Kulmbach
Gleichberechtigung

Tänzerisch verhandeln lernen

Am 18. März war "Equal Pay Day", also Entgeltgleichheitstag. Diesmal beleuchtete das Kulmbacher Aktionsbündnis das Thema "Gehaltsverhandlung".
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"Welcher Verhandlungstyp sind Sie?" Claudia Kimich bat die Besucherinnen, sich selbst einzuschätzen Uschi Prawitz
"Welcher Verhandlungstyp sind Sie?" Claudia Kimich bat die Besucherinnen, sich selbst einzuschätzen Uschi Prawitz
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"Noch immer gibt es eine Gehaltslücke von 21 Prozent zwischen Frau und Mann", sagte Heike Söllner, Gleichstellungsbeauftragte am Landratsamt, beim beim "Equal Pay Day" im Martin-Luther-Haus. Umgerechnet auf Arbeitstage würde das genau dem Zeitraum bis zum 18. März entsprechen - so lange müssten Frauen nämlich im Vergleich zu Männern umgerechnet kostenlos arbeiten. "Wir Frauen neigen dazu, uns unter Wert zu verkaufen."

Eine, die diesem Trend Einhalt gebieten will, ist die Verhandlungsexpertin Claudia Kimich, die am Mittwochabend auf Einladung des Aktionsbündnisses im Kulmbacher Martin-Luther-Haus referierte. Unter dem Motto "Verhandlungstango - Schritt für Schritt zu mehr Geld und Anerkennung" gab sie den anwesenden Gästen, und damit insbesondere den Frauen, Tipps rund um Schlagfertigkeit, Argumentationsketten, Selbstbewusstsein und Auftreten.


Das eigene Können in Vordergrund rücken

"Auch Verhandeln muss geübt sein", sagte sie und forderte dazu auf, das eigene Können mehr in den Vordergrund zu rücken. "Frauen neigen dazu zu sagen, was sie (noch) nicht können, während Männer einfach sagen: Klar, das mache ich." Männer würden sich beispielsweise auch dann auf eine Stelle bewerben, wenn sie nur 10 Prozent der Anforderungen erfüllen - eine Frau würde bei 90 Prozent Erfüllungsquote noch immer überlegen. "Aber denken Sie daran", warnte Claudia Kimich, "sie vererben diese Einstellung des Nichtkönnens auch an Ihre Kinder."

Man müsse wissen, wer man ist, was man kann, und darüber solle man auch sprechen. "Männer können es nicht besser, sie haben nur weniger Hemmungen Ja zu sagen." Dabei sei es jedoch insbesondere für Frauen auch angebracht, einmal Nein sagen zu können. "Merken Sie sich, Nein ist ein ganzer Satz - es ist nicht nötig, einen ganzen Anhang von Erklärungen hinterher zu schieben." Und auf keinen Fall solle man Absagen immer persönlich nehmen.


Alles Übungssache

"Verhandeln ist wie Tanzen - es geht ums Aufbrezeln, Auffordern, auf die Füße zu treten und auch mal darum, einen Korb zu bekommen." Wichtig sei es, seinen Verhandlungspartner gut einzuschätzen, das könne man üben, ebenso wie schlagfertig zu sein. Verhandeln auf Augenhöhe sei das Stichwort. "Wenn Sie eine Absage erhalten, dann versuchen Sie Wege zu finden, Dinge zu verändern oder umzukehren", sagte die Expertin. "Wenn Sie nicht die notwendige Qualifikation für den Job haben, dann überlegen Sie sich, wie Sie die Qualifikation bekommen können - und nehmen Sie ein solches informelles Nein nicht persönlich."


Mehr Solidarität gefordert

Doch auch zu mehr Solidarität unter den Frauen rief Claudia Kimich auf. "Wir sind selbst nicht solidarisch und ziehen keine Frauen nach, wenn wir selbst Erfolg haben", kritisierte sie. Das erinnere sie an zwei Krabben in einem Eimer, die sich gegenseitig bei dem Versuch, aus dem Eimer zu klettern, immer wieder herunter ziehen. "Wenn wir anfangen, wirklich solidarisch zu sein, dann schaffen wir es auch!"

Zum Aktionsbündnis gehören neben der Gleichstellungsbeauftragten des Landratsamtes auch die Beratungsstelle für Arbeitslose in Kulmbach, das Mehrgenerationenhaus Mainleus und die Frauenbeauftragte des VdK Kreisverbands Kulmbach.


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