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Motorsport

So erlebt Haase den Horror-Unfall

Die Bilder vom Horror-Unfall der Formel-3-Pilotin Sophia Flörsch gingen um die Welt. Der Kirchleuser Christopher Haase war in einem Rennen vor ihr auf dem Stadtkurs von Macau unterwegs.
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Etwa 280 km/h hat Sophia Flörsch auf dem Tacho, als ihr Formel3-Bolide abhebt, sich dreht und an einem Fotografenturm zerschellt. Ein Riesenglück, dass weder sie noch andere Beteiligte bleibende Schäden von dem Unfall davontrugen.  Foto: Tony Wong/Apple Daily/dpa
Etwa 280 km/h hat Sophia Flörsch auf dem Tacho, als ihr Formel3-Bolide abhebt, sich dreht und an einem Fotografenturm zerschellt. Ein Riesenglück, dass weder sie noch andere Beteiligte bleibende Schäden von dem Unfall davontrugen. Foto: Tony Wong/Apple Daily/dpa
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Die Bilder vom Horror-Unfall der Formel-3-Pilotin Sophia Flörsch gingen um die Welt. Der Kirchleuser Christopher Haase war in einem Rennen vor ihr auf dem Stadtkurs von Macau unterwegs.Diese Bilder lassen einem den Atem stocken: Auf dem Stadtkurs von Macau in Asien hebt ein Formel3-Wagen bei Tempo um die 280 km/h wie ein startendes Flugzeug ab, dreht sich in der Luft, durchbricht den Fangzaun und kracht mit dem offenen Cockpit voraus in mehrreren Metern Höhe gegen einen Fotografenturm. Im Wagen sitzt die erst 17-jährige Sophia Flörsch aus München, die schon als erste deutsche Frau in der Formel 1 gehandelt wird.

Als der Horror-Unfall passiert, ist der Kirchleuser Christopher Haase gerade auf dem Weg ins Hotel. Er war kurz vorher selbst auf dem spektakulären, weil sehr engen Stadtkurs in der chinesischen Sonderverwaltungszone unterwegs. In einem Audi-Sportwagen R8 LMS wurde er Sechster beim Saisonfinale der GT-Weltmeisterschaft.

Der 31-Jährige, der aus Kirchleus stammt und mittlerweile in Österreich lebt, sagt über den Unfall seiner Rennfahrerkollegin, die er persönlich nicht kennt: "Sie hatte Riesenglück." Zwar brach sich Sophia Flörsch durch den Aufprall einen Halswirbel und musste insgesamt elf Stunden operiert werden, doch wird sie wieder vollständig genesen. Christopher Haase, wie haben Sie den Horror-Crash von Julia Flörsch erlebt?Mein Rennen war schon länger vorbei, wir hatten alles zusammengepackt und waren gerade auf dem Weg ins Hotel. Ich habe dann vom Unfall aus den Medien erfahren. Angeschaut habe ich mir das Video erst einmal nicht. Ich finde es nicht gut, sich so etwas reinzuziehen, wenn man noch nicht weiß, ob jemand schlimmer verletzt ist. Angesehen habe ich mir den Unfall erst, als die Nachricht kam, dass niemandem etwas Schlimmeres passiert ist. Was denkt man als Kollege, wenn man so einen Unfall sieht?Der Unfall war schon brutal. Da weiß man gar nicht, was man sagen soll. Im zweiten Moment denkt man, die Fahrerin hat Riesenglück gehabt. Ich gehe davon aus, dass noch einiges an Energie abgebaut wurde, als das Auto durch die Luft wirbelte. Als junger Rennfahrer haben auch Sie von der Formel 1 geträumt. Sind Sie froh, dass es nicht geklappt hat? Denn das Risiko in einem offenen Boliden zu fahren ist ja schließlich höher als in einem Sportwagen.Grundsätzlich kann man sagen, dass GT-Wagen sehr sicher sind. Und Audi ist mit seinen sicherheitsrelevanten Bauteilen ganz weit vorne dabei. Das gibt einem schon ein gutes Gefühl, auch wenn man weiß, dass der Sicherheit natürlich Grenzen gesetzt sind. Aber auch die Formel-Fahrzeuge haben ein sicheres Carbon-Cockpit. Ich bin ein Fan des heuer eingeführten Halo-Systems in der Formel 1 (Anmerkung d. Red.: ein Sicherheitsbügel, der den Kopf des Fahrers schützen soll), das sicherlich auch für kleinere Formel-Autos ein Thema werden wird. In unseren GT-Fahrzeugen sind ja überall Käfigstreben drin. Aber natürlich muss man sich mit dem Thema Sicherheit ständig beschäftigen. Gibt es eigentlich häufig kritische Momente in einem Rennen?Häufig wäre übertrieben. Aber klar gibt es Momente, in denen man weiß, jetzt hätte es einen fast weggedreht. Sie betreiben seit zwölf Jahren Motorsport. Was war Ihr schlimmster Unfall?Das war am Lausitzring im GT Masters. Da hat sich vor mir ein Auto im Feld gedreht, in das ich dann frontal reingefahren bin. Den Aufprall merkt man schon ein paar Tage, aber richtige Verletzungen habe ich mir zum Glück noch nie zugezogen. Was müsste man noch machen, um die Sicherheit im Motorsport zu verbessern? Ist auch ein Airbag denkbar?Airbag ist immer mal ein Thema, aber es ist schwierig, das in einem Rennauto zu handhaben. Da gibt es ständig große Kräfte und Schläge. Wenn dann ein Airbag einfach so aufgeht, wenn der Fahrer noch gegenlenken will, ist das eher gefährlich.

Sechster bei der Premiere in Macau

Christopher Haase hat beim Saisonfinale der FIA-GT-Weltmeisterschaft in Macau Platz 6 belegt.Es war sein erstes Rennen auf dem spektakulären Stadtkurs in der chinesischen Sonderverwaltungszone 50 Kilometer westlich von Hongkong.

Zur Vorbereitung hatte Christopher Haase viel am Simulator trainiert. "Die Zusammenarbeit mit dem Audi-Sport-Team Rutronik war sehr gut", berichtet Haase. Mit entsprechend gutem Gefühl ging Christopher Haase in die zwei 30-minütigen freien Trainings, wobei er gleich im ersten seine Klasse zeigte. "Unter 15 Pro-Autos konnte ich mich auf Rang 3 platzieren, davon war ich fast überrascht", sagte Haase, der im zweiten Training Siebter wurde und in der letzten Kurve der letzten Runde Bekanntschaft mit den Reifenstapeln von Macau machen musste: "Aber als Macau-Neuling kommt man offensichtlich nicht um diese Erfahrung herum. Danke an das Audi Sport Team Rutronik. Alle haben an einem Strang gezogen, um den Audi R8 LMS rechtzeitig für das Qualifikationstraining wieder flott zu bekommen."

Als Achter des Zeittraining war der Kirchleuser zweitbester Audi-Pilot direkt hinter Robin Frijns. Für Christopher Haase war klar, dass zwei schwierige Rennen auf ihn warten würden: "Das Tempo war okay, aber wir wussten, dass ein Podiumsplatz nur mit etwas Glück möglich sein wird."

Im Quali-Rennen hatten die Audi-Piloten bereits direkt am Beginn Glück, nicht in den Abflug eines Konkurrenten in der Vollgas-Passage "Mandarin" verwickelt zu werden: "Dort kommen wir mit 265 km/h an. Gott sei Dank ist keinem etwas passiert", sagte Haase, der nach der kurzen Safety-Car-Phase seine Position halten und auf Platz 7 ins Ziel fahren konnte. Das war gleichzeitig auch die Startposition für das Hauptrennen, das extrem anstrengend war: "Wir hatten auf dem knapp sieben Kilometer langen Kurs keine einzige Safety-Car-Phase. Bei der Luftfeuchtigkeit und den Temperaturen in Macau werden 18 Runden ganz schön lang. Wenigstens konnte ich mich auf Rang 6 verbessern, wir waren ein wenig schneller als am Vortag. An einen Angriff nach vorne war aber erneut nicht zu denken. Dennoch, mit zwei fehlerlosen Rennen zwei Mal zweitbester Audi-Pilot zu sein, damit bin ich sehr zufrieden. Es war toll, mit dem Audi Sport Team Rutronik und Teamchef Fabian Plentz zu arbeiten", sagt Haase, der nächstes Jahr "unbedingt wieder in Macau dabeisein" will.

Seine Rennsaison 2018 ist aber noch nicht beendet. Zum Abschluss startet Christopher Haase für das Audi-Team Car Collection beim Zwölf-Stunden-Rennen von Abu Dhabi und pilotiert dabei mit Markus Winkelhock und Dimitri Parhofer den neuen Audi R8 LMS Evolution.



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