Kulmbach

Kulmbacher Christopher Haase: Rennfahrer als Traumberuf

Christopher Haase aus Kulmbach ist Rennfahrer - ein Beruf, zu dem er eher zufällig kam, den er aber nicht mehr hergeben möchte. Trotz des zum Teil eigenwilligen Trainings.
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Traumauto als Dienstwagen: Rennfahrer Christopher Haase aus Kulmbach fährt privat einen 450 PS starken Audi RS 4. Foto: privat
Traumauto als Dienstwagen: Rennfahrer Christopher Haase aus Kulmbach fährt privat einen 450 PS starken Audi RS 4. Foto: privat
Es ist ein Dienstwagen, von dem viele nur träumen können: 450 PS treiben Christopher Haases Audi RS 4 an, dessen blaue Farbe so kräftig ist, wie sein Motor. Hier, im beschaulichen Kirchleus, zwischen Einfamilienhäusern, Traktoren und Jägerzäunen, wirkt der Bolide umso ungewöhnlicher. Doch er passt bestens zum Beruf des Besitzers, denn Christopher Haase ist Profi-Rennfahrer.

Ein Berufswunsch, der bei vielen Jungs wohl gleich hinter Fußballspieler und Astronaut rangiert - und ähnlich schwer zu erreichen ist. Bei Haase hat der Zufall nachgeholfen: "Im Autoclub Kulmbach, in dem schon mein Vater Mitglied war, gab es damals ein Jugendprogramm. Man fragte mich, ob ich beim Dacia-Logan-Cup als Fahrer dabei sein möchte, und ich sagte zu." Es folgten viele unerwartete Siege. Schnell wurde klar, dass mehr Talent in dem jungen Kulmbacher steckte.

Das entdeckte auch eine örtliche Firma und förderte Haase, der von Erfolg zu Erfolg eilte. Seit 2011 ist er nun Fahrer bei Audi Sport customer racing. "Normalerweise werden Rennfahrer von Kindesbeinen an darauf vorbereitet. Sie beginnen mit Kartfahren, durchlaufen dann die kleine Formelschule und so weiter. Meine Geschichte ist eine seltene - ich bin praktisch ohne Erfahrung eingestiegen. Solch einen Weg haben nur sehr wenige hinter sich", sagt Haase. Doch wer glaubt, dass er es dadurch leichter hatte, der irrt. Die mangelnde Erfahrung musste er aufholen, und das war harte Arbeit: "Es gab Zeiten, da habe ich mich 24 Stunden am Tag ausschließlich mit Motorsport beschäftigt."

Geduld, Ruhe, Cleverness

Inzwischen wurde das Hobby zum Beruf. In der vergangenen Saison gewann Haase zum zweiten Mal das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring und lieferte gute Leistungen beim United Sportscar Championship (USCC) in den USA ab. Hier fehlten ihm nur neun Punkte zum Gesamtsieg. Was zeichnet einen guten Rennfahrer aus? "Geduld, Ruhe und Cleverness", sagt Haase. Es gehe darum, Situationen richtig einzuschätzen und den richtigen Moment abzuwarten.

Und natürlich hat das Auto einen großen Anteil. "Der beste Rennfahrer kann mit einem langsamen Auto nicht gewinnen. Allerdings hilft einem schlechten Rennfahrer auch das schnellste Auto nichts", erklärt Haase. Dafür, dass der Untersatz auf Fahrer und Strecke abgestimmt ist, sorgt in erster Linie das Team - für Haase der wichtigste Bestandteil. "Es ist schon verrückt, wie viele Daten ausgewertet werden müssen und auf wie viele Details man achten muss. Da geht es um Millimeter", sagt Haase. An den Fahrzeugen lässt sich fast alles manuell verstellen. Ein winziger Fehler kann bereits massive Auswirkungen auf die Performance des Wagens haben. "Nach außen steht immer der Fahrer im Mittelpunkt, aber eigentlich ist das Rennfahren ein Mannschaftssport."

Fitness ist unerlässlich

Beim Motorsport bedarf es einer soliden Fitness, nur liegt der Fokus beim Training auf anderen Bereichen als beispielsweise beim Fußball oder Radsport. Auch der Körper eines Bodybuilders würde ihm nichts bringen, sagt der 27-Jährige, denn Muskeln verbrennen Energie und brauchen Platz. Und der steht bei den engen Sportsitzen nicht zur Verfügung.

Haase: "Ich muss auch nicht der beste Sprinter sein, nicht der beste Marathonläufer. Ich brauche vor allem einen stabilen Nacken und Rücken, damit die beim Fahren wirkenden G-Kräfte aufgefangen werden können - etwa wenn man auf der Nordschleife mit 250 Sachen in die Kurve geht." Außerdem muss er den Körper an Hitze gewöhnen. In den Rennwagen herrschen zum Teil über 60 Grad. Lüftungsschlitze gibt es nicht - alles ist dicht, nur ein kleiner Schlauch bläst etwas Luft ins Innere. "Der Motor gibt Wärme ab, beim Bremsen entsteht Wärme und auch die Wasserleitungen die durchs Fahrzeug führen, heizen es zusätzlich auf", sagt Haase.

Bei 15 Grad Außentemperatur, erreicht man im Fahrzeug schnell die 40-Grad-Marke. "In Texas sind wir ein Rennen bei 43 Grad gefahren." Man kann sich vorstellen, wie heiß es im Auto war. Um den Körper auf diese Belastung einzustellen, schnappt sich Haase sein Rennrad und fährt auf Rollen in der Sauna. "Das ist auch eine mentale Sache. Man geht einfach mit einem besseren Gefühl ins Rennen, wenn man weiß, dass man es problemlos durchhält."

Neben dem Rennfahren arbeitet Haase noch als Anweiser beim Fahrsicherheitstraining. Zudem kümmert er sich selbst um Sponsoren. "Viele stellen sich den Job als Rennfahrer einfach vor, doch es ist wirklich harte Arbeit. Trotzdem macht es mir Spaß, und ich kann mir im Moment nicht vorstellen, etwas anderes zu tun", sagt Haase. Doch das Ganze hat einen Preis. Haase ist viel unterwegs und hat entsprechend wenig Zeit für seine Familie und seine Freundin: "Das klappt nur, weil alle hinter mir stehen und viel Verständnis aufbringen."

In Kirchleus zerreißt plötzlich der Sound des V8-Hochdrehzahlmotors in Haases Audi RS 4 die Stille. Trotz der 450 PS seines Dienstwagens ist der Kulmbacher im Straßenverkehr eher ruhig und zurückhaltend unterwegs: "Wenn man beruflich ständig am Limit fährt, dann ist es schön, wenn man privat auch mal einen Gang zurückschalten kann."
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