die Wettkampfstätten einbezogen und wir hatten einen kurzen Weg zum Deutschen Haus. Für mich ganz toll war dieses Gefühl Team Deutschland und das hatte wirklich vom Beginn bis zum Ende der Spiele Bestand und das hatte ich in der Art noch nicht gekannt. Dass wir dabei ein Teil von diesem Team Deutschland sein durften, das war auch für uns ganz Klasse.

Und dieses Teamgefühl wurde auch gelebt und durchgesetzt. Es war einfach wunderbar und egal wer in das Deutsche Haus kam, man war mit ihnen im Gespräch, ob es jetzt ein Eric Frenzel war oder Laura Dahlmeier, man konnte sich ganz normal mit den Jungs und Mädels unterhalten. Es war wirklich ein tolles Gefühl, einfach einmal dabei zu sein und auch akzeptiert zu werden. Das wird einfach unvergessen bleiben."

Die Teamfähigkeit deutscher Sportler ist ohne Zweifel ein Markenzeichen und diesen Teamspirit hat ja auch die DFB-Elf bei der WM in Brasilien eindrucksvoll bewiesen. Georg Stöckel: "Unsere Biathletin Laura Dahlmeier hat mit ihrem allerersten Erfolg für einen wahren Schub im Olympiateam gesorgt und für diese Teamfähigkeit haben alle miteinander gearbeitet. Das hat sich auch darin gezeigt, dass andere Teams in das Deutsche Haus kamen, um mit unseren erfolgreichen Sportlern zu feiern. Die Norweger haben zum Beispiel nach ihrem Olympiasieg in der Mannschaftswertung beim Skispringen mit unseren deutschen Skispringern im Deutschen Haus gefeiert.

Es kamen aber auch die Bobteams aus Österreich und das Alpinteam der Amerikaner. Das Deutsche Haus hat sich zu einem richtigen Zentrum entwickelt und uns hat es natürlich auch einen unheimlichen Spaß gemacht."


Fünfmal Gold für Kollegen

Und was den Bundespolizisten Georg Stöckel auch ein wenig stolz machte, war, dass die Berufskollegen wie Natalie Geisenberger oder Arnd Pfeiffer allein fünf Goldmedaillen holten. Es gab natürlich viele sportliche Höhepunkte und auch Überraschungen und dazu zählt für den Stadtsteinacher der Erfolg der Deutschen Eishockey Nationalmannschaft: "Was die geleistet hat, das war einfach nur überragend. Das Spiel um die Goldmedaille gegen Russland war für uns natürlich ein absolutes Highlight. Wie die Jungs mit den erfolgreichen Bobpiloten danach im Deutschen Haus eingelaufen sind, da ging die Party dann noch einmal richtig ab. Bei unseren Eishockey-Cracks ist sehr schnell die Enttäuschung der Freude gewichen, weil sie mitbekamen, wie ihre Leistung zu Hause in Deutschland honoriert wurde."

Die Sicherheitskräfte der Bundespolizei fanden aber auch genügend Zeit, das Land anzuschauen und das wurde auch genutzt. Georg Stöckel: "Wir waren zum Beispiel im wunderschönen Busan, einer dreieinhalb Millionen Hafenstadt direkt am Strand des Japanischen Meeres und auch in der Hauptstadt Seoul, einer 12 Millionen Stadt."


Große Gemeinschaft

Was aber den Aufenthalt in Südkorea für Georg Stöckel noch toppte, das waren die Paralympics: "Diese Spiele waren von der Freundlichkeit noch Mal eine Hausnummer besser und es gab auch nicht mehr das Deutsche Haus, sondern das Alpenhaus, wo das allererste Mal bei Paralympics mit Deutschland, Österreich und der Schweiz drei Nationen vertreten waren. Das hat sich toll bewährt und jeder, der dabei war, war total begeistert. Es war auch zwischen den Nationen eine unglaubliche Freundlichkeit und man hat miteinander gefeiert und auch Gefühle ausgetauscht. Einfach ein tolles Miteinander und gilt vielleicht auch als ein Beispiel für die Zukunft, so wie das dort gelaufen ist."

Und an das Land hat Georg Stöckel sein persönliches Dankeschön: "Vielen Dank Südkorea für tausend schöne Momente und Eindrücke, die man nicht nur im Gedächtnis, sondern mit Sicherheit im Herzen behalten wird."
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