Kulmbach
Prävention

Suchtarbeitskreis: Keine Angst vor heißen Eisen

Alkohol am Arbeitsplatz, Ess- und Brechsucht, illegale Drogen, Computersucht: Seit 30 Jahren packt der Suchtarbeitskreis Kulmbach heiße Eisen an.
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Seit 30 Jahren gibt es in Kulmbach den Suchtarbeitskreis.Symbolbild: Jens Büttner/dpa
Seit 30 Jahren gibt es in Kulmbach den Suchtarbeitskreis.Symbolbild: Jens Büttner/dpa
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Dass Alkohol zu Problemen führen kann, das hat Dieter Weiss bereits nach der ersten Sitzung des Suchtarbeitskreises (SAK) 1987 am eigenen Leib erfahren: Denn der Zeitungsbericht über die Veranstaltung sorgte damals in Kulmbach für großen Wirbel. "Leider haben manche gemeint, wir wollen ihnen den Genuss des Bieres madig machen", erinnert sich der Geschäftsführer des Arbeitskreises an erboste Reaktionen. Heute kann er darüber schmunzeln. Zumal der Bericht seitens der Brauerei gar nicht so kritisch gesehen wurde.
Im Gegenteil. "Bereits in unserer zweiten Sitzung im Juni 1988 ist es uns gelungen, Gerhard Wiedenhöfer als Referenten zu gewinnen, der für den Verband Kulmbacher Brauereien einen Vortrag zum Thema Biergenuss mit Maß und Ziel hielt", sagte Weiß, der am Mittwoch die Festsitzung zum 30-jährigen Bestehen des Arbeitskreises im Landratsamt eröffnete.
Inzwischen habe die Zusammenarbeit zwischen den Kulmbacher Brauereien und den Präventionskräften des Gesundheitsamts, des Jugendamts und der Kommunalen Jugendarbeit ein hervorragendes Niveau erreicht, schlug Weiss, der seit Gründung des SAK als Geschäftsführer tätig ist, die Brücke in die Gegenwart. Das Seminar "Kulmbacher Bierkultur - zwischen Verantwortung und Genuss", an dem mittlerweile 2000 Schüler teilgenommen haben, nehme sogar eine bundesweite Sonderstellung ein.
Dieter Weiss unterstrich zum 30. Geburtstag des Arbeitskreises nachdrücklich die gestiegene Bedeutung der Vorsorge: "Mein persönliches Fazit aus gut 36 Jahren ärztlicher Tätigkeit und 30 Jahren Suchtarbeitskreis lautet, dass die Prävention immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Prävention ist eine lebenslange Lernaufgabe, sie beginnt im Kindergarten und endet im Seniorenheim."
51 Sitzungen zu den verschiedensten Themen hätten in den 30 Jahren stattgefunden, viele heiße Eisen (Sucht im Kindesalter, Ess-Störungen bei Mädchen, Ecstasy, Rauchen) wurden dabei angepackt.
Dass die Zusammenarbeit zwischen Suchtarbeitskreis und Brauerei funktioniert, zeigt auch die Tatsache, dass der Vorstandssprecher der Kulmbacher Brauerei, Markus Stodden, ein aktives SAK-Mitglied ist. Für die Brauerei sei es ein großes Anliegen, junge Menschen mit Blick auf den Bierkonsum zu sensibilisieren. "Wir setzen auf drei Bausteine: Aufklärung, Prävention, Bildung." Man müsse Grenzen aufzeigen und Alternativen anbieten, Verbote brächten meistens nichts, sagte der Vater von vier Kindern aus eigener Erfahrung.
Landrat Klaus Peter Söllner (FW) erinnerte daran, dass vor 30 Jahren das Thema Sucht noch lange nicht so im öffentlichen Blickpunkt stand wie heute. Im Gegenteil: "Es wurde an den Rand geschoben." Das habe sich inzwischen geändert. Er verwies auf viele erfolgreiche Projekte gerade bei Jugendlichen.
Es gab auch zwei Fachreferate: Manfred Wolfersdorf, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, sprach über "Die Bedeutung des Suchtarbeitskreises aus der Sicht der Psychiatrie". Der Landesvorsitzende des Ärzteverbands Öffentlicher Gesundheitsdienst in Bayern, Winfried Strauch, erläuterte "Die Bedeutung des Suchtarbeitskreises aus der Sicht des Öffentlichen Gesundheitsdienstes".
Ein bisschen war die Festsitzung auch schon die Verabschiedung von Dieter Weiss. Denn der frühere Leiter des Gesundheitsamts befindet sich in der passiven Phase der Altersteilzeit. Einen Spork (eine Mischung aus Spaten und Gabel) für die Gartenarbeit gab es schon mal von Landrat Söllner - damit ihm im Ruhestand nicht langweilig wird. Eine offizielle Veranstaltung soll aber noch folgen.
Für die musikalische Umrahmung sorgte das Trio "The lady and the tramps", bei der der Sohn von Dieter Weiss, Andreas Weiss, am Keyboard saß.

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