Trebgast

"Strohberta" und Schlotfeger ziehen durch Trebgast: Glück und Segen auch bei Regen

Das unangenehm nasse Wetter erschwert der "Strohberta" und ihren Begleitern den traditionellen Umzug durch Trebgast.
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Der Schlotfeger bringt Glück - man sieht's. Foto: Dieter Hübner
Der Schlotfeger bringt Glück - man sieht's. Foto: Dieter Hübner
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Es war ein langer Tag für die Trebgaster "Strohberta" und ihre neun Begleiter. Und zeitweise auch ein nasser. Über eine Stunde lang schüttete es am Nachmittag teilweise so stark, dass sich die zehnköpfige Gruppe kurzfristig entschloss, einen schützenden Unterstand aufzusuchen. Das war schon lange nicht mehr der Fall.

Vor allem für die "Berta" war das natürlich nicht so angenehm, denn ihr Kleid aus Erbsenstroh lässt das Wasser ja nicht einfach ablaufen, sondern saugt sich richtig voll und wird dadurch noch schwerer, als es ohnehin schon ist. Eine erste Erfahrung für die neue "Berta" Tobias Fischer, der nach vier Jahren Markus Schoberth ablöste.

Nicht viel besser erging es dem "Christkindla" (Christian Kauper), denn sein weißes Kleidchen ist auch nicht gerade für Outdoor-Aktivitäten imn Regen geeignet.

Nach einem Weißwurst-Frühstück um 6 Uhr morgens am Treffpunkt darf nicht zu viel Zeit verloren werden, denn allein das "Ankleiden" der Hauptfigur dauert über drei Stunden. Solange steht der arme Kerl mitten im Raum, die Arme waagerecht auf zwei Jungs gestützt. Acht von ihnen sind um ihn herum damit beschäftigt, ihn mit den einzelnen, ein bis eineinhalb Meter langen Strohzöpfen einzuwickeln. Je nach Fortschritt dieser Arbeit funktionieren ein Toilettengang, Essen und Trinken nicht mehr ohne Hilfe. Kein Problem für das eingespielte Team.

"Glück und Segen" an jeder Tür

Mit etwas Verspätung stürmt die Truppe gegen halb elf Richtung Oberes Dorf los, klingelt an jedem Haus, wünscht überall "schöne Weihnachten" und "Glück und Segen für das neue Jahr". Zum Dank gibt's mal zu essen, mal zu trinken, manchmal auch beides. Spenden, die sie zusätzlich erhalten, geben die jungen Männer anschließend für soziale Zwecke weiter.

Der erste größere "Auflauf" findet dann am oberen Ortsende satt, wo sich bei der Brauerei in den letzten Jahren eine Art "Biergartenatmosphäre" entwickelt hat - eine Art "Heiliger Frühschoppen", nur in kleinerem Rahmen.

Scharf auf einen Strohhalm

Für das "Vorglühen", um die Wartezeit bis zum Eintreffen der "Berta" etwas zu verkürzen, sind die zwei "Weihnachtsmänner" Karl-Heinz und Ludwig am mobilen Zapfhahn zuständig. Großes Gedränge herrscht dann, als die Truppe die letzten Meter in der Bergstraße erklommen hat. Jeder versucht, einen Strohhalm aus dem zwanzig Kilo schweren Gewand der "Berta" zu zupfen. Wer diesen in seiner Geldbörse aufbewahrt, dem soll im neuen Jahr das Geld nicht ausgehen.

Wieder zurück in der Dorfmitte, wartet vor der "Dorfschänke" schon die nächste größere Menschenmenge auf die Gruppe. Wieder ruft das Christkindla "Aufstellung", denn überall sind Fotos mit der "Strohberta" gefragt. Die etwas größere Mittagspause gibt es dann in der Lindauer Straße bei der Ute, damit man gleich danach die Steigung der Siedlung "Am Schoberthsacker" bewältigen kann. Im Weiherhaus, dem südlichen Ortsende, folgt der Wechsel von West nach Ost über die Brücke der Trebgast.

Feuertaufe bestanden

Längst ist die Dämmerung hereingebrochen. Glücklicherweise hat mittlerweile der Regen nachgelassen. Das "Christkindla" ist erleichtert und kommentiert: "Den Regen hät‘s net gebraucht. Angenehm is a anners G'fühl."

Gegen 23 Uhr haben die Burschen es wieder geschafft. Die "neue Berta" und auch "Sackträger Cedric" haben ihre Feuertaufe bestanden. Glückwunsch.

"A Halbe geht noch", sind sich alle beim Umziehen in einem Nebenraum der Schule einig. Doch dann wollen sie einfach nur noch ins Bett.

Doch Weihnachten 2020 werden sie wieder losziehen, wenn es heißt: "Struuberta, Christkindla, Schlootfecher".

Die Gruppe 2019:

Strohberta: Tobias Fischer

Treiber: Patrick Munzert

Christkindla: Christian Kauper Schlotfeger: André Kreusel Männla: Johannes Fischer Fraala: Andreas Popp

Polizisten: Moritz Weinmann und Adrian Lauterbach

Sackträger: Patrick Sperling und Cedric Köhler

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