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TSV 08 Kulmbach ist Kreisligist: Im vierten Anlauf hat's geklappt

Der TSV 08 Kulmbach macht seinem Trainer mit dem Kreisliga-Aufstieg das perfekte Abschiedsgeschenk.
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Jubel nach dem späten Siegtreffer im Relegationsspiel gegen Bindlach: Der TSV 08 Kulmbach ist wieder Kreisligist. Peter Mularczyk
Jubel nach dem späten Siegtreffer im Relegationsspiel gegen Bindlach: Der TSV 08 Kulmbach ist wieder Kreisligist. Peter Mularczyk

Ägypten. 7. Juni. Später Freitagabend. Stefan Sesselmann braucht Ruhe. Er geht zum Pool des Hotelkomplexes, legt sich auf eine Liege und trinkt einen Gin Tonic auf sein Team. "Ich habe den Moment in aller Stille genossen", sagt Sesselmann. Währendessen im weit entfernten Heinersreuth: grenzenloser Jubel, Freudenschreie und Bierduschen bei den Spielern des TSV 08 Kulmbach. Gerade hatte Fabian Früh in der Nachspielzeit der Verlängerung den Siegtreffer zum 1:0 im Relegationsspiel gegen den TSV Bindlach geschossen. Die Katzbachtaler sind zurück in der Kreisliga.

"Es war schon eine saublöde Konstellation und richtig bitter, dass ich nicht dabei sein konnte", sagt TSV-Trainer Sesselmann. "Aber der Urlaub in Ägypten war eben schon lange gebucht. Während des Spiels saß ich wie auf Kohlen." Und am Handy. Immer wieder aktualisierte er den Live-Ticker. Die Nullachter waren überlegen, hatten viele Chancen. "Und ich konnte leider keinen Einfluss nehmen." Der 36-Jährige war so nervös, dass er den Siegtreffer zunächst für das erste Tor im Elfmeterschießen hielt. Erst nach einigen Minuten realisierte er, dass das Spiel aus war. Und kurz darauf am Pool wurde ihm klar: Das ist der größte Erfolg seiner Trainerlaufbahn und der perfekte Abschied. "Es waren vier tolle Jahre beim TSV, für die ich sehr dankbar bin", sagt der Coach. "Dreimal sind wir knapp am Aufstieg gescheitert - und jetzt das Happy End." Sesselmann verlässt den TSV auf eigenen Wunsch, da er mehr Zeit für sein Privat- und Berufsleben haben möchte.

Clever und erfahren

In seinen ersten drei Spielzeiten hatte Sesselmann die Katzbachtaler in der Spitze der Kreisklasse Kulmbach etabliert. Zwei vierte und ein dritter Platz sprangen heraus, nur die angestrebte Kreisliga-Rückkehr gelang eben nicht. "Kleinigkeiten" haben aus Sicht Sesselmanns gefehlt, doch in der abgelaufenen Spielzeit sei der Aufstieg geglückt, da "wir in den entscheidenden Partien cleverer, erfahrener waren und auch das nötige Quäntchen Glück hatten".

Zum Erfolg beigetragen hat die Umstellung auf ein 3-5-2-System. Florian Mösch, Ali Kilic und Benedikt Höfner erwiesen sich als Stabilisatoren in der Defensive, in der Offensive spielten Christian Ohnemüller (26 Treffer) und Früh (15) eine tolle Saison. In der ausgeglichenen Liga wurde der TSV weitestgehend vom Verletzungspech verschont, war eines der spielstärksten Teams und überzeugte immer wieder durch geschlossene Mannschaftsleistungen. So steckten die Kulmbacher auch Rückschläge weg - wie beim Start nach der Winterpause. Der spätere Meister SV Ramsenthal war enteilt und ein packender Kampf um Relegationsplatz 2 entbrannt.

Punkte leichtfertig vergeben

Und der TSV verspielte leichtfertig Punkte: Erst verlor er beim SV Motschenbach mit 1:2 und kam dann auf eigenem Platz trotz 3:1-Führung bis zur 74. Minute gegen den TSV Neudrossenfeld III nicht über ein 3:3-Unentschieden hinaus. "Da habe ich gedacht: Das war's mit dem Aufstieg", sagt Sesselmann. "Zumal schwere Spiele anstanden." Doch es gelang ihm, seine Mannschaft wachzurütteln: Die folgenden sechs Spiele brachten die Optimalausbeute von 18 Punkten - und das für Sesselmann entscheidende Signal: "Nach dem 6:3 beim BC Leuchau wussten wir, dass es dieses Jahr anders laufen kann als in den Spielzeiten zuvor." Mit Früh hatte einer der Schlüsselspieler bereits in der 16. Minute Gelb-Rot gesehen, und bis zur 70. Minute lagen die Kulmbacher mit 1:3 zurück. "Doch dann haben wir den Kampfgeist gezeigt, der uns auszeichnet, und die Partie noch gedreht", ist Sesselmann stolz. Die Vizemeisterschaft war sicher, und in der Relegation machten die selbstbewussten Nullachter gegen den TSV Bindlach den Aufstieg perfekt.

"Es war eine tolle Saison und ein verdienter Aufstieg", resümiert Kai von Avondt. Der stellvertretende TSV-Vorsitzende lobt vor allem den Zusammenhalt und den Willen des Teams. Zudem sei es geglückt, junge Spieler zu integrieren. Diese Aufgabe wartet nun auch auf Sesselmanns Nachfolger Matthias Nagel. Sechs Talente steigen von der Jugend zu den Herren auf. "Im Vordergrund steht weiterhin die Entwicklung der Mannschaft", sagt von Avondt. "Und da ist die Kreisliga aus sportlicher Sicht eben wesentlich attraktiver. Auch wenn der Zuschauerzuspruch wohl zurückgehen wird." Für Kulmbacher Vereine ist die von Bayreuther Teams geprägte Kreisliga wegen der geringeren Derby-Anzahl unattraktiv - nicht so für von Avondt. "Ausflüge nach Bayreuth sind doch immer schön", sagt er und lacht. "Und wir freuen uns schon riesig auf das Stadtderby gegen den ATS."

Stadtderby als Eröffnungsspiel?

Die Partie gegen den Bezirksliga-Absteiger wünscht sich der TSV als Eröffnungsspiel. Dann wird auch sicher Sesselmann als Zuschauer vor Ort sein. Schließlich hat er beim TSV viele Freunde gefunden und drückt diesen bei der Mission "Klassenerhalt" kräftig die Daumen.

Team bleibt zusammen

Der Kader des TSV 08 Kulmbach bleibt nach dem Kreisliga-Aufstieg zusammen. Nur Christian Barth verabschiedet sich in Richtung BC Leuchau. Zudem sind die Verantwortlichen in guten Gesprächen mit möglichen Neuzugängen. "Aber es ist noch nichts in trockenen Tüchern", sagt stellvertretender TSV-Vorsitzender Kai von Avondt.

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