Kulmbach
Inklusion

Sprache darf einfach sein

Leichte Sprache soll das geschriebene Wort Menschen besser zugänglich machen. Marina Schmitt will sich dafür einsetzen.
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Leiterin Marina Schmitt (links) erklärt unter anderem dem Landrat Christian Meißner das Konzept für leichte Sprache.  Isolde Gleißner und Mathias Götze (beide Mitte) haben als Prüfer ein Zertifikat vorzuweisen.Mirjam Stumpf
Leiterin Marina Schmitt (links) erklärt unter anderem dem Landrat Christian Meißner das Konzept für leichte Sprache. Isolde Gleißner und Mathias Götze (beide Mitte) haben als Prüfer ein Zertifikat vorzuweisen.Mirjam Stumpf
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Wenn Marina Schmitt am 13. Mai nach Kulmbach kommt, hat sie ein Ziel: Sie möchte darüber informieren, welche gesellschaftliche Bedeutung leichte Sprache hat. In einem Vortrag bei der Volkshochschule will sie informieren und Interessierte ebenso wie Mitstreiter gewinnen.

Sie leitet das Büro für Leichte Sprache in Altenkunstadt, das unter dem Dach der Regens-Wagner-Stiftungen angesiedelt ist und hat die Aufgabe hat, schwierige Texte für mehr Menschen verständlicher zu machen.

Gesetzestexte, Nachrichten, Anleitungen von Elektrogeräten - all dies sind Beispiele dafür, dass wichtige Informationen oftmals in einer schwer zu verstehenden Sprache formuliert sind. Für viele Menschen stellt das täglich eine Herausforderung dar, weiß Marina Schmitt.

Einfache Ausdrucksweise

Leichte Sprache nutzt eine einfache Ausdrucksweise, die einheitlichen Regeln folgt. Kurze und griffige Sätze gehören dazu, bekannte Wörter werden verwendet, Bilder einbezogen. "Leichte Sprache soll keinen Ersatz darstellen. Sie soll Menschen helfen, die mehr verstehen wollen, dies aber aufgrund einer schweren Ausdrucksweise nicht können. Das darf man auch einfordern", ist sich Marina Schmitt sicher.

Denn klar verständliche Sprache richte sich nicht nur an Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder ältere Menschen. Auch ohne Handicap würden viele Personen davon profitieren, sie selbst eingeschlossen, so Marina Schmitt.

Einzige Übersetzerin

Die Sozialpädagogin ist als einzige Übersetzerin fest für das Büro angestellt und leitet es seit eineinhalb Jahren. In Zusammenarbeit mit drei Prüfern bearbeitet sie schwierige Inhalte.

Die Prüfer sind allesamt Menschen mit Lernschwierigkeiten. Deshalb untersuchen sie die Texte auf ihre Verständlichkeit hin, die Marina Schmitt in Absprache mit ihnen übersetzt. Übersetzt werden kann in der Regel alles, von der Internetseite über Vorträge bis hin Broschüren. Der fertige Text bekommt am Ende ein Siegel: Einen weißen Haken auf blauem Hintergrund, eingerahmt von einem roten Kreis. Dieses offizielle Signet bescheinigt, dass ein Text in leichter Sprache verfasst ist.

Das werde zunehmend auch deshalb wichtig, weil sich durch das Bundesteilhabegesetz, das 2017 in Kraft getreten ist und bis zum Jahr 2023 um weitere Punkte ergänzt wird, einiges in Sachen Inklusion ändern soll. Das Gesetz sieht vor, dass Menschen mit Behinderungen, die teilweise eine eingeschränkte Teilhabe am Leben haben, besser unterstützt werden sollen.

Die Einrichtung ist Teil des Netzwerks Leichte Sprache. Darin arbeiten Menschen aus mehreren europäischen Ländern zusammen.

Aktuell wird das Büro in Oberfranken finanziell noch von der Aktion Mensch unterstützt. Um danach weiter bestehen zu können, ist es auf Aufträge angewiesen. Texte können nicht nur übersetzt werden, es ist auch möglich, sie prüfen zu lassen.

"Prüfen ist Arbeit"

Die Preise werden individuell abgesprochen. Die Übersetzung einer Normseite kostet im Schnitt 180 Euro.

"Prüfen ist Arbeit", weiß Isolde Gleißner über ihre Tätigkeit zu sagen. Sie ist eine der drei zertifizierten Prüfer, die einmal in der Woche im Büro tätig sind. Stolz präsentiert sie eine Mappe mit ihrem Zeugnis. Denn um ortsübergreifend eine einheitliche und korrekte Übersetzung zu gewährleisten, erfordert es eine offizielle Ausbildung, die rund ein Jahr dauert.

Wenn es in der Gesellschaft um Barrieren geht, sei oft die Einschränkung durch körperliche Probleme gemeint. "Bei Barrieren denkt jeder doch zuerst an den Rollstuhl", sagte der Lichtenfelser Landrat Christian Meißner (CSU) bei einer offiziellen Vorstellung des Büros. Doch auch sprachliche Hürden schränken ein, aber sie seien oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen, so Marina Schmitt. Die sprachlichen Barrieren gelte es, sensibler abzubauen. "Das stärkt auch die Gemeinschaft, da wirklich alle Menschen mit einbezogen werden können", betont Marina Schmitt weiter.

Homepage des Bezirks

Übersetzte Internetseiten seien beispielsweise ein guter erster Schritt, mehr Menschen in die Gesellschaft einzubeziehen, meinte Tina Knorr, Leiterin der Offenen Hilfen für den Landkreis Lichtenfels bei der Vorstellung. Die Homepage des Bezirks Oberfranken sei hierfür ein gutes Beispiel, da auf ihr alle Informationen zusätzlich in leichter Sprache abzurufen sind.

"Das Büro soll auch deshalb bekannter werden, damit die Öffentlichkeit ein Gefühl und Verständnis dafür bekommt, dass Menschen nicht aufgrund der Sprache ausgegrenzt werden dürfen", sagt Tina Knorr.

Landrat Christian Meißner ist dankbar für die Vorstellung. Er selbst hatte sich schon an einem Wahlprogramm in leichter Sprache versucht, sagt er. "Wir werden auch im Hinblick auf die Kommunalwahlen tätig werden", unterstrich der CSU-Politiker.

Damit dürfte Marina Schmitt zufrieden sein. Denn ihr Wunsch isti es, viele Leute zu erreichen. Möglicherweise auch einmal durch Zeitungsartikel in leichter Sprache. Denn auch deren Sprache ist manchmal zu kompliziert.

Vortrag "Leichte Sprache - ein wichtiger Baustein für die Gemeinschaft" bei der Volkshochschule Kulmbach

Das Angebot soll über die gesellschaftliche Bedeutung informieren und was Leichte Sprache darstellt. Sie ermöglicht, als Zusatzangebot der deutschen Sprache, Menschen mit Lernschwierigkeiten in allen gesellschaftlichen Bereichen besser teilhaben zu lassen. Menschen mit Lernschwierigkeiten sind zum Beispiel Menschen, die gerade erst Deutsch lernen, Menschen mit einer Lese- und/ oder Rechtschreibschwäche, SeniorInnen.

Kursnummer: 19S210501

Kursbeginn: Mo. 13.05.2019

Termine: Montag, 18:30 bis 20:00 Uhr

Veranstaltungsort: Hans-Edelmann-Mittelschule, 1. Stock

Raum 6

Forstweg 4

95326 Kulmbach

Dozenten: Frau Marina Schmitt

Gebühreninformation: 9 Euro

Was ist leichte Sprache?

Sprache ist manchmal schwer.

Sprache kann ein Hindernis sein.

Zum Beispiel:

In einem Text sind schwere Wörter.

Oder die Schrift ist klein.

Diesen Text können manche Menschen nicht lesen.

Schwere Sprache kann Probleme machen:

• Menschen fühlen sich ausgegrenzt.

• Menschen möchten schwere Texte verstehen.

Aber:

Dazu brauchen sie Hilfe.

Hilfe ist nicht immer da.

Viele Menschen mit Lern-Schwierigkeiten verstehen Leichte Sprache besser.

Viele Menschen mit Lern-Schwierigkeiten fordern mehr Leichte Sprache.

Mit Leichter Sprache können Menschen mit Lern-Schwierigkeiten besser mitreden.

Deshalb unterstützt Leichte Sprache Selbst-Bestimmung.

Auch viele andere Menschen verstehen Texte in Leichter Sprache besser.

Zum Beispiel:

• Menschen mit Lernschwierigkeiten

• Menschen, die nicht gut Deutsch können

• Ältere Menschen

Leichte Sprache bedeutet zum Beispiel:

• Einfache Worte

• Kurze Sätze

• Bilder erklären den Text

(Quelle: Büro für leichte Sprache Altenkunstadt - Kontakt: Telefon: 09572/ 3867 964

E-Mail: bu.leichtesprache@regens-wagner.de)

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