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Medi Bayreuth: Wie lange noch bleibt Korner?

Raoul Korner, Trainer des Basketball-Bundesligisten Medi Bayreuth, fühlt sich beim "Ausbildungsverein" wohl, verhehlt aber höhere Ambitionen nicht.
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Bayreuths Trainer Raoul Korner (rechts) präsentiert mit Geschäftsführer Björn Albrecht das extra kreierte Weihnachtstrikot, das sein Team heute erstmals gegen den Mitteldeutschen BC tragen wird. Foto: Peter Kolb
Bayreuths Trainer Raoul Korner (rechts) präsentiert mit Geschäftsführer Björn Albrecht das extra kreierte Weihnachtstrikot, das sein Team heute erstmals gegen den Mitteldeutschen BC tragen wird. Foto: Peter Kolb

Wie lange kann Medi Bayreuth seinen Erfolgstrainer Raoul Korner noch halten? Sein Vertrag läuft zwar noch bis 2020, doch haben beide Seiten nach Ende dieser Saison ein Kündigungsrecht. Dass seine Zeit in Oberfranken endlich ist, daraus macht der Österreicher auch keinen Hehl: "Natürlich hege ich Ambitionen, aber mit 44 Jahren habe ich ja auch noch Zeit." Der Name Korner dürfte jedenfalls bei dem ein oder anderen Top-Klub schon im Notizbuch stehen.

Derweil darf sich Medi Bayreuth aber noch an einem Trainer erfreuen, der es verstand, aus den bescheidenen wirtschaftlichen Möglichkeiten von Anbeginn das Optimum herauszuholen. Beeindruckend vor allem seine Trefferquote bei Neuverpflichtungen. "Faule Birnen" hat er dem Verein bei seiner sommerlichen Einkaufstour noch nie in den Korb gelegt. "Das können wir uns auch gar nicht leisten", sagt Korner, als wäre sein Auge für Verstärkungen, an die er sowohl sportlich als auch charakterlich hohe Anforderungen stellt, eine Selbstverständlichkeit. So hat auch der zwischenzeitlich von ihm öffentlich kritisierte US-Spielmacher David Stockton nach schwachen Auftritten mittlerweile gezeigt, warum ihn Korner haben wollte.

Die große personelle Fluktuation gerade bei den Basketball-Vereinen ist für Raoul Korner kein Problem, wenn "die Fans merken, dass die Spieler nicht nur Legionäre auf Zeit sind, sondern dass sie in der Zeit alles geben."

Last und Herausforderung

Für den Coach ist das begrenzte Medi-Budget Herausforderung und Last zugleich: "Klar wünscht man sich als Coach so eine Vorbereitung wie 2017, wenn im Sommer wieder alle zusammenkommen. Das ist dann wie bei einem Klassentreffen." Doch Korner weiß auch: "Wir sind eben dazu verdammt, dass wir Spieler wie Assem Marei nicht halten können. Er ist auf so einem Level angekommen, dass sich ihn in der Bundesliga höchstens noch die Bayern leisten könnten."

Bei Medi Bayreuth macht man die Not zur Tugend, hat gezwungenermaßen die Rolle eines Ausbildungsvereins angenommen. An der Situation wird auch der neue Geschäftsführer Björn Albrecht so schnell nichts ändern können, selbst wenn er derzeit viel am "Netzwerken" ist. Es sei denn, zu den über 150 kleinen Sponsoren gesellt sich aus heiterem Himmel noch ein richtig großer.

Bis dahin bleibt auch Albrecht nichts weiter übrig, als das Vereinsmantra zu beschwören, nämlich "Heroes of tomorrow" (zu deutsch Helden von morgen) zu formen. "Wir wollen uns als Standort empfehlen, wo man sich ausbilden kann. Unser Star ist die Mannschaft, unser Programm." Das aber nur dann funktioniert, wenn man einen Star als Trainer hat, einen wie Raoul Korner, der mit zielsicherem Blick die Stars von morgen in die oberfränkische Basketball-Provinz lockt und betont, dass er sich in Bayreuth wohlfühlt: "Man weiß schon, was man an guten Stationen hat". Doch wie lange noch?

Am Samstag gegen Weißenfels

Zwei Wochen ohne Punktspiel haben die Bayreuther Basketballer nach strapaziösen englischen Wochen mit Bundesliga und Champions League so richtig genossen, ehe sie am Samstagabend um 20.30 Uhr in der vermutlich erstmals in dieser Saison ausverkauften Oberfrankenhalle den abstiegsgefährdeten Mitteldeutschen BC erwarten. "Die Pause war gut, denn zwei, drei Spiele pro Woche nagen schon an Physis und Psyche", sagt Medi-Coach Raoul Korner. Vier Tage gab er seinen Spielern frei. Die nutzten diese zu Städtetouren nach Prag oder Familienbesuchen - genauso wie der Österreicher selbst, der nach Wien reiste.

Bastian Doreth und Andreas Seiferth dagegen konnten kaum durchschnaufen, standen für sie doch die zwei Länderspiele gegen Griechenland und Estland auf dem Programm. Medi-Kapitän Bastian Doreth ist "stolz, Nationalspieler zu sein" und freut sich "über jeden Einsatz", auch wenn es am Ende selbst für den Co-Kapitän der deutschen Basketballer nicht für eine Nominierung in den WM-Kader reichen könnte, wenn alle NBA-Spieler zur Verfügung stehen. Ihr Vereinstrainer Raoul Korner weiß aber, dass Bundestrainer Henrik Rödl viel von den beiden Bayreuthern hält: "Er hat sie für ihre Einstellung und Fitness gelobt."

Vor dem n Gegner warnt Korner: "Wir haben in der Saisonvorbereitung schlecht gegen den MBC ausgesehen." Allerdings haben die Weißenfelser aktuell einige Personalprobleme, denn gleich fünf Spieler drohen auszufallen. Darunter der Ex-Bayreuther David Brembly, der nach mageren Jahren in Ulm und Bremerhaven in Weißenfels gelandet ist.cs



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