Kulmbach
Burggeflüster

Sprechen lenkt das Denken

Hirnforscher versuchen seit langem zu ergründen, ob es stimmt, dass unsere Sprache das Denken beeinflusst.
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Wir Redakteure, die wir mit Sprache arbeiten, sind sicher: Es ist erwiesen. Worte können berühren und trösten, aufrütteln und sogar Hass schüren. Dank Marketing-Sprech lässt sich das Bewusstsein des potenziellen Käufers auf ein Produkt lenken. Sprache - geschickt gewählt- hat definitiv manipulative Macht. Und sie kann uns geradezu Denkrichtungen aufzwingen (je nachdem, wer sich davon einen Vorteil verspricht).

Beispiel gefällig? Im Land XY kommt es zu Unruhen in der Bevölkerung gegen die führende Kaste/Regierung. Die Machthaber/Gewählten werden von Terroristen sprechen, von Putschisten, Aufrührern, Umstürzlern, Meuterern oder Aufständischen. Die Gegenseite hingegen führt Begriffe wie Revolutionäre ins Feld, Freischärler, Untergrundkämpfer - für die "gerechte Sache" gegen das Establishment, die Eliten, "die da oben". Journalisten müssen das einordnen. Aber wie? Jedes Synonym transportiert eine andere Konnotation/Assoziation, wenn auch vielleicht nur in Nuancen. Syrien lässt grüßen oder die Türkei.

Hängen wir das Thema zwei Ebenen tiefer und kommen wir zum Wetter. Neben Politik ein Sujet, über das sich trefflich streiten lässt. Haben wir aktuell eine "Dürre" als Folge des Klimawandels - oder einfach nur einen Sommer, wie ihn sich Rudi Carrell in den 1970er Jahren noch singend wünschte? Worte lenken das Denken, alle wissenschaftlichen Diskurse hin oder her. Fest steht: Kein Regen ist auch keine Lösung. Aber was sagt mir die Wetter-Fee im Privat-TV, sollte sich der dringend benötigte Niederschlag einstellen? "Es wird schlechter." Warum? Für wen?

Ich plädiere dafür, mal konsequent ein Jahr lang von schlechtem Wetter zu reden, sobald die Sonne scheint! Mal schauen, was sich in den Köpfen tut.



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