Kulmbach

Kulmbacher pfeift in Asien

Der Kulmbacher Christopher Schunk verbindet sein Studium in Taiwan mit seinem Hobby, der der Schiedsrichterei.
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Der Kulmbacher Christopher Schunk (rechts) gehörte in Taiwan zum Team von Ollie Allie (Mitte), der schon in der in der englischen Premier League als Assistent vierter Offizieller tätig war.  Foto: privat
Der Kulmbacher Christopher Schunk (rechts) gehörte in Taiwan zum Team von Ollie Allie (Mitte), der schon in der in der englischen Premier League als Assistent vierter Offizieller tätig war. Foto: privat
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Sie sind echte Weltenbummler, die Schunks aus Kulmbach. Vater Alfons war vergangenes Jahr offizielles Teammitglied der philippinischen Fußball-Nationalmannschaft und als Spielerbeobachter und Assistent von Star-Trainer Sven-Göran Eriksson im Einsatz. Und nun sammelte Alfons' Sohn Christopher Auslandserfahrung als Schiedsrichter. Während seines Studiums in Taiwan pfiff oder assistierte der 23-Jährige bei Spielen der Taiwan Foreign League, einer Hobby-Liga für Ausländer. "Ich habe viele neue Freunde aus aller Herren Ländern gefunden", sagt der junge Kulmbacher, der sich in der Drei-Millionen-Haupstadt Taipeh ("Die Stadt ist eher übersichtlich") eine Wohnung mit Studienkollegen aus Würzburg und einem Japaner geteilt hat.

Die Weltoffenheit wurde Christopher Schunk schon in die Wiege gelegt, stammt doch seine Mutter von den Philippinen. Er selbst fühlt sich zwar "als Kulmbacher", sieht aber seine Zukunft nicht in Oberfranken, sondern in der weiten Welt. "Ich möchte schon gerne international tätig sein", sagt der 23-Jährige, der seit 2017 in Würzburg internationale Betriebswirtschaftslehre studiert. Seitdem pfeift er auch für die dortige Schiedsrichter-Gruppe in den Ligen auf Kreisebene.

Bis zur Bezirksliga

Angefangen hat alles 2012 mit einem Neulingskurs in Kulmbach. Einen solchen gibt es auch in Kürze wieder (siehe Infokasten). Christopher Schunk war damals 15 Jahre. Drei Jahre später hängte er seine Fußballschuhe nach Stationen beim BSC und ATS Kulmbach sowie der JFG Kunstadt an den Nagel, obwohl es der Offensivspieler sogar bis in die A-Jugend-Bezirksoberliga gebracht hatte. "Das Pfeifen hat mir irgendwann mehr Spaß gemacht", erklärt er. Doch auch als Unparteiischer hat Schunk Talent, arbeitet sich von der B-Klasse bis in die Bezirksliga hinauf, engagiert sich zudem als Schiedsrichter-Einteiler im Jugendbereich und betreut die Internetseite der Gruppe Kulmbach. "Sein Weggang war schon ein großer Verlust für uns", bedauert Udo Konstantopoulos. Deshalb freut sich der Schiedsrichter-Obmann, dass er Christopher Schunk im Frühjahr wieder für ein paar Spiele einsetzen kann, ehe der Student im April erneut Richtung Asien aufbricht. "Ich absolviere ein studienbedingt vorgeschriebenes Auslandspraktikum bei der deutsch-malaysischen Außenhandelskammer in Malaysia", sagt der 23-Jährige.

Im Team mit Erstliga-Schiri

Die Spiele der Ausländer-Liga in Taiwan finden meist auf Kunstrasen statt. "Es spielen sehr viele Engländer mit, das Niveau ist vielleicht wie in der deutschen Kreisliga oder Bezirksliga", sagt Schunk. In Taiwan gehörte er auch zum Team von Schiedsrichter Ollie Allie, der schon in der in der englischen Premier League als Assistent tätig war. Mit Babak Rafati hat er in Taipeh einen weiteren ehemaligen Erstliga-Schiedsrichter getroffen. "Er arbeitet jetzt als Mentalcoach und Motivationstrainer für Fußballer und will sich in Asien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Kundennetzwerk aufbauen", erzählt Christopher Schunk. Er selbst würde "schon mal gerne noch auf Verbandsebene pfeifen, auch wenn ich ich sicher nicht der talentierteste Schiedsrichter bin." Defizite habe er bisweilen noch in der Spielführung, beim Einschätzen der Spieler und bei der Sanktionierung. "Ich bin vielleicht manchmal zu streng", sagt Christopher schmunzelnd. Doch helfe ihm sein Hobby bei der Persönlichkeitsentwicklung: "Ich bin durch die Schiedsrich terei gereift."

Rund 20 Euro Spesen kassierte der Kulmbacher pro Einsatz in Taiwan. Doch weniger finanziell als vielmehr sprachlich hat sich der knapp einjährige Taiwan-Aufenthalt gelohnt. "Ich habe ein bisschen Chinesisch gelernt. Internationale Erfahrung kann mir sicher mal nützlich sein", sagt der Kulmbacher, der schon eine konkrete Vorstellung von seiner späteren beruflichen Tätigkeit hat: "Ich möchte im Personalbereich einer international tätigen Firma arbeiten."

Und auch Martin, der älteste Sohn von Alfons Schunk, ist ein echter Kosmopolit. Der 25-Jährige spricht sieben Sprachen und arbeitet seit September 2019 für den Deutschen Akademischen Außendienst bei den Vereinten Nationen in New York, wo er Pressekonferenzen organisiert. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Neulinge gesucht

Die Schiedsrichter-Gruppe Kulmbach, die heuer ihr 100-jähriges Bestehen feiert, sucht dringend Verstärkung. So richtet sie vom 21. bis 23. Februar im Gasthof Geuther einen Neulingskurs mit Prüfung aus. Anmeldungen bei Lehrwart Dominik Haas (E-Mail d.haas@gmx.net, Telefon 015154434237) oder Obmann Udo Konstantopoulos (E-Mail u.konstantopoulos@t-online.de, Telefon 0176/31695664).

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