In Rostock sind alle happy: Julian Hoffmann, Hürdensprinter des ATS Kulmbach, Gabi Hoffmann, seine Trainerin, und Andreas Knauer, Landestrainer der U 20 in Bayern. Der 18-jährige Leichtathlet präsentiert sich bei der deutschen Meisterschaft der Junioren in Topform. Er wird Siebter über 110 Meter Hürden, seine 14,48 Sekunden zum Saisonhöhepunkt sind eine Leistungs explosion. "Damit hatte ich keinesfalls gerechnet", zeigt sich Julian hinterher selbst überrascht.

15 Sekunden ist zu wenig

Vor drei Wochen sah die Welt noch ganz anders aus: Missmutig hadert Julian mit seinen Zeiten über 110 Meter Hürden. 15 Sekunden und knapp drüber - das ist nicht sein Anspruch. "Wenn ich die 15 Sekunden nicht knacke, starte ich nicht in Rostock", sagt der 18-jährige Leichtathlet.


Bei der bayerischen Meisterschaft der U 20-Junioren in Plattling vor zwei Wochen platzt dann der Knoten. Mit 14,79 Sekunden wird der Kulmbacher bayerischer Vizemeister und verbessert seine Bestzeit um mehr als drei Zehntel, um jetzt in Rostock noch eins draufzusetzen: 14,56 Sekunden im Vorlauf, Endlaufteilnahme und 14,48 Sekunden im Finale.

"Vergessen sind jetzt die Verletzungspause, das nicht optimale Wintertraining und die Probleme mit der Umstellung auf die höheren Hürden und die weiteren Abstände", sagt seine Trainerin, die ihrem Schützling attestiert: "Es hat einfach alles gepasst. Julian ist so gut gelaufen, weil er zwischen den Hürden besser ist, er hat jetzt die Abstände raus."

Der Juniorensprinter ist sich nicht sicher gewesen, in Rostock den Endlauf zu erreichen. "Aber ich habe gewusst, dass eine Chance da ist. Doch dafür muss ich die Zeit von Plattling noch mal verbessern." Was ihm ja gleich im Vorlauf gelungen ist.

Befreit laufen, ohne Druck

Vor dem Finale ist man in der der Kulmbacher Delegation darum bemüht, Aufregung zu vermeiden. Julian soll befreit laufen, ohne Druck. Was denkt man, wenn man in den Start blöcken steht? "Ich bin ganz locker rangegangen, ich hatte eh keine Chance, ganz vorn zu landen. Ins Ziel zu kommen, war für mich schon ein Riesenerfolg", beschreibt Julian seine Gedanken. Als auf der Anzeigetafel für ihn 14,48 Sekunden aufleuchten, ist er überrascht. "So gut hatte ich meine Zeit nicht erwartet. Denn der Läufer neben mir hat mich an der Schulter erwischt und stark gekratzt. Da bin ich aus dem Tritt gekommen. Aber ich hatte genug Aggressivität, um durchzulaufen."
Und wovon träumt ein junger Hürdensprinter jetzt? Die 13 vorm Komma scheint ja gar nicht so weit weg. "Das ist so ein Ding", meint der 18-Jährige bedächtig und rechnet sich aus: "Ohne den Jahrgang 1994 wäre ich heuer Vierter geworden. Nächstes Jahr sind die Vierundneunziger nicht mehr dabei, da habe ich vielleicht eine Medaillenchance. Aber dann sollte es schon in Richtung 14,0 gehen."

Dieses Mal ist das Sprinter talent aus Kulmbach Siebter geworden und hat einen neuen ATS-Vereinsrekord aufgestellt. Und zur oberfränkischen Bestleistung fehlen nur noch drei Hundertstel.

Einladung zum Länderkampf

Zur Belohnung hat U 20-Landestrainer Andreas Knauer angekündigt, Julian zum Länderkampf Ende August in Tschechien einzuladen. Wieder ein internationaler Start, nachdem er schon mal bei der U 18 in Brixen (Südtirol) gestartet ist. "Eigentlich wollten wir schon in die Pause gehen. Das heißt nun, dass wir noch mal vier Wochen weitertrainieren müssen", so die Trainerin. Aber dafür strengt man sich doch gerne noch mal ein bisschen an ...