Kulmbach
Entdecker-Tour (142)

Steinerner Bär weist auf Namen einer Kulmbacher Gaststätte hin

Zum Gasthof Petz in der Kulmbacher Langgasse gehörten einst eine bekannte Exportbierbrauerei und eine Mälzerei, über die heute wieder viel diskutiert wird.
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Das Gasthaus Petz in der Langgasse ist bis heute ein uriges, fränkisches Wirtshaus geblieben. Foto: Erich Olbrich
Das Gasthaus Petz in der Langgasse ist bis heute ein uriges, fränkisches Wirtshaus geblieben. Foto: Erich Olbrich
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Ein uriges fränkisches Gasthaus befindet sich unweit des Rathauses in der Langgasse. Auf den Namen der Wirtschaft und den ihrer früheren Besitzer deutet ein steinerner Bär an der Fassade hin. Da Bären im Fränkischen auch Petz oder Betzerla genannt werden, findet sich die Verbindung zur Familie und Brauerei Petz.

Bamberger Künstler am Werk

Bereits ab 1882 wird der Brauereibesitzer Carl Petz als Hauseigentümer genannt. Die Etiketten seines Bieres trugen als Erkennungsmerkmal diesen Bären. Die schöne steinerne Fassadenfigur wurde von dem bekannten Bamberger Künstler Hans Leitherer erschaffen.

Auf dem schmalen Sockelstein hat er seinen Namen eingemeißelt, nach vorne die Jahreszahl des Erschaffens, 1936, und sein Zeichen, das stehende L mit dem quer darin liegenden H.

Die Gründung der Brauerei Petz geht auf das Jahr 1863 zurück, als Carl Petz sein Braugeschäft in das Handelsregister eintragen ließ. Gebraut wurde in einem kleinen Brauhaus schräg gegenüber der Gastwirtschaft, im elterlichen Anwesen an der heute nicht mehr bestehenden, überbauten Feuergasse. Diese stellte damals eine Verbindung zwischen Langgasse und Buchbindergasse her.

Neubau in der Pestalozzistraße

Wegen der beengten Verhältnisse errichtete Carl Petz etwa 1873 eine neue Brauerei an der Pestalozzistraße, heute noch als Mälzerei Müller bekannt. Carl Petz war der Wegbereiter, der die zunächst kleine, dem Lokalbedarf dienende Brauerei in die Bahnen eines Exportgeschäfts großen Stil lenkte. Unter seiner Leitung nahm die Biererzeugung von 8235 Hektolitern 1880 auf 33 630 Hektoliter 1886 zu, in nur sechs Jahren hatte sich der Jahresausstoß vervierfacht.

Diese Entwicklung ist umso bemerkenswerter, da bis 1885 ohne maschinelle Unterstützung gearbeitet wurde. Dies betraf auch die zur Brauerei gehörende Malzfabrik, die ebenfalls nur auf Handbetrieb eingerichtet war. Die Biere lagerten noch in gewaltigen, in den Sandstein gehauenen Felsenkellern unterhalb der Plassenburg.

1885 hat Carl Petz Brauerei und Mälzerei seiner Tochter Adelheit Müller, Frau des Brauers Wilhelm Müller, übertragen. Die Exportbierbrauerei Carl Petz wurde am 25. Februar 1886 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. An der Spitze stand der Schwiegersohn von Carl Petz, Wilhelm Müller. Dieser brachte den Bierexport so entscheidend voran, dass die Brauerei 1899 mit 120 010 Hektolitern ihren Höhepunkt erreichte.

Die Spezialität war das dunkle Export. So fand sich in der "Badischen Presse" 1903 eine Anzeige, in der die Petzbräu das "anerkannt vorzügliche Kulmbacher Bier, 1a dunkler Export" empfahl. Daneben wurde auch heller Gerstensaft hergestellt.

Mitteldunkles "Gnomenbräu"

Die Petzbräu gab, wie fast alle anderen Kulmbacher Brauereien auch, einer Biersorte einen besonderen Namen. Es war ein mitteldunkles Bier, das in Charakter und Farbe der Münchner Biere hergestellt wurde und unter dem Namen "Gnomenbräu" zum Versand kam.

Die Biere der Petzbräu erfreuten sich sowohl in Deutschland als auch im Ausland besonderer Beliebtheit. Die große Brauereianlage und vor allem die Qualität ihrer Biere wurden sogar vom bayerischen Herrscherhaus gewürdigt. Am 22. März 1892 besichtigte Seine Königliche Hoheit Prinz Ludwig die Brauerei und sprach sich sehr lobend und anerkennend über die Erzeugnisse und alle Einrichtungen aus.

Neuen Saalbau geschaffen

Wilhelm Müller erkannte zudem, dass es in Kulmbach keinen vernünftigen Veranstaltungssaal gab - und so errichtete er auf dem Gelände der alten Petz-Brauerei in der Langgasse einen neuen Saalbau. Dieser wurde am 16. Oktober 1899 eingeweiht. Auch die Familie Müller wohnte in dem vornehmen Stadthaus.

Die Stadt Kulmbach und ihre Bürger brachten ihre Verehrung gegenüber den Wittelsbachern und insbesondere dem Prinzregenten Luitpold von Bayern (1821 bis 1912) zum Ausdruck, in dem sie zu seinem 78. Geburtstag am 12. März 1899 den Luitpoldbrunnen auf dem Marktplatz und am 11. Juni 1899 den Saalbau Wittelsbach in der Buchbindergasse 3 einweihten. Der große Konzertsaal war in Weiß und Gold gehalten und mit Spiegelwänden in Rokokonachahmung versehen. Der Saalbau Wittelsbach war damals der gesellschaftliche Mittelpunkt Kulmbachs, in dem auch die Loge "Friedrich zur Frankentreue" ihren Sitz hatte.

Malzfabrik 1994 geschlossen

Der Ausschank der Petzbräu in Kulmbach erfolgte nun im Saalbau Wittelsbach. Während des Ersten Weltkriegs und in den Nachkriegsjahren brach das Geschäft der Petzbräu ein, so dass sie ihren Brauereibetrieb 1923 aufgeben musste. Die Brauerei wurde zu je 50 Prozent an die Reichel- und an die Rizzibräu verkauft.

Die Gebäude blieben im Besitz der Familie Müller. Sie errichtete darin eine Malzfabrik. 1994 wurde deren Betrieb eingestellt. Eine viel diskutierte neue Nutzung des Areals für Wohnzwecke steht aktuell bevor.

An die einst drittgrößte Kulmbacher Brauerei wird nach dem Abbruch des Saalbaus Wittelsbach im Jahr 1967 und dem geplanten Abriss der ehemaligen Malzfabrik Müller in der Pestalozzistraße wohl nur noch das Gasthaus Petz erinnern - und unser steinerner Bär ...

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