Kulmbach

Tafeln wie der Reformator

Ganz im Zeichen Martin Luthers stand der Abend des Reformationsfestes auf der Plassenburg.
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Das Luther-Mahl begeisterte in festlichem Rahmen. Zur Begrüßung der Gäste auf der Plassenburg spielten Turmbläser, Landsknechte bewachten das Burgtor. Und die Bedienungen trugen die typischen Hauben der Mägde.Sonny Adam
Das Luther-Mahl begeisterte in festlichem Rahmen. Zur Begrüßung der Gäste auf der Plassenburg spielten Turmbläser, Landsknechte bewachten das Burgtor. Und die Bedienungen trugen die typischen Hauben der Mägde.Sonny Adam
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Zum 500. Reformationsjubiläum "luthert" es allerorten. Das Leben des Reformators wird in Filmen, Theaterstücken, Vorträgen wieder lebendig - aus den verschiedensten Blickwinkeln. Auf der Plassenburg in Kulmbach haben sich der Gastronom Günter Limmer und das Theater in der Kirche etwas Besonderes einfallen lassen: "Luther mit allen Sinnen" lautete das Motto.
Bei einem historischen Gelage, begleitet von Turmbläsern, Landsknechten, die das Burgtor bewachten, Mägden mit weißen Hauben, wie sie zu Luthers Zeiten üblicherweise getragen worden sind, konnten die Besucher die Zeit Luthers erschmecken. Die Palette des historischen Gelages reichte von "Käse vom Geberch" über Luthers Leibspeise Erbsenpüree mit Bratfisch bis hin zu Katharina von Boras Fleischkraftbrühe mit Pfefferklößchen, Spanferkelbraten mit Kraut und Brotklößchen bis hin zu den typisch sächsischen Räbchen: Dabei handelte es sich um von Bierteig ummanteltes Gebäck, in Fett ausgebacken mit reichlich Zimtzucker.
So gestärkt waren die Luther-Fans dann bereit, den Fall Luther in der Schlosskapelle zu erleben. Das "Theater in der Kirche" ließ die wichtigsten Stationen wieder aufleben. Ausgangspunkt war eine Verhandlung gegen den Reformator. Der Vorwurf: Luther soll die Bauernaufstände durch seine Schriften provoziert haben und damit die Schuld am Tode tausender Bauern tragen. Doch ehe von Richter Jürgen Kolb und dem Ankläger Alfred Wruck die Frage "Schuldig oder nicht schuldig?" gestellt wurde, hatte Martin Luther reichlich Gelegenheit, seine eigene Position, die Hintergründe für sein Handeln, zu erklären.


Bewegründe transparent gemacht

Der Reformator wurde von Michael Lehner gespielt. Lehner gelang es in hervorragender Weise, die inneren Beweggründe darzustellen. In einzelnen Szenen schilderte Luther den Bruch mit seinem Vater (Jürgen Peter). Denn der war ganz und gar nicht einverstanden, dass Luther ins Kloster ging. Erst zwei Jahre nach seinem Eintritt ins Augustinerkloster beichtete Luther seinem Vater seinen Entschluss, eine Aussöhnung blieb aber aus.


Wider den Ablasshandel

Ingeborg Peter spielte in dem Stück Luthers Mutter, eine Frau und Luthers spätere Frau Katharina von Bora. Auch Sven Larch hatte verschiedene Rollen. Er trat als Luthers Förderer und Beichtvater Johann von Staupitz auf, aber auch als Unterhändler der Kirche: als Kardinal Thomas Cajetan. Cajetan machte Luther, nachdem er die 95 Thesen an das Tor der Schlosskirche angeschlagen und den Ablasshandel der Kirche verurteilt hatte, ein Angebot, sein Gesicht zu wahren und die Kirche nicht zu denunzieren. Doch Luther schlug aus.
In immer neuen Szenen schilderte Luther seine Beweggründe für die Ausarbeitung der Thesen. Luther prangerte in einer Szene mit einem Sterbenden (Georg Küfner) an, dass der Ablasshandel böse Früchte trug. Schließlich wurde Luther auf die Wartburg entführt und dort - zu seinem eigenen Schutz - gefangen gehalten. Dort erkannte er, warum die Reformation zum Scheitern verurteilt war: Das Volk konnte die Heilige Schrift nicht lesen. Luther übersetzte die Bibel für alle, lernte der Magd Grete (Mona-Isabelle Peter) das Lesen.
In weiteren Rollen traten Benedikt Lehmann, Andreas Gebel, Wolfgang Hottaß und Nicolas Valentin Peter auf. Immer neue Einzelszenen ließen das Leben des Reformators lebendig werden.
Zwischendurch bereicherte Harah Thoma die Szenen mit Orgelimpressionen. Jürgen Peter war für die Inszenierung verantwortlich.
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