Mainleus

Strafrabatt für Geständnisse

Zu mehrjährigen Haftstrafen wurden die Mainleuser Einbrecher verurteilt. Aber die rumänischen Täter waren nach Ansicht des Landgerichts keine Bande.
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Im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Bayreuth wurde im Prozess gegen fünf rumänische Angeklagte das Urteil verkündet. Sie hatten bei einem Einbruch in  Mainleus hochwertige Bohrrohlinge und Metall im Wert von 165 000 Euro gestohlen. Stephan Tiroch
Im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Bayreuth wurde im Prozess gegen fünf rumänische Angeklagte das Urteil verkündet. Sie hatten bei einem Einbruch in Mainleus hochwertige Bohrrohlinge und Metall im Wert von 165 000 Euro gestohlen. Stephan Tiroch

Mehrjährige Haftstrafen in einem deutschen Gefängnis müssen vier rumänische Einbrecher verbüßen. Sie wurden gestern vom Landgericht Bayreuth wegen besonders schweren Diebstahls verurteilt. Vor einem Jahr hatten die Männer bei der Firma AFC Hartmetall in Mainleus hochwertige Bohrrohlinge und Metall im Wert von 165 000 Euro gestohlen.

Kein schwerer Bandendiebstahl

Ein schwerer Bandendiebstahl konnte den Tätern nach Ansicht der Richter nicht nachgewiesen werden. Die Rumänenbande war also im strafrechtlichen Sinn keine Bande.

"Im Namen des Volkes" verkündete Vorsitzender Richter Bernhard Heim das Urteil. Die 1. Strafkammer verhängte folgende Freiheitsstrafen: vier Jahre für einen Landwirt (48), dem außerdem ein versuchter Einbruch in Neuhausen bei Stuttgart nachgewiesen wurde, dreieinhalb Jahre für seinen Neffen (35) und einen Bauhelfer (37) sowie drei Jahre für einen Automechaniker.

Aussage wurde belohnt

Ein fünfter rumänischer Staatsbürger (32) kam wegen Beihilfe mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon. Er hatte den vier Landsleuten in seiner Wohnung bei München Unterschlupf gewährt und sie zum Tatort nach Mainleus gefahren. Entscheidend, so Heim, war das frühzeitige Geständnis des Mannes, der der Polizei entscheidende Hinweise für ihre Ermittlungen lieferte. "Somit hat sich seine Aussage gelohnt", sagte Heim.

Die Straftäter nahmen den Richterspruch äußerlich regungslos zur Kenntnis. Nach der fast 45-minütigen Urteilsbegründung erklärte aber nur der Chauffeur, dass er auf Rechtsmittel verzichtet. Die vier anderen Angeklagten, die anschließend wieder in die Haft zurückgebracht wurden, haben eine Woche Zeit, um zu überlegen, ob sie das Urteil in einem Revisionsverfahren vom Bundesgerichtshof überprüfen lassen.

Aufgrund der Geständnisse und der Ermittlungen der Kripo steht nach Überzeugung des Gerichts fest, wie am 24. Februar 2019 die vier Stunden nach Mitternacht abgelaufen sind.

Beute wog fast eine Tonne

"Absprachegemäß und in bewusstem und gewolltem Zusammenwirken" seien die vier Männer bei AFC eingebrochen. Sie hätten die Beute - fast eine Tonne - durch eine aufgebrochene Tür zu dem Mercedes-Transporter gebracht, der auf der Rückseite des Betriebs stand. Die wertvolle Fracht sei vom Landwirt und vom Automechaniker im Ausland für einen Bruchteil verkauft worden. Der fünfte Mann habe die zwei anderen Täter nach München zurückgebracht.

Kein Beweis

Für einen schweren Bandendiebstahl kann laut Heim ein Tatnachweis aber nicht mit der erforderlichen Sicherheit geführt werden. Hier teilte die Kammer die Einschätzung der Verteidiger. Etliche Gesichtspunkte wie die Zahl der Täter sprächen dafür.

Aber es gebe keinen Beweis für eine Bandenabrede, dass man auch in Zukunft ähnliche Straftaten begehen wolle. Man könne sich auch nicht auf das Indiz stützen, dass ein VW Sharan mit deutschem Kennzeichen erworben wurde, weil der Kauf erst nach der Mainleuser Tat erfolgte.

Bei der Strafzumessung, so der Vorsitzende, wurden jeweils Geständnisse, Entschuldigung und besondere Haftempfindlichkeit - keine Deutschkenntnisse und Inhaftierung fern der Heimat - zugunsten der Angeklagten gewertet. Negativ fielen der hohe Entwendungsschaden und das von enormer krimineller Energie geprägte Tatgeschehen ins Gewicht.

Mittäter benannt

Große Bedeutung hatten die beiden frühzeitigen Geständnissen des Automechanikers und des Chauffeurs. "Das ist nichts Besonderes, sondern wird von dieser Strafkammer immer so gehandhabt", erklärte Heim. Der 32-jährige Helfer habe gleich nach seiner Festnahme nicht nur seine eigene Beteiligung zugegeben, sondern auch die Mittäter benannt. Neben der Aufklärungshilfe hätten ferner die günstige Sozial- und Kriminalprognose für eine Strafaussetzung zur Bewährung gesprochen. "Damit wird deutlich, dass sich ein solches Aussageverhalten im Ergebnis auch lohnt", sagte der Vorsitzende und brummte dem Mann noch 1500 Euro Geldbuße auf, zahlbar an das Albert-Schweitzer-Hospiz in Bayreuth.

Von den vier Haupttätern bekam der Automechaniker ein halbes Jahr Strafrabatt. Sein Geständnis habe, wie das Gericht betonte, ebenfalls einen besonderen Wert. Der Mann habe nicht nur die Angaben des Helfers bestätigt und die anderen Beteiligten identifiziert, sondern damit auch zu einer klaren Beweislage beigetragen, so dass es den anderen Angeklagten ebenfalls ratsam erschien, ihre Tatbeteiligung einzuräumen.

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