Bayreuth
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Warum das DFB-Trikot mehr ist als die Grundfarben schwarz und weiß

Das Nationaltrikot ist mehr als die Grundfarben schwarz und weiß - Adidas-Chefdesigner Jürgen Rank im Interview.
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Bei der Präsentation des aktuellen DFB-Trikots erklärt Adidas-Chefdesigner Jürgen Rank die Brustgrafik , die erstmals im Jahr 1988 auf einem deutschen Dress zu finden war.  Foto: adidas
Bei der Präsentation des aktuellen DFB-Trikots erklärt Adidas-Chefdesigner Jürgen Rank die Brustgrafik , die erstmals im Jahr 1988 auf einem deutschen Dress zu finden war. Foto: adidas
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Er zieht die deutsche Nationalmannschaft an: Jürgen Rank ist Senior Design Director bei Adidas und maßgeblich für die Gestaltung der DFB-Trikots verantwortlich. Der gebürtige Bayreuther weiß, dass ein Trikot schon lange nicht mehr nur funktionell sein muss und erklärt, warum das aktuelle Dress auch eine Hommage an ehemalige DFB-Trikots ist.

Was macht ein gutes Trikot aus?
Jürgen Rank: Ein gutes Trikot spiegelt immer den Zeitgeist und die Identität einer Mannschaft wider. Dabei spielt die aktuelle Mode genauso eine Rolle wie die Art und Weise, mit der sich das Team präsentieren möchte. Dazu stimmen wir uns während des Entstehungsprozesses immer wieder mit dem jeweiligen Verein oder Verband ab. Um den Zeitgeist zu erfassen, haben wir selbst auch ein Auge und ein Ohr auf den Straßen - denn am Ende muss ein Trikot bei den Fans genauso funktionieren wie im Stadion bei den Spielern.

Welches Nationaltrikot ist Ihr Favorit bei der WM 2018?
Mit den Designs für die WM 2018 wollen wir die einzigartige Erfolgsgeschichte, die Adidas mit der Fußballwelt verbindet, feiern, und an großartige Designs aus der Vergangenheit erinnern. Dazu holen wir diese in Kombination mit der neuesten Technologie und dem Stil von heute ins Jahr 2018. Für mich persönlich gibt es keinen klaren Favoriten. Wir entwerfen die Trikots schließlich mit dem Ziel, für jede unserer Nationalmannschaften etwas Besonderes und Spezielles zu schaffen.

Welche Bedeutung haben Trikots in der Fanartikel-Industrie?
Natürlich ist das Trikot das wichtigste Identifikationsstück einer jeden Mannschaft und dadurch ein "Musthave" für den Fan oder Sammler. Allerdings spielen auch Farben und Grafiken eine große Rolle - Trikots werden auch aufgrund des Designs gekauft, ohne Fan des jeweiligen Teams zu sein.

Ein Blick in die Vergangenheit: Welches DFB-Trikot ist Ihr Favorit?
Da gibt es einige, die es mir angetan haben - und das aus ganz unterschiedlichen Gründen. Zum Beispiel, weil ich bei den Turnieren selbst vor Ort war, wie bei der WM 1990. Das Trikot von 1986 finde ich aus Design-Sicht sehr stark, 1954 hat eine nostalgische Komponente - und bei anderen wie 2010 und 2014 hatte ich die große Ehre, am Entstehungsprozess unmittelbar beteiligt gewesen zu sein.

Welche Philosophie steckt hinter dem Design des aktuellen DFB-Trikots?
Es ist die perfekte Kombination aus Authentizität und Modernität. Jeder Fußball-Fan auf der ganzen Welt kennt die Brustgrafik, die bei ihrer Premiere 1988 zur EM in Deutschland die Welt des Fußballtrikot-Designs revolutioniert hatte. 30 Jahre danach interpretieren wir diese neu. Übrigens ist auch die Designerin des damaligen Trikots, Ina Franzmann, von der aktuellen Version begeistert - genauso wie die Spieler der Nationalmannschaft. Ein Grund dafür ist die dynamische Linienführung, die die schwarzen Balken unterbricht und dadurch für das Auge Graustufen entstehen lässt. Material, Schnitt und die hochwertige Verarbeitung des Wappens sind weitere Highlights des Trikots, die man vielleicht erst auf den zweiten Blick wahrnimmt - die aber auf den ersten Blick unterbewusst schon überzeugen.

Wie schwierig ist es, regelmäßig neue Trikots zu kreieren? Schließlich ist die Basis ja stets die gleiche.
Genau das ist die Herausforderung, die wir so lieben: Immer wieder etwas Neues zu schaffen und dabei auf die Bedürfnisse der Athleten und Fans einzugehen. Natürlich müssen wir uns auch an Vorgaben und Regularien halten, um die Spielbarkeit zu garantieren.

Bei Nationaltrikots kann meist nur das Torwart-Trikot farblich frei gestaltet werden. Ist die Farbe des Torwart-Trikots auch aus psychologischer Sicht - wie zum Beispiel Signalfarben zur Abschreckung - wichtig ?
Auch Torwarttrikots müssen gewissen Regularien entsprechen. Auf Seiten der Spieler gibt es farblich Vorlieben: Der eine will eher ein grünes Trikot, damit er weniger auffällt und wie aus dem Nichts vor dem Stürmer auftaucht. Ein anderer bevorzugt knallige Farben, mit denen er die Gegner irritiert.

Haben Sie außerhalb der Nationaltrikots ein Lieblingstrikot?
Ja, das Trikot der SpVgg Bayreuth von 1987/88 - ein knalliges Gelb mit einem der legendärsten Sponsorenaufdrucke aller Zeiten, der "Großschlächterei Wölfel". Das macht immer was her, wenn man das trägt.


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