Kulmbach
Interview

Stahlzeit auf der Plassenburg: Tickets sind fast weg

Im Juli 2019 tritt die Gruppe um den Kulmbacher Heli Reißenweber auf der Plassenburg auf. Wir sprachen mit dem 53-Jährigen über das Phänomen Stahlzeit.
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Stahlzeit-Karten für die Plassenburg werden knapp. Foto: Jens Lorenz
Stahlzeit-Karten für die Plassenburg werden knapp. Foto: Jens Lorenz

So gut wie bei euch ist bisher noch nie ein Kartenvorverkauf für ein Plassenburg-Open-Air gelaufen. Warum, glaubst du, zieht ihr so? Heli Reißenweber: Keine Ahnung, ich weiß es wirklich nicht. Das ist auch für uns überraschend. Aber es läuft überall gut. Wir haben beispielsweise in Holland zum ersten Mal in einem Club gespielt - und der war innerhalb von zweieinhalb Stunden ausverkauft. Vielleicht liegt der Erfolg mit daran, dass wir unsere Personality mit in die Konzerte einbringen und nicht alles eins zu eins Rammstein nachmachen. Wir arbeiten ständig an Stahlzeit, sind jetzt über den Shows für 2019. Da wird hoffentlich das neue Rammstein-Album draußen sein. Das wird langsam Zeit. Es ist auch für uns gut, wenn neues Material da ist. Wenn das Album rechtzeitig kommt, werden wir Lieder daraus auf der Plassenburg spielen. Was ist das für ein Gefühl, wieder für ein Heimspiel auf die Plassenburg zurückzukehren? Ehrlich gesagt, wusste ich gar nicht, dass wir wieder auf die Plassenburg kommen. Mich haben Gäste im Backstage darauf angesprochen. Die Termine werden von unserem Management ausgemacht. Es freut mich aber, wieder hier zu spielen und dass es so gut läuft. Denn meist zählt der Prophet im eigenen Lande nichts. In der alten Heimat zu spielen ist ein anderes Gefühl, als in der Fremde aufzutreten. Es wäre schade, wenn dann nichts los wäre. Ich freue mich wahnsinnig, dass die Leute uns so annehmen und die bayerische Schlösserverwaltung das Konzert zulässt. Das war nicht einfach. Wir spielen auf vielen Schlössern und Burgen, die haben eine hohe Anziehungskraft. Könnt ihr dort euer volles Pyro-Programm abfeuern? Wir können auf der Plassenburg allein schon wegen der Bühnengröße nicht alles machen. Und auch Pyros außerhalb der Bühne gehen nicht. Raketen über die Köpfe des Publikums sind also nicht drin. So etwas wird aus Sicherheitsgründen ohnehin immer schwieriger. Dafür braucht man eine richtig große Halle. Ansonsten ist alles, was auf der Bühne abgefeuert wird, harmlos für die Location. Vergangenes Jahr hat die Band mit dem Tod eures Keyboarders Thilo Weber ein harter Schlag getroffen. Das war ganz schwer. Wir haben lange überlegt, ob wir spielen können und so tun, als wäre alles in Ordnung. Wir hatten eine Woche nach dem Tod von Thilo einen Auftritt im Circus Krone in München - und er hätte nicht gewollt, dass wir den Gig absagen. Wir haben dann ein sehr emotionales Abschiedskonzert für ihn gespielt. Aber das Leben geht nun einmal für uns alle weiter. Wir haben einen guten neuen Mann als Ersatz gefunden. Ihr seid ja international unterwegs, hattet sogar Anfragen aus den USA, Mexiko und Russland. Das stimmt, aber solche Konzerte sind aus logistischen Gründen schwer zu organisieren. Man muss bei solchen Anfragen vorsichtig sein und braucht einen Veranstalter, der die Sache ernst nimmt. Wir haben jetzt in Frankreich gespielt. Das war fantastisch, ein sehr geiles Publikum, obwohl Deutschen und Franzosen oft ein schwieriges Verhältnis nachgesagt wird. Im Frühjahr ist sogar eine kleine Tour geplant. Auch in Holland läuft es sehr gut, dort spielen wir an einem Ort dreimal in Folge - und zwei Konzerte sind davon schon ausverkauft. Wir sind auch zweimal hintereinander in Osnabrück. Und im Alten Schlachthof in Dresden. Andere Bands wären froh, wenn sie die Halle dort nur einmal zur Hälfte füllen würden. Liegt der Erfolg mit daran, dass sich das Original so rar macht? Das glaube ich nicht. Wir hatten schon einmal ein ausverkauftes Konzert, als Rammstein am gleichen Tag 50 Kilometer entfernt ebenfalls auftrat. Die Leute wissen einfach, dass es bei uns total friedlich zugeht und alle ihren Spaß haben. Natürlich spielt es uns in die Karten, dass Rammstein-Konzerte schnell ausverkauft sind und es sehr, sehr schwer ist, an Tickets zu kommen. Wie wichtig sind für euch die sozialen Medien und das Internet? Ihr habt ja sogar eine Stahlzeit-App. Die App gibt es schon lange und müsste überarbeitet werden. Sie ist aber der schnellste Weg, die Leute zu informieren. Natürlich sind die sozialen Medien nötig, um mit der Außenwelt in Kontakt zu bleiben. Wobei wir feststellen mussten, dass die gute, alte Plakatwerbung für uns mit am wichtigsten ist. Das sieht man daran, dass es bei Konzerten mit Veranstaltern, die sparen wollten und nur auf das Internet setzten, nicht so läuft. Du befindest dich gerade für Aufnahmen im Studio. Ja, mit meiner zweiten Band Maerzfeld arbeite ich an unserem vierten Album. Das wird wohl noch ein Jahr dauern, bis es fertig ist. Jetzt nehmen wir die ersten Demos auf. Eine Veröffentlichung ist im Herbst 2019 geplant. Mal schauen, ob wir das schaffen.

Wie läuft es mit Maerzfeld? Besser. Man braucht die richtigen Veranstalter. Es ist schwer, es mit eigener Mucke zu schaffen, weil es in den sozialen Medien Tausende Bands gibt. Bist du noch viel in Kulmbach und in deiner Kneipe, dem Backstage? Nein. Deshalb habe ich für meine Kneipe auch einen Partner gesucht - ich bin jetzt nur noch zur Hälfte mit beteiligt. Wenn, dann trifft man mich zumeist donnerstags dort. Das Backstage gibt es jetzt übrigens schon 23 Jahre. An den Wochenenden bin ich immer für Konzerte unterwegs. Und wenn einmal spielfrei ist, dann arbeite ich im Studio. Wenn du zwei Bands hast, bist du wirklich beschäftigt. Wie hältst du mit 53 Jahren solche kräftezehrenden Shows durch? Die Shows halten mich fit. Das ist zwei- bis dreimal in der Woche ein zweistündiges Training. Man muss halt aufpassen, dass man nach den Konzerten nicht mehr so viel trinkt. Das merkt man ab einem gewissen Alter. Ansonsten ist alles gut, Kopf und Körper sind fit. Kannst du mittlerweile von der Musik leben? Ja, deshalb habe ich entschieden, einen Partner ins Backstage zu holen. Musik und Kneipe - beides zusammen ging einfach nicht mehr. Sonst steuert man in den Burnout. Außerdem hat man ja noch ein bisschen Privatleben. Um Ruhe zu finden - und wegen der Freundin -, bin ich inzwischen aus Kulmbach weggezogen, lebe in der Nähe von Geiselwind in einem Haus direkt am Waldrand. Das ist für mich als großen Naturliebhaber perfekt zum Erholen. Den Schritt musste ich machen, damit ich nicht mit 60 umfalle. Wenn ich jetzt nach Kulmbach komme, komme ich noch viel lieber hierher.

Das sagt der Veranstalter zum Rammstein-Konzert auf der Plassenburg:

Noch nie so einen Ticket-Run auf ein Plassenburg-Open-Air erlebt hat Matthias Mayer von der Motion Kommunikationsgesellschaft - nicht einmal bei Top Acts wie Michl Müller oder Haindling. Der Geschäftsführer des Bayreuther Konzertveranstalters geht davon aus, dass Stahlzeit auf der Burg bereits im Herbst ausverkauft sein werden. "Nur noch 200 der 1500 Tickets sind übrig."

Die große Nachfrage nach den Eintrittskarten habe sofort mit dem Vorverkaufsbeginn begonnen.

Vor drei Jahren haben Stahlzeit schon einmal auf der Burg gespielt - auch damals schon vor ausverkauften Rängen. Das ist wohl mit ein Grund, dass sich die Leute jetzt schon rechtzeitig ihr Ticket sichern. "Das Konzert kam damals sehr gut an, es war ein toller Abend", erinnert sich Mayer.

Restkarten für Stahlzeit und natürlich für allen anderen Plassenburg-Open-Airs gibt es in der Geschäftsstelle der Bayerischen Rundschau am Kressenstein sowie im Internet unter der Adresse www.plassenburgopenair.de



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