Kulmbach
Entdecker-Tour (151)

Stammhaus der Bayerischen Rundschau zieren Zeichen der Klugheit

Mehrere Symbole des Gründers und des Handwerks zieren das Stammhaus der Bayerischen Rundschau im Kulmbacher Kressenstein.
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Das Stammhaus der Bayerischen Rundschau im Kulmbacher Kressenstein. Foto: Erich Olbrich
Das Stammhaus der Bayerischen Rundschau im Kulmbacher Kressenstein. Foto: Erich Olbrich
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Am Gebäude Kressenstein 26 befinden sich Symbole, die sowohl auf eine geschichtsträchtige Firma als auch auf eine traditionsreiche Zunft hinweisen. Es handelt sich hierbei um das alte Verlagshaus der Bayerischen Rundschau.

An der Fassade entdecken wir Hinweise auf die Druckerzunft und auf den Besitzer. Am kleinen vorspringenden Erker unterhalb des Fensters sieht man einen doppelköpfigen Adler. Dieses Wappentier haben vor allem Buchdrucker und Schriftsetzer als Zunftzeichen verwendet.

Nach einer Legende wurde das Wappen von Kaiser Friedrich III. um 1470 verliehen und der Greif von Kaiser Ferdinand I. um 1650 als weitere Figur hinzugefügt. Über diesen Vorgang gibt es aber weder ein Dokument noch eine glaubwürdige Abschrift.

Werkzeuge in den Adlerfängen

Der Adler hält in seinen Fängen Werkzeuge aus diesem Gewerbe fest. Rechts einen Manuskripthalter, bestehend aus einem Tenakel (Halter) und einem Divisorium (Verteiler). Er kam zum Einsatz, als der Bleisatz im Akkord betrieben wurde.

Links hält der Adler einen Winkelhaken (Kelle). Durch dessen Verwendung stellte man sicher, dass alle Zeilen exakt die gleiche Länge bekamen.

Die beiden Adlerköpfe werden jeweils von einem kreisförmigen Heiligenschein umgeben. Damit soll die Bedeutung des Wappentiers für die Drucker in besonderer Weise hervorgehoben werden.

Auf der Brust trägt der Adler am Haus Kressenstein 26 die Buchstaben "E C B K", damit wird Ekkefried Caspar Baumann aus Kulmbach (1874 bis 1955) als Erbauer gewürdigt. Eigentlich ein gebürtiger Unterfranke, kam Baumann 1902 nach Kulmbach. Vorher war er in Pfarrkirchen/Niederbayern tätig. Sein Auftrag für Oberfranken lautete, ein Sprachrohr des Bayerischen Bauernbundes zu schaffen. Er nannte seine Zeitung Bayerische Rundschau.

Zur Zeit der Gründung gab es in Kulmbach das Kulmbacher Tagblatt von Friedrich Dachert und die Kulmbacher Nachrichten von Richard Rehm.

Inschrift unter dem Erker

Die erste reguläre Ausgabe der Bayerischen Rundschau erschien am 1. Januar 1903. Nachdem die Zeitung sehr erfolgreich wurde, baute Baumann 1911 das Verlagshaus im Kressenstein für Redaktion und Druckerei. An den Tag der Einweihung erinnert die Inschrift unter dem Erker: "Erbaut A.D. 1911".

Über dem mittleren Torbogen ist eine Eule angebracht. Sie gilt als Vogel der Weisheit und ist als Begleittier der Göttin Athene / Minerva bekannt. Das Deutsche Museum in München trägt im Wappen eine auf einem Zahnrad sitzende Eule als Symbol für Klugheit in Wissenschaft und Technik. Vielleicht war der Erbauer aber auch Mitglied im Männerbund Schlaraffia, der die Eule oder den Uhu als Sinnbild der Weisheit als Wappenvogel hat. Doch das können wir nur vermuten.

Weisheit sollte abfärben

Auf die Redakteure und Mitarbeiter des Verlagshauses Baumann jedenfalls sollte die Klugheit und Weisheit abfärben. Übrigens: Auch über dem Kulmbacher Rathaus sind die Figuren der Weisheit und Gerechtigkeit angebracht ...

Der rechte Torbogen wird von einem bärtigen Männerkopf verziert. Hier ist Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg (etwa 1400 bis 1468), dargestellt. Der Mainzer gilt als Erfinder des modernen Buchdrucks mit beweglichen Lettern und der Druckerpresse. Seine Erfindung löste in Europa eine Medienrevolution aus und verbreitete sich schnell auch darüber hinaus.

Das erstmals mögliche Herstellen von Büchern mit gleichem Text, die nicht mühsam mit der Hand geschrieben werden mussten, ist sein Verdienst, er wird auch als ein "Mann des Jahrtausends" bezeichnet. Sein Hauptwerk, die Gutenberg-Bibel, entstanden 1452 bis 1454, ist zudem berühmt für ihre hohe Qualität. Das Verlagsgebäude der Bayerischen Rundschau im Kressenstein wurde in den 1960er Jahren zu klein, und so erfolgte ab 1961 nach und nach bis Ende 1972 der Umzug in die Oskar-von-Miller-Straße. Diese wurde 1977 zu Ehren des Gründers des Verlagshauses in E.-C.-Baumann-Straße umbenannt.

Erbauer starb 1955

Ekkefried Caspar Baumann erlebte dies aber nicht mehr, er starb 1955. Seine Tochter Hilde Uhlemann und besonders sein Enkel Horst Uhlemann bauten das traditionsreiche Unternehmen mit Qualität und harter Arbeit zu einem Vorzeigebetrieb in Oberfranken und darüber hinaus aus. Seit 2003 gehört die Kulmbacher Baumann-Gruppe zum Fränkischen Tag in Bamberg, seit 2009 firmiert das Unternehmen unter dem Namen Mediengruppe Oberfranken.

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