Ludwigschorgast
Laufen

Paar aus Ludwigschorgast lief, wo Zuckerpalmen wachsen

Das Ludwigschorgaster Ehepaar Michael und Silvia Kraus war 14 Tage lang im Königreich Kambodscha laufend unterwegs und hat dabei viele Eindrücke von Land und Leuten gewonnen - aber auch so manch brenzlige Situation überstanden.
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Der Ludwigschorgaster Michael Kraus hat am Ultralauf in Kambodscha teilgenommen - und die Herausforderung als Schnellster bewältigt. Fotos: privat
Der Ludwigschorgaster Michael Kraus hat am Ultralauf in Kambodscha teilgenommen - und die Herausforderung als Schnellster bewältigt. Fotos: privat
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Die markanten, rund-verwuschelten Wipfel der Palmen und die Reisfelder bedecken das flache Land bis zum Horizont. Die Khmer sagen: "Wo die Zuckerpalmen wachsen, da ist Kambodscha". Wasserbüffel suhlen sich im Schlamm, wiederkäuend und glotzend wie vor tausend Jahren.

Wer Michael Kraus kennt, der weiß, dass so ein Aufenthalt in einem exotischen Land für ihn etwas mit Laufabenteuer zu tun haben muss. Für den Extremsportler waren in sieben Tagesetappen rund 180 Kilometer im Laufschritt zu bewältigen. Für Ehefrau Silvia standen 115 Kilometer auf dem Programm, die sie walkend, jedoch ohne Zeitnahme, zurücklegte. Bei hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen bis zu 45 Grad ist dies eine enorm hohe physische Belastung für alle Teilnehmer.
Michael Kraus erzählt uns von einer spannenden Reise in einem exotischen Land.

Vom Winter in den Hochsommer

Ausgangspunkt des Laufabenteuers ist die Hauptstadt Phnom Penh. Nur zwei Tage bleiben den Teilnehmern des Ultralaufes "Magie Cambodgienne" Zeit, sich zu akklimatisieren. Das bedeutet, den Körper von europäischen Minustemperaturen auf hochsommerliche Temperaturen umzustellen und einen Zeitunterschied von plus sechs Stunden zu kompensieren.
Der Prolog über knapp 16 Kilometer für ein erlauchtes Teilnehmerfeld von 13 Startern, bestehend aus zwölf Franzosen und mir als einzigem Deutschen, erfolgt vor den Toren von Phnom Penh und führte durch Zuckerpalmenplantagen und vielen kleineren Ortschaften zum Ziel auf einem kleinen Hügel. Schon nach wenigen Metern ist allen Läufern klar, dass es sich um eine sehr staubige Angelegenheit handelt. Der gesamte Parcours führt nämlich ausnahmslos über Sand- und Steinpisten. Das i-Tüpfelchen der ersten Etappe ist der finale Schlussanstieg mit über 300 Treppenstufen zu Füßen der großen Buddha-Statue. Zusammen mit dem Franzosen Denis erreiche ich nach 1:31 Stunden als Erster das Ziel.

Frauen lachen schallend

Bei der zweiten Etappe (30 Kilometer), die wieder durch zahlreiche kleinere Ortschaften führt, gibt es die unterschiedlichsten Reaktionen der Einheimischen. Viele winken uns freundlich zu, und die Kinder am Straßenrand rufen ein begeisterndes "Bye bye". Einige, vor allem Frauen mittleren Alters, brechen in schallendes Gelächter aus. Zurückzuführen ist dies wahrscheinlich auf unser Outfit: Laufschuhe, Sporthose, Mütze und Sonnenbrille - und dann rennen die noch bei diesen Temperaturen... Solche verrückten Leute kommen nicht alle Tage in den hintersten Winkeln Kambodschas vorbei.
Bis Kilometerpunkt 22 bin ich zusammen mit den Franzosen Denis und Alexander gemeinsam unterwegs. Auf den letzten acht Kilometern löse ich mich, suche meinen eigenen Laufrhythmus und lasse meinen Gedanken freien Lauf, genieße die Einsamkeit des Langstreckenläufers. Solche Extremläufe haben viel mit mentaler Stärke und Willenskraft zu tun. Sonst hat man hier absolut keine Chance. Nach gut 2:48 Stunden erreiche ich als Erster das Etappenziel.
Bei den nächsten drei Etappen, geprägt von viel Staub und sandigen Pisten, geht es ans Ein-gemachte. Diese Tagesetappen führen uns auch in eine andere Welt, weit weit weg von der Zivilisation.

Kinder laufen mit

Ein besonderes Erlebnis ist für mich die dritte Etappe (28 Kilometer), auf der ich von Anfang an alleine laufend unterwegs war. Etwa bei der Hälfte der Strecke begleiten mich eine zeitlang - etwa drei Kilometer - Kinder auf ihren Fahrrädern, denen es offensichtlich viel Spaß macht. Und genau das sind diese außergewöhnlichen Begebenheiten in einem fremden Land, die man dann nur als Läufer sehr intensiv erlebt und die solche Abenteuer letztendlich auch ausmachen.
Nach 2:36 Stunden erreiche ich den Dschungelort Taa Seng, der Franzose Denis folgt als Zweiter etwa 20 Minuten später.
Die vierte Etappe (32 km) ist nicht nur die längste, sondern auch die härteste. Staubige Sandpisten und die kaum auszuhaltende Hitze hinterlassen Spuren bei uns Extremsportlern: Blasen an den Füßen, Hautabschürfungen von Stürzen und muskuläre Probleme, die manchen humpelnd ins Ziel kommen lassen. Gemeinsam mit dem Franzosen Denis erreiche ich erschöpft, aber glücklich das Etappenziel nach 3:19 Stunden. Bei solchen Abenteuern muss man eben viel an körperlicher Erschöpfung mit Geduld ertragen können, um zu bestehen.

Brandgeruch im Dschungel

Aufgrund der hohen Temperaturen und um weitere Ausfälle von Teilnehmer zu vermeiden, wird die fünfte Etappe um acht Kilometer gekürzt. Dies ist eine reine Dschungeletappe über rund 24 Kilometer. Gemeinsam mit Denis komme ich nach 2:22 Stunden ins Ziel mitten in der Dschungellandschaft und wartete auf die nachfolgenden Läufer und Walker. Doch plötzlich bricht etwas Panik aus. Einer der einheimischen Begleiter nimmt Brandgeruch wahr, und wenige Sekunden später sieht man auch schon schwarzen Rauch aufsteigen und lodernde Flammen, die scheinbar direkt auf uns zukommen. Wir werden werden mit dem Range Rover in Sicherheit gebracht. Doch was passiert mit den Teilnehmern, die noch unterwegs sind? Wo ist Silvia? Ich hoffe nur, dass sie am letzten Verpflegungspunkt noch rechtzeitig gestoppt werden konnte.
Doch wie sich später herausstellt, wurde eine "kontrollierte" Brandrodung durchgeführt. Na ja, das Spiel mit dem Feuer sollte man jedenfalls nicht unterschätzen, denke ich mir.
Heute ist die letzte Nacht, in der wir bei Bauern übernachtet haben. So bekommen wir das Leben in einem der ärmsten Länder hautnah mit: Kein fließendes Wasser, gekocht wird im Freien auf offenem Feuer, und wenn man von Sanitäranlagen sprechen kann, dann könnte man allerhöchstens sagen: "Spärlich vorhanden". Für uns verwöhnte Europäer eine harte, aber auch lehrreiche Zeit. Zimperlich darf man da nicht sein, auch was Hygiene betrifft. Geschlafen haben wir in auf Pfählen gebaute Holzhäuser.
Trotzdem genießen wir diese Momente, wenn morgens um 4.30 Uhr der Hahn kräht und in der Morgendämmerung im Freien die Frauen Feuer machen, wir im Halbschlaf den Rauch in unseren Nasen wahrnehmen, die Töpfe klappern, wo Wasser gekocht wird für das Frühstück und die aufsteigende Sonne zwischen den Palmen wieder einen heißen Tag ankündigen wird. Das ist diese ganz besondere und unbeschreibliche Atmosphäre und der Charme dieser Orte, den man bei solchen Abenteuern sehr intensiv erleben kann.
Etappe Nummer sechs führt uns wieder zurück in die Zivilisation. Knapp 30 Kilometer, vorbei an geräumten Minenfeldern und einigen Ortschaften erreiche ich nach 2:50 Stunden das Ziel vor Denis, der etwa fünf Minuten länger braucht.
Jetzt sind wir auch wieder in unserer gewohnten Umgebung und lernen dies besonders zu schätzen: fließendes Wasser, Duschen und gute Sanitäranlagen in unserem noblen Hotel in Siem Reap, einer quirligen Stadt (150 000 Einwohner) und Ausgangsbasis aller Tempelentdecker.
Doch bevor unsere Gruppe auf Entdeckungsreise geht, ist noch die Schlussetappe über rund 18 Kilometer zu bewältigen. Waren die bisherigen Etappen eher ein welliges Streckenprofil, so muss die siebte Etappe mit zwei satten Anstiegen mit insgesamt über 400 Höhenmetern Anstiegsleistung schon als kleiner Berglauf eingestuft werden. Heute ist mein Tag. Serpentinen führen schnell im schattenspendenden Wald einige Höhenmeter hinauf. Auch die zweite Rampe (250 Höhenmeter) über gut zwei Kilometer stellt keine zu großen Anforderungen an mich. An einem großen Buddha-Denkmal vorbei durch ein Felslabyrinth, dann steil auf schmalen wurzelgeprägten Pfaden hinunter zu einem Fluss und noch über die Hängebrücke. Nach 1:40 Stunden ist die Etappe und der Ultralauf geschafft. Der Franzose Denis folgt als Zweiter zehn Minuten später.
Im Gesamtklassement kommen zehn Teilnehmer in die Wertung. Für mich wird eine Laufzeit von 17:09 Stunden gestoppt, der Franzose Denis folgte mit einem Rückstand von etwa 45 Minuten auf dem 2. Platz. Für die acht Walker und vier MTB-Fahrer wird keine Zeit-nahme durchgeführt.

Angkor ist ein Muss

Drei Tage blieben uns noch Zeit für Sehenswürdigkeiten und Städtebummel in Siem Reap und Phnom Penh. Für jeden Kambodscha-Reisenden ist es ein Muss, Angkor, den Traum aus Stein, dessen Ursprung über 1000 Jahre zurückliegt, zu besichtigen. Und auch die schwimmenden Dörfer auf dem Tonle Sap-See, deren Bewohner sich ausschließlich vom Fisch ernähren, ist ein interessantes Ziel.
Bei diesem Bootsausflug hatten wir Glück im Unglück. Unser Boot stieß frontal mit einem anderen Boot zusammen. Passiert ist Gott sei Dank nichts.

Weitere Berichte von Michael Kraus' Laufabenteuern in aller Welt finden Sie unter www.laufend-erleben.de


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