Harsdorf
Gemeinderat

Steht die Gemeinde Harsdorf auf dem Abstellgleis?

Der Gemeinderat Harsdorf ist stinksauer auf die Bayerische Eisenbahngesellschaft. Der neue Fahrplan sei schlechter wie bisher.
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Blick auf den Harsdorfer BahnhofWerner Reißaus
Blick auf den Harsdorfer BahnhofWerner Reißaus
Stinksauer auf die Deutsche Bahn ist der Harsdorfer Gemeinderat. In seiner jüngsten Sitzung erneuerte das Gremium seine Verärgerung über den neuen Fahrplan. Es herrschte Einigkeit, umgehend die Bayerische Eisenbahngesellschaft in München mit dieser Kritik zu konfrontieren.

Bürgermeister Günther Hübner (CSU) behielt sich weitere Schritte vor. "Wir werden parallel zu dem Schreiben auch unsere Abgeordneten in Bund und Land einschalten, weil die Entscheidungen nach wie vor unverständlich sind. Die Regelungen gehen zulasten unserer Schulkinder und der Qualität."
In dem Brandbrief an die Eisenbahngesellschaft erneuert die Gemeinde ihre Kritik an den vielen sogenannten technischen Halten in Harsdorf.


Noch schlechter als bisher


"Wir gingen davon aus, dass nach dem endgültigen Abschluss der Baumaßnahmen an der Bahnstrecke von Bayreuth nach Neuenmarkt/Wirsberg 2016 auch die technischen Halte vollumfänglich wegfallen würden. Das Gegenteil ist der Fall, es sind weitere Verschlechterungen eingetreten", heißt es in dem Brief.

"Total enttäuscht" war der Bürgermeister, als er am 9. Dezember 2017 die neuen Fahrpläne für das Kulmbacher Land zur Kenntnis nehmen musste. Die Regional-Express-Züge ab Nürnberg um 12.05 Uhr und ab Bayreuth um 13.02 Uhr würden nicht in Harsdorf halten, sehr wohl aber in Bindlach und Ramsenthal.


"Völlig ignoriert"


"Damit ist der Nahverkehr nach gut und schlecht angebundenen Gemeinden geteilt." Völlig ignoriert worden sei ferner die Forderung, dass während der technischen Halte ein Zu- und Ausstieg ermöglicht werden sollte. Während ihres Stopps würden die Züge nicht einmal den Motor abstellen.

Peter Krauß (CSU), der als unmittelbarer Anlieger besonders betroffen ist, zog dazu einen nicht alltäglichen Vergleich: "Wenn ich mein Auto oder meinen Laster vor das Grundstück des Bahnchefs stellen würde, würde man mich gleich verhaften." Bürgermeister Günther Hübner schließt nach einigen Jahren des Zusehens massive öffentliche Proteste nicht aus. "Die Fahrplangestalter sind offenbar nur für vollmundige Ansagen für den ICE zu haben. Die Tatsache, dass eine kleine Gemeinde wie Harsdorf auch berechtigte Interessen hat, wird ignoriert."


Mit etwas gutem Willen ...


Die Gemeinde bittet in dem Schreiben eindringlich darum, dass für den Regional-Express-Zug, der den Bahnhof Bayreuth um 13.02 Uhr in Richtung Neuenmarkt-Wirsberg verlässt, ein Halt in Harsdorf eingeplant wird. Bei etwas gutem Willen wäre diese Verbesserung für die Schüler jederzeit möglich.
Außerdem fordert die Gemeinde zum wiederholten Mal, dass die von den Schülern genutzten Züge vom Hausgleis 1 und nicht mehr von Gleis 2 abfahren sollen. Gemeinderat Stefan Holzheu (SPD) hatte zu diesem Punkt eigens Video-Aufnahmen gemacht.

"Es wurde ja immer argumentiert, dass der Agiles-Zug schneller ist, wenn er auf Gleis 2 hält und die Weichenkreuzung nicht überfahren muss", so Holzheu. Die könne er mit seinen bewegten Bildern widerlegen. "Ich habe festgestellt, dass es nicht sonderlich viel ausmacht, wenn er geradeaus fährt, weil er sowieso halten muss." Ein anderes Problem sei , dass der Agiles oft sehr lange auf den Gegenzug warten müsse.


Ablauf eher verlangsamt


Stefan Holzheu forderte konkrete Berechnungen der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, die deren Behauptungen stützten. "Ich habe eher den Eindruck, dass der ganze Ablauf für den Durchgangszug eher verlangsamt wurde."

Bürgermeister Hübner ergänzte noch, dass beim Streckenneubau auch die neueste Weichentechnik zum Einbau kommen sollte.
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