Kulmbach
Fußball-WM

Mittendrin, aber nur selten dabei

Seine Pizzeria ist voll auf die Weltmeisterschaft getrimmt. Doch Maurizio Malandrino wird nur die wenigsten Spiele live verfolgen können.
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Maurizio Malandrino vom ATS Kulmbach II hofft, dass auf Italiens Nationaltrikot bald ein fünfter Stern aufgenäht werden muss. Foto: Marian Hamacher
Maurizio Malandrino vom ATS Kulmbach II hofft, dass auf Italiens Nationaltrikot bald ein fünfter Stern aufgenäht werden muss. Foto: Marian Hamacher
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Es sieht aus wie der Traum eines jeden Greenkeepers. Was sich in der brasilianischen Tropen-Metropole Manaus neben dem hauptverantwortlichen Rasenpfleger wohl auch jeder Fußball-Spieler als Untergrund wünschen würde, ziert in Kulmbach die Tische des Restaurants von Maurizio Malandrino. Ein satteres Grün als das des aufgedruckten Rasens auf der Tischdecke, kann ein Spielfeld kaum haben.

Auf der Kulmbacher Zier-Variante stehen keine Spieler, sondern farblich passende, sorgsam zu einem Dreieck gefaltete und aufgestellte Servierten. Der darauf gedruckte schwarz und weiß gemusterte Fußball sowie die an der Zimmerdecke hängenden Trikots des deutschen, italienischen und brasilianischen Teams machen klar: Hier regiert die kommenden Wochen über nur ein Thema. "Die Fußball-Weltmeisterschaft ist das beste Turnier, das es gibt. Ich freue mich immer darauf. Das ist für unsereins ein Traum, den man nicht mehr erreichen kann", sagt Malandrino, den alle nur "Mauri" nennen.

Wenn er nicht hinter der Theke seiner Pizzaria "Mauri-Pizza" steht, hütet der 33-jährige Italiener in der A-Klasse 7 Bayreuth-Kulmbach das Tor der Zweitvertretung des ATS Kulmbach. Nach Platz 2 in der regulären Saison gelang in der Relegation gegen den VfR Katschenreuth II der Aufstieg in die Kreisklasse. Auch in der neuen Liga soll die Erfolgsserie weitergehen. "Unser Ziel ist es, unter die ersten Fünf zu kommen. Defensiv stehen wir sehr gut und haben auch in der Offensive einiges zu bieten", gibt sich Malandrino optimistisch. Eine Parallele zur italienischen Nationalelf? Dieser Vergleich geht ihm dann doch etwas zu weit, aber die Erwartungshaltung ist ähnlich hoch. "Wenn ich wetten müsste, würde ich auf Italien, Deutschland oder Argentinien als Weltmeister tippen. Deutschland ist nach wie vor eine Turniermannschaft und steigert sich von Spiel zu Spiel. Argentinien spielt mit Herz und Seele. Die haben das Spielen auf der Straße gelernt, genauso wie die Italiener", erklärt er.


Gutes Gespür


Ausgerechnet den Titelverteidiger zählt er aber nicht zum Feld der Favoriten. "An Spanien glaube ich dieses Jahr nicht. Einfach vom Gefühl her", sagt der in Syrakus auf Sizilien geborene Malandrino und beweist damit gutes Gespür. Nur wenige Stunden später nehmen die Niederländer Spanien in Salvador mit 5:1 auseinander. Beim Tipp zur Partie seines Heimatlandes verschätzt sich der Schlussmann des ATS. "Wenn wir in den ersten 30 Minuten kein Tor kassieren, gewinnen wir 2:0", orakelt er. Knapp daneben. Italien siegt mit 2:1. Dass er den Briten keinen Treffer zutraut, hat einen Grund: Gianluigi Buffon. Doch der viermalige Welttorhüter des Jahres von Italiens Rekordmeister Juventus Turin sitzt während des Spiels nur verletzt auf der Tribüne. "Buffon ist mein fußballerisches Vorbild. Der verbringt sicherlich mehr Zeit auf dem Platz, als bei seiner Frau. Wie er seine Ecke schützt, wenn er auf der Linie steht, wie er den Winkel verkürzt, wann er aus dem Tor kommt, wann er den Ball fängt oder lieber wegfaustet; all das habe ich mir bei ihm abgeschaut", sagt Malandrino.

Zu seiner DVD-Sammlung gehören daher nicht nur Spielfilme, sondern auch Aufzeichnungen von Trainigseinheiten seines Idols. "Die DVDs habe ich mir in Italien gekauft, aber auch auf You-Tube kann man einiges finden, um sich als Torwart zu verbessern. Zum Beispiel Videos von Manuel Neuer. Der hat sich unglaublich gut entwickelt", findet Malandrino, über dessen Waschbecken in der Küche das weiß-schwarz gestreifte Leibchen von Juventus Turin hängt. Obwohl er am südlichsten Zipfel Italiens aufgewachsen ist, schlägt sein Herz seit frühester Jugend für den Verein aus Italiens Nordwesten. "Das liegt in der Familie. Ich bin da einfach reingewachsen."

Ausgerechnet zur Weltmeisterschaft muss der Sizilianer seinen Fußball-Konsum deutlich herunterfahren. "Die Arbeit lässt es einfach nicht zu, dass ich alle Spiele sehen kann, und der Beruf geht nun einmal vor", so Malandrino. Die einfachste Lösung wäre wohl, einen Fernseher an der Wand aufzuhängen. "Da ist meine Freundin aber dagegen", verrät er. Wenigstens die Spiele mit deutscher und italienischer Beteiligung möchte er trotz des beruflichen Fernsehverbots verfolgen. "Wenn Italien auf Deutschland trifft, nehme ich mir einen Tag frei."


Zusätzliche Fahrer


Bis es soweit kommt, hat Malandrino aber noch eine Menge zu tun und zudem einen ganz besonderen Grund, auf ein erfolgreiches Abschneiden von Jogi Löws Schützlingen zu hoffen. "Wenn Deutschland gewinnt, sitzen hinterher alle gemütlich zusammen und es gibt mehr Bestellungen. Ich muss immer mehr Fahrer einplanen, wenn Deutschland spielt." Es gibt aber auch den gegenteiligen Effekt. Erstmals eingetreten nach dem Halbfinal-Aus des DFB-Teams 2006 gegen Italien. "Am nächsten Tag war es ruhig. Da sind sie wohl alle lieber zum Griechen gegangen. Nach ein bis zwei Tagen hatte sich das aber beruhigt", erinnert er sich schmunzelnd. Zu früh sollen sich beide Mannschaften in Brasilien nicht gegenüberstehen: "Erst im Halbfinale oder Finale." Einen Ergebnistipp hätte er für diesen Fall aber bereits. Mit einer raschen Bewegung greift er nach einem Pizzakarton. Abgebildet sind darauf die Fahnen aller teilnehmenden Nationen. Einen Augenblick später auch zwei mit einem Filzstift aufgemalte schwarze Zahlen. Italien: "2". Deutschland: "1".
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