Kulmbach
Architektur

Stadt Kulmbach nickt Investorenobjekt ab

Dr. Michael Kriest setzt sich kritisch mit dem geplanten Abbruch der Mälzerei Müller auseinander und meint: Damit verschwinden Stück für Stück wesentliche Teile der Kulmbacher Stadtgeschichte.
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Auch ein Kulmbacher Wahrzeichen: die Backsteingebäude der früheren  Mälzerei Müller in der Pestalozzistraße. Stephan Tiroch
Auch ein Kulmbacher Wahrzeichen: die Backsteingebäude der früheren Mälzerei Müller in der Pestalozzistraße. Stephan Tiroch

Zum Bericht "Braucht Kulmbach so eine Architektur" schrieb uns Dr. Michael Kriest:

Die bekanntgewordenen Planungen für die ehemalige Mälzerei Müller reihen sich leider in den oft rücksichtslosen Umgang Kulmbachs mit Baudenkmälern beziehungsweise historischen Bauten ein und zeigen die seit etlichen Jahren bestehenden Schwachstellen in der Stadtentwicklung. Um nur zwei Beispiele der letzten Zeit zu nennen: der Abriss eines Hauses mit mittelalterlichem Kern im Unteren Stadtgässchen oder der Abriss der stadtbildprägenden Gastwirtschaft Schwanenbräukeller im Spiegel.

Nun soll die alte Mälzerei zu großen Teilen beseitigt werden. Diese Gebäude hatten und haben eine wichtige Funktion für die Stadtgeschichte oder die städtebauliche Struktur. Solche Überlegungen spielen aber in der Kulmbacher Stadtentwicklung offensichtlich keine Rolle. Im Spiegel, in der Trendelstraße wie auch an anderen Orten entstehen nach dem Abriss der historischen Bauten überdimensionierte, banale Klötze, für die die Bezeichnung Architektur im Grunde fehl am Platz ist.

Nebenbei bemerkt: Es gibt interessante, abwechslungsreiche moderne Architektur. In Kulmbach hat das anscheinend aber noch niemand bemerkt. Dass die Stadt offenbar jedes beliebige Investorenobjekt abnickt, zeigen auch die Planungen für die Mälzerei Müller: ein völlig nichtssagender Bau, wie er überall stehen könnte.

Damit verschwinden Stück für Stück wesentliche Teile der Kulmbacher Stadtgeschichte. Dieses innerstädtische Mälzereigebäude unterscheidet Kulmbach von anderen Städten und schafft ein unverwechselbares Stadtbild. Während in anderen Städten die authentische Atmosphäre historischer Gebäude, zum Beispiel mit altem Ziegelmauerwerk, hoch geschätzt wird, gibt man dies in Kulmbach zum Abriss frei, da es offensichtlich nicht in das Kalkül des Investors passt.

Dabei wären ganz andere Lösungen vorstellbar, gelungene Beispiele sanierter Industriearchitektur gibt es in anderen Städten zuhauf. Hier könnten Wohnungen in besonderem Ambiente, Praxen und vieles mehr entstehen.

Hinzu kommt: Die Brau- und Mälzereigeschichte als ganz wesentliches Element der Kulmbacher Stadtgeschichte ließe sich an dem innenstadtnahen Standort auch gut in Stadtführungen einbinden. Für einen Tourismus, der auf Authentizität und die Besonderheiten Kulmbachs setzen will, ist die derzeitige Stadtentwicklung kontraproduktiv.

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