Wirsberg
Hobby

Stricken geht jetzt wie im Schlaf

Der Strickkreis "Die flotten Nadeln" trifft sich einmal wöchentlich zum Stricken und um sich zu unterhalten. 104 Socken haben die Damen für die Geschwister-Gummi-Stiftung gefertigt.
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Einen Korb mit 104 Kindersocken übergab Traudl Vollrath (links) vom Strickkreis "Die flotten Nadeln" an Regina Herath von der Geschwister-Gummi-Stiftung. Foto: Werner Reißaus
Einen Korb mit 104 Kindersocken übergab Traudl Vollrath (links) vom Strickkreis "Die flotten Nadeln" an Regina Herath von der Geschwister-Gummi-Stiftung. Foto: Werner Reißaus
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Strickkreise liegen voll im Trend wie zum Beispiel im Luftkurort Wirsberg, wo sich seit zwei Jahren der Strickkreis "Die flotten Nadeln" Woche für Woche zum gemeinsamen Stricken trifft. Während sich lange Zeit nur die Großmütter mit dem Stricken beschäftigten, sind es heute mehr und mehr auch jüngere Menschen, die sich ihre Kleidungsstücke und Accessoires selber stricken. Die Übernachtungsgäste im Landgasthof Hereth staunen oft nicht schlecht, wenn sie den Strickkreis bei der Arbeit sehen und feststellen: "Sowas haben wir noch nicht gesehen!"

Warum die Handarbeit Stricken wieder so im Trend liegt, weiß Traudl Vollrath, die den Strickkreis "Die flotten Nadeln" in Wirsberg mit einigen gleichaltrigen Frauen ins Leben gerufen hat: "Ich bin auch seit sechs, sieben Jahren in einer Strickgruppe in Kulmbach und hatte im Sommer in unserem Sommerbad oft Strickzeug dabei und bekam dann Reaktionen wie ,Ach, das möchten wir auch mal lernen.' Ich habe dann dafür etwas Werbung gemacht und wusste es nicht einzuschätzen, wer denn alles kommen würde."

Traudl Vollrath wurde vor allem von Lieselotte Hereth unterstützt: "Ich hatte auch spontan zugesagt und war die Erste, die mit dabei war. Jetzt stricken wir schon im dritten Jahr. Ich war blutige Anfängerin, inzwischen ist das Stricken schon eine Sucht. Ich hatte jeden Tag Socken gestrickt und überhaupt nicht mehr aufgehört." Andere waren dagegen nur einmal da und sind dann nicht mehr gekommen.

Von Oktober bis Ostern

Mit einem sechswöchigen Grundlehrgang fing dann alles an. Heute besteht der Strickkreis aus zwölf bis 14 Frauen, die sich von Oktober bis Ostern jeweils am Donnerstag von 19 bis 21 Uhr zu einer Strickrunde treffen. Überwiegend werden Socken gestrickt und in lustiger Runde neue Muster, Strickerfahrungen und Wollreste ausgetauscht. Der Strickkreis wird im Landgasthof Hereth von der Gastwirtsfamilie Hereth im Nebenzimmer immer liebevoll vorbereitet. Neben dem Stricken steht aber auch die Unterhaltung und der Spaß im Vordergrund. Mit dem neuen Trend zum Stricken wird ausgeglichen, was im Handarbeitsunterricht der Schulen schon lange nicht mehr richtig zum Zuge kommt.

Wer selber stricken will, möchte aber nicht nur individuelle Stücke produzieren, oft geht es auch um den entspannenden Effekt, der beim Stricken eintritt. Es kommt noch der kommunikative Aspekt hinzu, da sich Gleichgesinnte treffen und zum Stricken selbst und zu anderen Themen austauschen können.

Strickenlernen

Mit dabei sind auch Frauen aus Neuenmarkt, Bad Berneck und sogar aus Kulmbach, allerdings handelt es sich dabei mit Irmtraud Kamm um eine gebürtige Wirsbergerin, die das wöchentliche Treffen mit ihren früheren Freundinnen genießt: "Ich erfuhr vom Strickkreis über meine Tante. Ich konnte nicht Stricken und wollte es einfach lernen. Am Anfang war es anstrengend, aber in der Gruppe ging es dann prima. Nach dem zweiten und dritten Abend wird jetzt wie im Schlaf gestrickt. Ich stricke gern Socken und so wie ich sie stricke, gehen sie an meine Enkelkinder weg. Mich entspannt und beruhigt das Stricken."

Ilse Raithel suchte am Beginn nur die Unterhaltung, doch inzwischen hat auch die 77-jährige Wirsbergerin die Stricklust gepackt. Für Inge Oertel ist der Strickkreis wie eine Art "Rockenstube": "Ich wollte mir das zunächst alles nur Mal anschauen, aber dann hat mir die Unterhaltung vor allem Spaß gemacht. Ich wollte Topflappen häkeln, aber ich kann keine Nadel mehr halten, bin aber trotzdem gern dabei." Renate Günther ist eine Frau, die eher gerne häkelt, aber sie hat das Stricken wieder gelernt: "Ich habe Socken für meine Enkelkinder gestrickt und dann freut man sich einfach, wenn sie die Socken auch gerne anziehen. Ich finde es sehr schön, dass es den Strickkreis bei uns gibt." Mit Karin Drechsel hat sich auch eine "Reingeschmeckte", eine Niederbayerin in den Strickkreis gewagt: "Ich bin jetzt seit sechs Jahren in Weißenbach und wollte einfach Leute kennenlernen. Ich stricke alles und für mich ist die Gemeinschaft einfach super."

Lernt man stricken, beginnt man meist mit einer Arbeit, die sich auf rechte Maschen und gerade Ränder beschränkt. Es geht erst einmal darum die einzelnen Maschen so zu stricken, dass die ganze Arbeit gleichmäßig wird. Hat man die Anfänge geschafft, geht es an ärmellose Pullover, an rundgestrickte Mützen. Erst im Laufe der Zeit werden die Projekte schwieriger, es wird wertvollere Wolle verwendet, die Projekte werden aufwendiger und größer oder man traut sich an das Stricken von Socken.

Vor wenigen Tagen startete der Strickkreis "Die flotten Nadeln" bereits in seine dritte Saison und Traudl Vollrath erinnert sich: "Zu Beginn waren fast alle Frauen blutige Anfänger beim Sockenstricken. Inzwischen sind sie aber zu begeisterten und perfekten Strickerinnen geworden. Viele sagten damals: ,Das lerne ich nie' und waren sogar ganz verzweifelt, aber wir haben es dann doch fertig gebracht." Mit entscheidend dafür war freilich die schon professionelle Anleitung durch Traudl Vollrath, die auch in Kulmbach einem Strickkreis angehört.

Weil inzwischen die Männer vom Strickkreis "Die flotten Nadeln" längst alle mit bunten und wohlig warmen Wollsocken ausgestattet sind, haben sich die Damen eine besondere Aktion einfallen lassen und aus verschiedenen Wollresten 104 Kindersocken für das Kinderheim der Geschwister-Gummi-Stiftung gestrickt, die in diesen Tagen auch an die Einrichtung übergeben wurden.

"Unsere fleißigen Strickerinnen sind alle Mamas und Omas und haben ein großes Herz für Kinder", so Traudl Vollrath bei der Übergabe der Socken an Regina Herath von der Öffentlichkeitsarbeit der Geschwister-Gummi-Stiftung, um dann noch ein wenig Werbung zu machen: "Anfänger und auch erfahrene Strickbegeisterte sind immer herzlich willkommen." Das gilt auch für Wollreste, die irgendwo in einer Kiste schlummern.

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