Stadtsteinach
Ortsgeschichte

Stadtsteinach: Alte Schule neu entdeckt

Die ehemalige Schule in Stadtsteinach ist wieder eröffnet. Dort wird aber jetzt nicht mehr unterrichtet.
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"Hereinspaziert!" Wolfgang Martin hat das lange Jahre zugemauerte Eingangsportal der Alten Schule wieder freigelegt. Stück für Stück soll das ehemalige Schulhaus eine Kulurstätte werden. Foto: Klaus Klaschka
"Hereinspaziert!" Wolfgang Martin hat das lange Jahre zugemauerte Eingangsportal der Alten Schule wieder freigelegt. Stück für Stück soll das ehemalige Schulhaus eine Kulurstätte werden. Foto: Klaus Klaschka
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"In Stadtsteinach wird viel gemacht. Alles Mögliche. Nur um die alten Sachen kümmert sich fast keiner. Das mit der Stadtmauer dümpelt auch schon wieder ein Jahr herum." Wolfgang Martin wäre es schon recht, wenn hier ein Zahn zugelegt würde. Um einiges kümmert er sich selbst. Das Alte Rathaus hat er gekauft, dort Wohnungen geschaffen, im 500 Jahre alten Gewölbekeller trifft sich die Kulturinitiative "Die Wüste lebt". Und die Alte Schule, etwas versteckt auf der gegenüberliegenden Seite des Marktplatzes?

Seit 2014 wird dort herumgewerkelt; im ersten Stock ist mit dem Frankenwaldtheater bereits Leben eingekehrt. Seit dem Wochenende gibt es auch wieder den Eingang an der Straßenseite, so wie es früher war. Ein Grund, die Eröffnung der Schule im übertragenen Sinn zu feiern.

Ein Schulmuseum soll aus dem Haus aber nicht werden. Eher eine Kulturstätte, "wobei Schule ja auch Kultur ist," wies Wolfgang Martin darauf hin, als er die äußere Tür beiseite schaffte und den Zutritt, flankiert von der Europa- und der Franken-Fahne, zum Gebäude freigab. Samt "rotem Teppich" für die ersten Besucher - in Form von rot angemalten Steinen am Boden und einer ausgerollten roten Tapete.

Improvisiert wird in dem ehrwürdigen Gebäude nach wie vor, das ursprünglich "Dem Bürgerwohle und dem Jugendunterrichte geweiht 1821" war, wie die Inschrift über dem neuen-alten Eingang verkündet.

An der Stelle des abgebrochenen ehemaligen Rathauses der Stadt Stadtsteinach steht das Gebäude, jetzt mit der Anschrift Staffel 2, bereits seit 1821 - auf der alten Stadtmauer, mit bester Sicht auf die Frankenwaldlinie. Toiletten gab es anfangs überhaupt keine. Erst 1920 wurden Plumpsklos angebaut.

Der Stadtsteinacher Siegfried Sesselmann, seit Kurzem Rektor im Ruhestand und Kreisheimatpfleger, hat die Geschichte der Stadtsteinacher Schule schon seit Längerem aufgezeichnet und tauschte mit ehemaligen Schülern ein paar Erinnerungen aus, bei denen Bürgermeister Roland Wolfrum nur lauschen konnte, da seine Schulzeit im jetzigen Schulzentrum stattfand. Sesselmann war selbst noch Schüler in dem ehrwürdigen Haus. Das Haus wurde bis 1961 als Schule genutzt, die dann in die ehemaligen Postbauten und schließlich in das jetzige Schulzentrum umzog.

Beim Entfernen vorheriger Modernisierungsmaßnahmen sind auch ein paar Dokumente wieder zum Vorschein gekommen. Wie es der Zufall will, betrat Anton Draht als erster nach der Freigabe das Haus und entdeckte prompt gleich links, eingerahmt an der Wand, sein Zeugnis aus dem Jahr 1950, mit dem ihm besonderes Interesse an Erdkunde und gutes Betragen attestiert wurde - drei Einser, im Singen allerdings eine 4.

Überhaupt hatte sich der Einschulungsjahrgang 1946 zur jetzigen Wiedereinschulung getroffen und sich dann im ersten Stock seines ehemaligen Schulhauses über die wiedergefundenen Fotos hergemacht und ausdiskutiert, wer denn wer auf den Klassenfotos sei.


Kleine Bühne geschaffen

Doch ein Schulhaus wird das ehrsame Gebäude nicht mehr sein. Seit 2014 tut sich ganz anderes in den alten Gemäuern. Einige ehemalige Klassenzimmer wurden wieder hergerichtet, dienen nun als Büro- und Lagerräume, aber vor allem als Kulturraum. Dieser lädt mit einer kleinen Bühne und mit bis zu 50 Sitzplätzen zu verschiedenen Kleinkunstveranstaltungen ein. So hat in dem Gebäude das Frankenwaldtheater Stadtsteinach mit regelmäßigen Theaterveranstaltungen eine neue Heimat gefunden. Auf Initiative der Theatermacher hin wurden auch der Treppenaufgang aus Granit mit dem schmiedeeisernem Geländer, über den viele Stanicher Kinder zum Unterricht gingen, sowie einige Originalböden und -wandverkleidungen wieder hergerichtet.

In der künftigen Kulturstätte wird nun auch Kunst ausgestellt. Keramische Figuren der Stadtsteinacherin Monika Pittroff gleich am Eingang. Weitere Keramiken auf den Simsen und Fensterbrettern. Erstaunliche neue Stadt- und Landschafts-Ansichten im alten Stil des Wahl-Kulmbachers Nicki Lang und drei kleinformatigere Werke des Kulmbacher Kulturpreisträgers Harald Burger unter anderem. Wobei die beiden Künstler als Hommage an Wolfgang Martin an diesem Abend selbst nach Stadtsteinach gekommen waren.

Aber auch Multimediales war zu sehen: eine Diaschau aus dem Gewölbe im Alten Rathaus und ein Film mit Assoziationen zum Titel Stein. Den hatten Martins Kinder Hannah-Katharina, Sarah und Jan-Philipp ohne Wolfgang Martins Wissen und Regie zusammengestellt, worüber er seine Wertschätzung, wenn nicht sogar Rührung, kaum verbergen konnte.

Ein weiterer Film über das Steinachtal von der langsam verfallenden Papierfabrik bis zum "Waffenhammer" und dem aufgelösten Eulenspiegelmuseum musste dreimal wiederholt werden.
Die "alten Sachen" in Stadtsteinach stoßen also nach wie vor auf Interesse.
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