Stadtsteinach
Streit

Stadtsteinacher Mesner wird nicht weiterbeschäftigt

Die Pfarrei Stadtsteinach hat keinen hauptamtlichen Mesner mehr. Nach einem Vergleich endet Andreas Dremers Arbeitsverhältnis.
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Geschichte: 18 Jahre lang war Andreas Dremer hauptamtlicher Mesner der Kirchenstiftung St. Michael Stadtsteinach. Jetzt ist er arbeitslos.privat
Geschichte: 18 Jahre lang war Andreas Dremer hauptamtlicher Mesner der Kirchenstiftung St. Michael Stadtsteinach. Jetzt ist er arbeitslos.privat
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Andreas Dremer wird nicht mehr weiter beschäftigt, erhält aber eine Abfindung.

Das Aus kam nach 18 Jahren: So lange war Andreas Dremer als Mesner und Hausmeister bei der Katholischen Kirchenstiftung Stadtsteinach beschäftigt. Jetzt steht der Schwerbehinderte ohne Arbeitsplatz da: Die Dritte Kammer am Landesarbeitsgericht Nürnberg ließ am Donnerstag durchblicken, dass sie wenig Erfolgschancen für Dremer sieht, mit seiner Kündigungsschutzklage erfolgreich zu sein.

Deshalb einigten sich beide Parteien auf einen Vergleich: Dremer verliert seinen Job, den künftig Ehrenamtliche vollends übernehmen sollen. Im Gegenzug erhält er eine Abfindung im fünfstelligen Bereich und ein wohlwollendes, qualifiziertes Arbeitszeugnis.

Doch der Reihe nach: Die Kirchenstiftung St. Michael Stadtsteinach hatte ihrem Beschäftigten im Dezember 2016 gekündigt. Der Schritt wurde mit der prekären finanziellen Situation begründet, die sich in einem hohen, wachsenden jährlichen Defizit zeigt. Die Dremer obliegenden Aufgaben als Mesner und Hausmeister - er ist auch für den katholischen Kindergarten Stadtsteinach zuständig - sollten künftig Ehrenamtliche übernehmen.

Der Fall sorgte für großes Aufsehen. So wurden in Stadtsteinach 501 Unterschriften gesammelt und dem damaligen Pfarrer Wolfgang Eßel überreicht mit dem Ziel, Dremers Weiterbeschäftigung zu erreichen. Doch die Kirche beharrte auf ihrem Standpunkt. Alle nachfolgenden, außergerichtlichen Schlichtungsversuche scheiterten.

Deshalb reichte Andreas Dremer Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht Bayreuth ein. Die Fünfte Kammer folgte im September vergangenen Jahres der Argumentation des Klägers und seines Vertreters, Jürgen Schmidt. Der Kulmbacher Fachanwalt für Arbeitsrecht hatte vorgetragen, dass die Tätigkeiten seines Mandanten auf Dauer nicht von Ehrenamtlichen zufriedenstellend übernommen werden können. Für betriebsbedingte Kündigungen seien finanzielle Gründe unerheblich. Zudem fehle es an einem schlüssigen unternehmerischen Konzept des Arbeitgebers.

Diesem unternehmerischen Konzept fiel auch auch bei der Verhandlung in Nürnberg eine zentrale Bedeutung zu. Der Vorsitzende der Dritten Kammer, Michael Kuhn, machte deutlich, dass er weit geringere Anforderungen an dieses Konzept stelle als die Bayreuther Vorinstanz. Hierbei könne die Kirche nicht mit einem Arbeitgeber aus Industrie oder Wirtschaft gleichgesetzt werden. Die Kirche müsse ihrem Sendungsauftrag nachkommen, aber keinen Profit erwirtschaften, so die Meinung des Juristen.

Rechtsanwalt Jürgen Schmidt trug vor, dass die seinem schwerbehinderten Mandanten angebotenen Stellen inakzeptabel gewesen seien - entweder aus gesundheitlichen Gründen oder wegen des Umstands, dass man Dremer für ungeeignet hielt.

Der Plan der Pfarrei, den Dienst komplett an Ehrenamtliche zu delegieren, habe nicht funktioniert. Liturgische Gegenstände seien nicht richtig gereinigt worden, es gebe einige Mängel. Die Freiwilligen hätten oft nicht genügend Sachkenntnis, führten ihren Dienst mitunter nur unzureichend aus. Oder seien nicht immer verfügbar:"Ich kann mir nicht vorstellen, dass Dekan Hans Roppelt sagt: ´Bei Beerdigungen verzichte ich auf den Mesner´."

Dieser Aussage trat Pfarradministrator Hans Roppelt mit Nachdruck entgegen: "Dass das Konzept, in der Pfarrei mit Ehrenamtlichen zu arbeiten, gescheitert ist, das lasse ich nicht auf Stadtsteinach sitzen." Auch in Kulmbach habe er alles mit ehrenamtlichen Helfern bewerkstelligt, als der dortige Mesner krankheitsbedingt ausgefallen war. Keinen Messdiener zu haben, sei für den Seelsorger "zwar schwierig, aber es geht", so Roppelt.

Die Mitarbeiter der Nürnberger Kanzlei Härlein als Vertreter der beklagten Partei führten aus, dass die Pfarrei dem gekündigten Mesner keinen anderen Arbeitsplatz vor Ort habe anbieten können, weil es den nicht gebe. Andere Angebote, wie beispielsweise die Beschäftigung im Pilgerbüro Marienweiher oder als Domaufsicht in Bamberg, habe dieser ausgeschlagen. Überall in den Pfarreien würden die Tätigkeiten reduziert oder durch digitale Techniken ersetzt. "Die Kirche steht im Wandel. Es gibt viele Ehrenamtliche, die in den Pfarreien Dienst tun", führte Anwältin Theresa Pudich aus.

Vorsitzender Richter Michael Kuhn nannte es "verständlich", wenn die Kirche beschließe, dass sie die Aufgaben nicht mehr von einem hauptberuflichen Mitarbeiter erledigen lassen wolle. "Ich sehe keine Verpflichtung, dass die Pfarreien einen Mesner vorhalten müssen." Hinsichtlich des unternehmerischen Konzepts seien die Anforderungen an die Kirche nicht so hoch anzusetzen wie bei Wirtschaftsunternehmen. Zudem sei es hinnehmbar, wenn in Ermangelung eines Mesner gewisse Arbeiten nicht so akkurat ausgeführt werden oder die Hecken "nicht alle zwei Wochen geschnitten werden."

Kuhn ließ recht früh im Prozessverlauf durchblicken, dass er der Klage des 41-Jährigen auf Weiterbeschäftigung keine großen Erfolgschancen beimisst: "Ich möchte Ihnen da nicht so viele Hoffnungen machen." Er legte Andreas Dremer einen Vergleich nahe: Die Beendigung des Arbeitsverhältnisses gegen Abfindung.

Dieser Anregung folgte Rechtsanwalt Jürgen Schmidt: Er unterbreitete einen entsprechenden Vergleichsvorschlag, den die Katholische Kirchenstiftung Stadtsteinach akzeptierte. Damit scheidet Dremer mit Wirkung vom 8. November aus dem Dienst aus. Im Gegenzug erhält er eine Abfindung im fünfstelligen Euro-Bereich und ein wohlwollendes Arbeitszeugnis.

Nach dem Prozess-Ende zeigte sich Pfarradministrator Dekan Hans Roppelt, der im Begleitung von Kirchenpfleger Klaus Geier nach Nürnberg gereist war, zufrieden. In vielen Pfarreien funktioniere das Konzept mit Ehrenamtlichen gut. Er freute sich darüber, dass der Rechtsstreit nun beigelegt ist und wieder Ruhe in die Pfarrei einkehren kann.

"Unter den gegebenen Umständen war dies das beste, erzielbare Ergebnis für uns", kommentierte Anwalt Jürgen Schmidt den Ausgang des Verfahrens. Und weiter: "Wir haben erreicht, dass Herr Dremer ein Jahr weiterbeschäftigt worden ist und eine angemessene Abfindung erhält." In Anbetracht der gesamten Situation wäre eine gedeihliche, weitere Zusammenarbeit für Andreas Dremer ohnehin schwierig gewesen.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar.



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