Kulmbach
Energiewende

Stromtrasse: Volkes Zorn entlädt sich lautstark

Der Bau der Süd-Ost-Gleichstrompassage bringt die Menschen auf die Barrikaden: In der Informationsveranstaltung in der Dr.-Stammberger-Halle machten die Gegner ihrem Unmut über das Projekt Luft.
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Von der Bürgerinitiative "Hof bis Freystadt gegen Monstertrasse" zeigen Ruth und Reimund Gumpert aus Betzenstein Flagge. Foto: Jürgen Gärtner
Von der Bürgerinitiative "Hof bis Freystadt gegen Monstertrasse" zeigen Ruth und Reimund Gumpert aus Betzenstein Flagge. Foto: Jürgen Gärtner
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Klaus Knorr aus Schmeilsdorf war einer der wenigen, der anfangs "unter gewissen Voraussetzungen" für die Stromtrasse war. Transparent sollte das Projekt dargestellt werden. Und es müsse sichergestellt sein, dass durch die Leitungen kein Braunkohlestrom aus der Lausitz fließt, erklärte er am Dienstagabend vor der Informationsveranstaltung zum Bau der Gleichstrompassage Süd-Ost. Nach der Veranstaltung in der Dr.-Stammberger-Halle hatte er seine Meinung geändert: "Die Betroffenheit der Bürger aus Marktredwitz ertrage ich nicht. Dass uns die Politik so etwas aufs Auge drückt."

Trillerpfeifen, Buh-Rufe

Ihrer Wut über die Pläne machten rund 1000 Besucher in der Halle lautstark mit Trillerpfeifen, Pfiffen und Buh-Rufen Luft. Sie wollen den Bau der Gleichstrompassage Süd-Ost mit allen Mitteln verhindern. Die Stromleitung ist eines der zentralen Netzausbau-Projekte der Energiewende. Übertragungsnetzbetreiber sind die Unternehmen Amprion und 50Hertz. Die Dortmunder Firma Amprion hatte auch zu der zentralen Veranstaltung in Kulmbach eingeladen.

Die Leitung soll bei Bad Lauchstädt bei Halle und bis nach Meitingen (nördlich von Augsburg) führen. Mit der Trasse soll nach Abschaltung der Kernkraftwerke ein verlustarmer Transport der im Norden und Osten erzeugten Energie in die Verbrauchszentren im Süden sichergestellt werden. Die Inbetriebnahme ist für 2022 geplant. Ein möglicher Trassenverlauf tangiert dabei die Gemeinden Himmelkron und Marktschorgast.

Dass die Info-Veranstaltung auf großes Interesse stößt, damit hatte Moderatorin Joëlle Bouillon von der Firma Amprion schon gerechnet. "Egal, wo man sie plant, gibt es keinen Zuspruch für eine neue Leitung", erklärte sie. Doch um die Energiewende umzusetzen, sei das Projekt notwendig. "Sonst kann man keine Kernkraftwerke abschalten." Sie betonte mit Blick auf die Gegner der Planung, die aus dem Hofer, Wunsiedler und Bayreuther Raum teils mit Bussen nach Kulmbach gekommen waren, dass es nicht reicht, nur gegen das Projekt zu sein. "Man braucht auch gute Gründe."

Zusammen mit einem Expertenteam - das mit Pfiffen begrüßt wurde - schickte sie sich an, über die Planungen zu informieren. Weit kamen sie jedoch nicht.

Während Joëlle Bouillon darauf hinwies, dass eine Entscheidung über den Korridor frühestens nächstes Jahr fällt, erklärte Julia Eßer von der Bundesnetzagentur die Notwendigkeit des Projekts. So werde ermittelt, wo wie viel Energie erzeugt und wo sie verbraucht wird. Aus diesem so genannten Szenariorahmen werde eine Netzentwicklungsplanung erstellt.

Die Folge daraus: "Die Süd-Ost-Passage ist eine energiewirtschaftliche Notwendigkeit", erklärte sie. Im Laufe des weiteren Verfahrens werde sich dann zeigen, "ob Kulmbach eine Vorzugstrasse ist". Wenn die vollständigen Unterlagen vorlägen, finde eine Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung statt. "Ich möchte Sie auffordern, ihre Einflussmöglichkeiten zu nutzen." Mehr Informationen dazu gebe es im Internet unter netzausbau.de.

Vortrag abgebrochen

Einen schweren Stand hatte dann Projektleiter Dirk Uther. Er erläuterte die Grobkorridorsuche und die daraus entwickelten, ein Kilometer breiten Trassenkorridore. Dabei werde versucht, entlang bestehender Hochspannungsleitungen und Autobahnen zu gehen, empfindliche Räume zu vermeiden. Doch weit kam er mit seinen Ausführungen nicht. Immer wieder wurde er von Zwischenrufen unterbrochen ("Schläfern Sie uns nicht ein"; "Das wissen wir schon alles"), bis er seinen Vortrag genervt abbrach und den Besuchern das Mikrofon für deren Fragen überlassen wurde.

Die Kulmbacher Stimmen: Landrat Klaus Peter Söllner bemängelte, dass die Leitung zwar durch die Region verläuft, aber nicht angezapft werden kann. "Oberfranken Ost wird also belastet, ohne dass wir einen Nutzen haben."

Schon Tatsachen geschaffen?

Marktschorgasts Gemeinderat Marc Benker kritisierte die Aussage, "dass man mit den aufgezeigten Trassen ins Rennen gehen wird", also schon Tatsachen geschaffen wurden. Bürgermeister Gerhard Schneider aus der Nachbargemeinde Himmelkron verwies darauf, dass beim kleinen Ortsteil Gössenreuth nur ein 200 Meter breiter Korridor zur Verfügung stehe.

Vor allem wurde immer wieder Kritik daran laut, dass die Leitung der Stromversorgung von Südbayern dienen soll. Dass dazu bis zu 70 Meter hohe Strommasten aufgestellt werden, das wollen sich die Menschen nicht gefallen lassen. Sie befürchten neben der Landschaftsverschandelung auch gesundheitliche Risiken durch die Hochspannungsleitungen.
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