Kulmbach

Stadtrat gegen Photovoltaik bei Oberndorf

Der Kulmbacher Stadtrat entscheidet sich nach wortreicher Debatte mit knapper Mehrheit dagegen, dass bei Oberndorf auf fast sechs Hektar Solarstrom produziert werden kann.
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In der Senke südlich von Oberndorf wollen Investoren aus Altenkunstadt auf fast sechs Hektar ein Freiland-Photovoltaikanlage bauen. Das hat der Kulmbacher Stadtrat abgelehnt. Foto: Stephan Tiroch
In der Senke südlich von Oberndorf wollen Investoren aus Altenkunstadt auf fast sechs Hektar ein Freiland-Photovoltaikanlage bauen. Das hat der Kulmbacher Stadtrat abgelehnt. Foto: Stephan Tiroch
Wenn man die steile und schattige Auffahrt bei Oberpurbach bewältigt und die Ausläufer des Spitalwaldes hinter sich gelassen hat, weitet sich die Landschaft: Auf dem Höhen rücken, nicht weit vom Kulmbacher Flugplatz, liegt der Weiler Oberndorf. Hier droben - auf freier Fläche - hat man viel Sonne, wenn sie scheint. Offenbar so viel, dass die beiden Altenkunstadter Firmen Gräss und Exico auf einem Feld bei Oberndorf Solarstrom produzieren wollen.

Nach der Planung soll die Photovoltaikanlage fast sechs Hektar bedecken und sich weitgehend in die Senke südlich von Oberndorf ducken. Bevor die Investoren die landwirtschaft liche Fläche pachten und los legen können, brauchen sie aber eine Genehmigung der Stadt Kulmbach.


Grundsätzliches Nein

Das Projekt bei Oberndorf löst in der Stadtratssitzung am Donnerstag eine wortreiche Debatte aus.
Es geht darum, dass die Stadt ein Sondergebiet ausweisen müsste und dass der Stadrat sich vor vier Jahren grundsätzlich gegen Freiland-Photovoltaikanlagen ausgesprochern hat. Was seinerzeit dazu geführt hat, dass ein Vorhaben bei Katschenreuth - in der Nähe von Kompostier- und Biogas anlage - abgelehnt worden ist.

Für die SPD ist die Sache klar: "Nach der Nuklear-Katastrophe von Fukushima ist es auch die Pflicht der Kommunen, dazu beizutragen, dass die Energiewende gelingt", sagt Ingo Lehmann. Volker Wack (Die Grünen/Offene Liste) ahnt, dass CSU und WGK wie damals nicht zustimmen werden. Die Gegner, so Wack, müssten dann auch Straßenbauprojekte wie die Um gehung Melkendorfs verhindern: "Da wird die Heimat zerstört."

Michael Pfitzner (CSU) warnt davor, einen Präzedenzfall zu schaffen: "Dann müssten wir auch bei anderen Vorhaben zustimmen." Nach seiner Ansicht passt die Photovoltaikanlage auf der exponierten Fläche bei Oberndorf nicht in die Land schaft. Alexander Meile (WGK) schimpft gar: "Hier geht's nur um die Investoren und um Geschäftemacherei."


"Von nichts eine Ahnung"

Eine Aussage, die Hans-Dieter Herold (GOL) wütend macht: Er wundert sich, wer sich plötzlich alles als Landschaftsschützer aufspielt und spricht von "fadenscheinigen Argumenten". Es werde ein lokales Projekt, dass die Energiewende gelingen kann, kaputtgemacht. Zwischenruf von Wolfgang Protzner: "Gebabbel, von nichts eine Ahnung." Die Debatte wird lauter und heftiger.

Schließlich spricht Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) das Schlusswort. So eine Anlage sei an einer Autobahn vorstellbar, wo die Landschaftschaft ohnehin beeinträchtigt ist - aber nicht bei Oberndorf. Außerdem werde die Photovoltaik - zum Beispiel von Glenn-Dimplex-Ingenieuren in Kulmbach - auch kritisch gesehen. Die Entsorgung der Module sei problematisch, "und der Reibach werde in China gemacht."

Dann folgt die Abstimmung: Die Befürworter von SPD (8), GOL (3) und FDP (1) sind in der Minderheit. Die Mehrheit von CSU (10), WGK (4) und OB lehnt den Antrag der Altenkunstadter Investoren ab.
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