Kulmbach
Jugendzentrum

Stefan Lehner verlässt das Kulmbacher Juz und übt Kritik

Stefan Lehner, der Leiter des Jugendzentrums "Alte Spinnerei", hat seine Kündigung eingereicht. Im Interview spricht er über die Gründe und seine Vorstellungen von offener Jugendarbeit, die mit denen der Entscheidungsträger nicht übereinstimmen.
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Stefan Lehner packt beim Umzug in das frühere "Bockela" mit an, bald packt er aber seine Koffer. Ende des Jahres ist für den Leiter des Jugendzentrums "Alte Spinnerei" Schluss. Foto: Alexander Hartmann
Stefan Lehner packt beim Umzug in das frühere "Bockela" mit an, bald packt er aber seine Koffer. Ende des Jahres ist für den Leiter des Jugendzentrums "Alte Spinnerei" Schluss. Foto: Alexander Hartmann

Er war über 17 Jahre das Gesicht des Jugendzentrums "Alte Spinnerei": Stefan "Bonsai" Lehner, der nun - für viele völlig überraschend - bei seinem Arbeitgeber, dem Landratsamt, gekündigt hat. Warum er diesen Schritt geht, was er künftig machen wird? Darüber spricht der 44-Jährige im Interview, in dem er auch Kritik übt. Stefan, du hast - auch für Landrat Klaus Peter Söllner völlig überraschend - die Kündigung eingereicht, hörst Ende des Jahres als Leiter des Jugendzentrums auf. Was sind die Gründe? Stefan Lehner: Es ist an der Zeit, für mich etwas zu ändern. Zu diesem Entschluss bin ich aus freien Stücken und nach reichlichen Überlegungen gekommen. Das hat gesundheitliche, aber auch familiäre Gründe. Ich habe zwar wie viele andere eine Wochenarbeitszeit von 39 Stunden, in der Regel war ich aber an Nachmittagen, Abenden, Wochenenden, Feiertagen und in den Ferien gefordert. Meine Familie hat deshalb oft auf mich verzichten müssen. Ihr will ich künftig mehr Zeit widmen. Der nachvollziehbare Beschluss des Kulmbacher Stadtrats, das Juz auch am Sonntag zu öffnen, hat mich in meiner Entscheidung bestätigt. Du hast für die "Alte Spinnerei" gelebt und gekämpft. Spielt der Umzug in den Bahnhof für deinen Rückzug eine Rolle? Der Bahnhof ist, von den Locations, die uns angeboten wurden, der beste Alternativstandort. Der Landkreis sieht sich jedoch als Bildungsregion, und die offene Jugendarbeit ist aus meiner Sicht ein wichtiger Bestandteil. Das Angebot, das wir in der "Alten Spinnerei" hatten, ist aus meiner Sicht ausbauwürdig. Da die Stadt für das Juz nicht mehr so viel Platz und Geld zur Verfügung stellen will, steht jetzt der Umzug ins frühere "Bockela" an. An einen Ausbau des Angebots ist dort allein aus Platzgründen nicht zu denken. Gehst du im Streit? Grundsätzlich muss ich feststellen: Ich gehe nicht im Groll. Die 17 Jahre, in denen ich das Juz geleitet habe, waren von vielen Begegnungen, Erlebnissen, Wagnissen, Siegen und Niederlagen, Gesprächen und Auseinandersetzungen geprägt. Wir haben auch verrückte Ideen und Projekte in und mit der "Alten Spinnerei" umsetzen können. Der Job hat mir riesigen Spaß gemacht, weil mir die Menschen, die Kinder, die Jugendlichen, die jungen Erwachsenen und Kollegen wirklich wichtig sind. Jugendarbeit war mir immer ein Herzensanliegen. Du hast deine Entscheidung auf Facebook erläutert, da unterschwellig aber auch Kritik an den Entscheidungsträgern geübt. Meine Vorstellung, wie offene Kinder- und Jugendarbeit in Kulmbach aussehen und sich entwickeln kann, welche Ressourcen benötigt werden, welche Angebotsvielfalt möglich wäre, weicht von den Vorstellung anderer eben ab. Es ist mir nicht gelungen, meine Vision den entscheidenden Stellen zu vermitteln, diese dafür zu begeistern. Die Schwerpunkte, die künftig gesetzt werden sollen, sind anders, als die, die ich mir vorstelle. Mein Ehrgeiz und meine Motivation sind groß. Ich könnte bei meinem Einsatz nicht von 100 auf 50 zurückfahren. Dafür bin ich nicht der Typ. Die Kündigung ist mitten in der heißen Phase erfolgt, ist doch der Umzug ins frühere "Bockela" in vollem Gang. Wirst du den weiterhin begleiten? Mein Vertrag läuft erst Ende des Jahres aus, deshalb werde ich natürlich mit voller Kraft mit anpacken. Der Zeitpunkt meiner Kündigung war, so finde ich, aber genau richtig. Der Bahnhof bietet übrigens Potenzial. Jetzt kann man an einem neuen Ort mit einem ganz neuen Team neu beginnen. Was wirst du künftig machen? Ich werde einen völlig neuen Weg einschlagen. Ich bin künftig in der IT-Branche tätig, werde zur Kulmbacher Firma IT Systeme und Technik Oberfranken GmbH wechseln. Inhaber ist Jan Fischer, den ich schon aus meiner Zeit in der ehrenamtlichen Jugendarbeit kenne.Wenn es mir möglich ist, werde ich mich natürlich aber auch wieder ehrenamtlich engagieren - die Jugendarbeit lässt mich ja doch nicht los.

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