Neudrossenfeld
Fußball

Turbulenzen in der Landesliga Nordost

Der FC Strullendorf denkt an Rückzug. Neudrossenfelds Manager Gerald Weinrich empfiehlt, die Vereine kaufmännisch-professioneller zu führen. Volker Köhler vom FC Burgkunstadt kritisiert die TV-Konkurrenz.
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Nur einen Punkt ( 2:2) holte Neudrossenfeld im Heimspiel gegen Strullendorf - hier sind TSV-Kapitän Philipp Lämmert und Gästespieler Marcel Finnemann (rechts) zu sehen. Das Rückspiel in Strullendorf ist am 15. März terminiert, aber der Bamberger Vorortverein erwägt in der Saison 2014/15 einen Rückzug aus der Landesliga Nordost. Foto: Peter Mularczyk
Nur einen Punkt ( 2:2) holte Neudrossenfeld im Heimspiel gegen Strullendorf - hier sind TSV-Kapitän Philipp Lämmert und Gästespieler Marcel Finnemann (rechts) zu sehen. Das Rückspiel in Strullendorf ist am 15. März terminiert, aber der Bamberger Vorortverein erwägt in der Saison 2014/15 einen Rückzug aus der Landesliga Nordost. Foto: Peter Mularczyk
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Erst hat Mainleus seine Mannschaft aus der Bezirksliga abgemeldet, dann ist Bayernligist Hollfeld in Schieflage geraten, und jetzt erwägt Strullendorf einen Rückzug aus der Landes liga Nordost: Im Amateurlager wird die Zahl der Fußballvereine, die mit Problemen zu kämpfen haben, immer größer.


"Nicht finanzierbar"

Der aktuelle Fall: Strullendorf kann den Spielbetrieb in der Nordost-Landesliga nicht mehr stemmen. Die Liga insgesamt sei unattraktiv, erklärt FC-Sportvorstand Richard Rödel. Vor allem auch deshalb, weil vor der Saison die beiden Nachbarklubs Stegaurach und Don Bosco Bamberg in die Nordwest-Gruppe eingeteilt worden sind, also zwei Derbys fehlen. Überdies gebe es immer weniger Sponsoren, und die Zuschauerzahlen seien rückläufig. "200 bis 250 Euro Einnahmen pro Spiel, mehr haben wir nicht. Damit ist Fußball auf dieser Ebene nicht finanzierbar", so Rödel, der auch Kritik am BFV übt: Die Vereine müssten immer mehr Leistungen für den Verband erbringen und immer mehr Vor schriften hinnehmen: "Jede Pass -umschreibung kostet 50 Euro. Wir müssen Ergebnisse liefern und die Internet-Seite des BFV mit Infos versorgen."

Für die Saison 2014/15 erwägt man in Strullendorf, sich aus der Landesliga zurückzuziehen und in der Kreisklasse anzutreten, wo die 2. Mannschaft spielt. Oder: einen Neustart in der Bezirksliga zu unternehmen. Darüber will man mit dem BFV verhandeln.

Was sagen die Klassenkameraden TSV Neudrossenfeld und FC Burgkunstadt zu den Turbulenzen in der Landesliga Nordost? Pauschal als unattraktiv will TSV-Manager Gerald Weinrich die Liga nicht bezeichnen. "Das ist immer eine Momentaufnahme und richtet sich nach den Derbys", so der Neudrossenfelder. So gesehen, sei heuer die Bezirksliga interessanter, wo die TSV-Reserve auf Kasendorf, VfB Kulmbach und die Bayreuther Vereine trifft. Im Sport gehe es aber immer darum, die bestmögliche Liga anzustreben. "Sonst würden wir ja unseren Sport verraten. Wir würden niemals freiwillig eine Liga aufgeben", erklärt Weinrich.


Wie ein kleines Unternehmen

Nach seiner Ansicht ist das Problem ganz woanders zu suchen: "Sportlich gesehen, wird in vielen Vereinen sehr professionell gearbeitet, aber im kaufmännischen Bereich nicht ansatzweise." Ab Bezirksliga aufwärts, so der Neudrossenfelder Manager, sei der Spielbetrieb nicht mehr aus dem eigenen Wirtschaftsbetrieb finanzierbar: "Man braucht Fremdgeld." Daher müssten sich Vereine nach Ansicht des Steuerberaters ("Mein Beruf und die Tätigkeit des zweiten Kassierers bei einer Bank ist ein Vorteil für unseren Verein") als kleine Unternehmen verstehen, die betriebswirtschaftlich-kaufmännisch zu führen sind.

Er rät zu einer gewissenhaften Finanzplanung und einer regelmäßigen Liquiditätsprüfung: "Die Planung von Einnahmen und Ausgaben muss flächendeckend mehr in den Fokus rücken." Nach seiner Vorstelllung sollte der Verband von Vorsitzenden und Kassierern ab Bezirksliga eine kaufmännische Qualifikation fordern.

Wenn Vereine wie Strullendorf oder auch Hollfeld in Schwierigkeiten geraten, hat nach Weinrichs Einschätzung offenbar eine gesicherte Planung für die Saison gefehlt. "Dann ergibt es sich plötzlich, dass das Geld nicht reicht."


Attraktivität lässt nach

Weinrichs Burgkunstadter Kollege Volker Köhler sieht ebenfalls keinen Sinn darin, " freiwillig zurückzugehen". Allerdings registriert er nicht nur in der Landesliga eine sinkende Attraktivität, sondern "allgemein im Amateurfußball, denn von der Bayernliga bis zur A-Klasse gehen die Zuschauerzahlen immer weiter zurück. Der FC Burgkunstadt hatte vor drei oder vier Jahren in der Landesliga einen Schnitt von 240 Zuschauern pro Spiel, jetzt sind es noch 130."

Als finan ziell ebenfalls gebeutelter Verein ("Für uns ist es nicht nur sportlich, sondern immer auch finanziell ein Abstiegskampf") stützt sich der FCB laut Köhler auf folgendes Konzept: gute Jugend arbeit plus attraktive Liga. "Wir haben bei der JFG Kunstadt-Obermain einen starken Nachwuchs, spielen von der D- bis zu den A-Junioren in der Bezirksoberliga. Den guten jungen Spielern müssen wir sportlich etwas bieten, dass sie dableiben. Und deshalb ist die Landesliga für uns ideal."

Was den Vereinen zu schaffen macht, sind laut Köhler die Liveübertragungen von Fußballspielen im Fernsehen. Hier gebe es einen Interessenkonflikt: 1., 2. oder 3. Bundesliga spielen am Samstag und Sonntag genau zur Hauptspielzeit der Amateure: "Für die Leute ist es dann halt bequemer, auf der Couch bei Sky oder Sport 1 zuzuschauen, als auf den Sportplatz zu gehen."

Köhler fordert, dass Fußballverband und DFL die Amateurvereine unterstüzen: "Zum Beispiel mit einem Fonds für Strukturmaßnahmen, dass kleine Vereine eine Flutlichtanlage bauen können, um abends zu spielen." Und er kann er sich eine Ligenreform vorstellen; Stichwort: mehr Derbys.
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