Wartenfels

Sternsinger: Kleine Könige leisten große Hilfe

Am Dreikönigstag sind in der Region überall die Sternsinger unterwegs. Sie bitten um Spenden, die syrischen Kindern in Flüchtlingslagern zugute kommen.
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Benjamin Rupprecht (3), Josias Rupprecht (8), Amalie Rupprecht (6), Leonie Landa (9) und Fabian Landa (6) sammelten in Zettlitz und gingen von Haus zu Haus. Foto: Sonny Adam
Benjamin Rupprecht (3), Josias Rupprecht (8), Amalie Rupprecht (6), Leonie Landa (9) und Fabian Landa (6) sammelten in Zettlitz und gingen von Haus zu Haus. Foto: Sonny Adam
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Der Wartenfelser Pfarrer Rüdiger Feulner staunte am Samstag vor Dreikönig nicht schlecht: In den Kirchenbänken saßen nicht die gewohnten Gläubigen - sondern ausschließlich gekrönte Häupter. 32 Kinder der Pfarrei Wartenfels machten bei der Sternsingeraktion 2020 mit und wollten für den guten Zweck sammeln. In diesem Jahr kommt der Erlös Flüchtlingen, die im Libanon gestrandet sind, zugute.

Ziel soll es sein, Frieden und Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft zu fördern. Das ist in den Lagern im Libanon nicht immer gewährleistet. Schon ein Viertel der Gesamtbevölkerung im Libanon sind Flüchtlinge aus Syrien: Ausgrenzung, Repressalien sind an der Tagesordnung. Offiziellen Zahlen zufolge sind aktuell 1,2 Millionen Menschen aus Syrien im Libanon. Teilweise leben sie unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Bildungsprogramm

Mit Hilfe der Sternsinger hat die Adyan-Stiftung ein Bildungsprogramm für Schulen erarbeitet, das Kindern und Lehrern die gemeinsamen Werte der Weltreligionen sowie Wissen über die eigene Religion und Geschichte vermitteln soll. Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst, ein langjähriger Sternsinger-Partner, leistet Hilfe vor Ort, bei der schulischen Integration und beider medizinischen Versorgung der Flüchtlinge. Caritas Libanon organisiert ein Hausaufgaben- und Freizeitprogramm für Kinder in der libanesischen Hauptstadt Beirut.

Am Wochenende um Dreikönig wollten die Sternsinger aus Wartenfels 800 Haushalte in der Pfarrei besuchen. "Die Kinder haben ein ganz schönes Pensum. Sie besuchen alle Häuser - ohne Voranmeldung", erklärt Ivonne Rüger vom Jugendausschuss der Pfarrei Wartenfels.

Die Kinder haben sich natürlich als "Könige" verkleidet. Mit alten Vorhängen, mit Kronen auf dem Kopf. In jeder Sternsingergruppe gibt es einen Sternträger. Und als kleine Hilfe klebt auf der Rückseite der Sterne der Spruch, den die Könige aufsagen sollen.

Pfarrer Rüdiger Feulner weihte im Aussendungsgottesdienst die Kreiden und segnete die Sternsinger. "Ihr sollt ein Segen sein, und ihr sollt den Segen weitergeben", wünschte sich Feulner.

Die Buchstabenkombination C+M+B stehe für den lateinischen Segensspruch "Christus mansionem benedicat - Christus segnet dieses Haus", so der Pfarrer.

Traditionell verkörpern die drei König drei Kontinente. Caspar hat eine dunkle Gesichtsfarbe, weil er Afrika versinnbildlichen soll, Balthasar steht für Asien und Melchior für Europa. Als Geschenke bringen Caspar Myrrhe, Melchior Gold und Balthasar Weihrauch.

Bei den Wartenfelser Königen war die Rolle des Caspar nicht sonderlich beliebt. "Die Kinder mögen das Anmalen nicht", sagte Ivonne Rüger und akzeptierte die Tatsache, dass nur ein einziger König dunkel geschminkt war: Andreas Geyer (9). "Meine Patin hat gesagt, dass ich das Gesicht anmalen soll. Mir macht das nichts aus. Ich finde das nicht schlimm", erklärt der Neunjährige, der schon zum zweiten Mal bei der Sternsingeraktion mit von der Partie ist.

Zum Auftakt sagten die Wartenfelser Könige in der Sakristei ihr Sprüchlein auf, schrieben den Segen an die Kirchentür. Und Pfarrer Rüdiger Feulner ging natürlich mit gutem Beispiel voran und steckte einen Schein in die Spendenbüchse.

Dann machten sich die Sternsinger auf den Weg, jede Gruppe begleitet von einem Erwachsenen.

Der jüngste König war Benjamin Rupprecht. Benjamin ist erst drei Jahre alt. Er begleitete seine Geschwister Josias (8) und Amalie (6) Rupprecht sowie Fabian (6) und Leonie Landa (9) bei der Aktion in Zettlitz.

Keine konfessionellen Grenzen

Die Könige wurden freudig empfangen. "Es ist ein schöner Brauch", sagten Erwin und Margitte Pöhlmann aus Zettlitz. Obwohl die Pöhlmanns evangelisch sind, legen sie Wert auf die Segnung. Und natürlich spenden sie auch gerne für den guten Zweck.

Denn längst sind die konfessionellen Grenzen verschwunden. Auch unter den Sternsingern gibt es evangelische Christen und Andersgläubige. Die Gruppe, die von Raimund Graß begleitet wurde, bestand nur aus Nicht-Katholiken: "Mein Enkel ist evangelisch, die beiden anderen sind Flüchtlinge."

Auch Duyghu Adilova (11) und Damla Adilova (9) haben sich das Sternsingerkostüm übergezogen und sammelten. Die beiden Mädchen sind Muslime, stammen aus Aserbeidschan. Sie beteiligen sich schon seit drei Jahren an der Aktion.

Spenden in Milliardenhöhe

Die Sternsingeraktion wird seit dem Jahr 1959 regelmäßig durchgeführt. Insgesamt haben die drei Könige schon 1,14 Milliarden Euro gesammelt. Im vergangenen Jahr zogen allein im Erzbistum Bamberg, zu dem auch die Pfarrei Wartenfels gehört, 398 Gruppen durch die Lande und sammelten Spenden in Höhe von 1,662 Millionen Euro ein.

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