Katschenreuth

Johannes Hamper: Ein Mann für Recht und Ordnung

Der Kulmbacher Schiedsrichter Johannes Hamper ist in der 4. Liga angekommen - Ziel ist der Profibereich.
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Klare Ansage: Schiedsrichter Johannes Hamper erklärt Sammy Röder vom ASV Vach eine Entscheidung. Nach sechs Aufstiegen peift der Kulmbacher mittlerweile in der Regionalliga.  Foto: Imago
Klare Ansage: Schiedsrichter Johannes Hamper erklärt Sammy Röder vom ASV Vach eine Entscheidung. Nach sechs Aufstiegen peift der Kulmbacher mittlerweile in der Regionalliga. Foto: Imago

100 Jahre wird die Schiedsrichter-Vereinigung Kulmbach heuer alt - doch bis in den Profibereich hat es noch kein Unparteiischer der Gruppe geschafft. Doch das könnte sich bald ändern. Denn mit Johannes Hamper hat die Gruppe einen jungen Mann, für den es in den vergangenen zwölf Jahren sechs Mal nach oben ging. Und die Regionalliga Bayern, in der er seit Saisonbeginn pfeift, soll noch längst nicht die Endstation sein. "Natürlich habe ich den sportlichen Erfolg im Hinterkopf, auch wenn die Luft genauso wie für Fußballer nach oben immer dünner wird", sagt der 25-Jährige. Aber nach erst vier Einsätzen in der Regionalliga Bayern will der Katschenreuther, der inzwischen für den ATS Kulmbach pfeift, den Mund auch noch nicht zu voll nehmen. "Ich muss erst einmal in der Regionalliga Fuß fassen. In ein, zwei Jahren können wir dann weiterschauen."

Mit Zwölf beim Neulingskurs

Johannes Hamper war zwölf Jahre alt, als er sich für den Erwerb der Schiedsrichter-Lizenz entschied. 2006 legte er nach einem dreitägigen Kurs, wie ihn die Gruppe Kulmbach am nächsten Wochenende wieder anbietet (siehe Info-Kasten), die Prüfung ab. Seinen ersten Einsatz an der Pfeife hatte Hamper wenig später beim D-Junioren-Spiel zwischen dem FC Kupferberg und dem TV Guttenberg.

Nach der A-Junioren-Zeit bei der JFG Maintal/Friesenbachtal beendete der Katschenreuther seine Fußballer-Karriere, um sich ganz auf die Schiedsrich terei zu konzentrieren. "Beides geht nicht", sagte Hamper damals.

Keine schlechte Entscheidung, denn so eine Karriere wie er an der Pfeife hinlegte, hätte er am Ball sicher nicht geschafft. Schon mit 17 Jahren durfte er sein erstes Bayernliga-Spiel pfeifen, und heute gehört der Polizeimeister zu den 50 besten bayerischen Schiedsrichtern.

Walter Moritz, Schiedsrichter-Verbandsobmann des Bayerischen Fußball-Verbandes aus Haßfurt, sagt: "Johannes Hamper ist eines unserer größten Talente. In dem Alter schon in der Regionalliga zu pfeifen, schafft nicht jeder. Er muss jetzt erst einmal in der Liga ankommen, aber nach oben stehen ihm noch alle Wege offen."

Ob es für den Kulmbacher zu weiteren Aufstiegen reicht, liege an ihm selber, so Moritz. " Dann ist die Schiedsrichterei aber mehr als ein Hobby, dafür muss man brutal viel Zeit investieren." Und reich wird man nicht, schon gar nicht im Amateurbereich: 200 Euro gibt es pro Einsatz in der Regionalliga, 75 in der Bayernliga. Mitspielen muss natürlich auch die Familie - was beim frisch verheirateten Hamper auch der Fall ist. Früher haben ihn Opa und Mutter zu den Bayernliga-Spielen kutschiert, jetzt unterstützt ihn seine Frau Natalie. "Sie hat mich schon so kennengelernt und steht voll hinter meinem Hobby", sagt Hamper.

Vier Spiele hat er in dieser Saison in der Regionalliga geleitet, gleich zwei im altehrwürdigen Stadion am Schönbusch bei Viktoria Aschaffenburg. "Das macht Megaspaß. Fußballerisch ist die Regionalliga schon auf hohem Niveau, denn es kicken ja auch einige ehemalige Profis mit", sagt Hamper, der vom DFB zudem für Spiele in der A- und B-Junioren-Bundesligen eingeteilt wird. Da bekommt er es dann auch schon mal mit einem Weltmeister wie Miroslav Klose zu tun, der die B-Junioren des FC Bayern trainiert.

Videostudium ist wichtig

Über seine bisherigen Auftritte in der 4. Liga kann Hamper selbst nicht klagen. "Ich musste zwei Mal Gelb-Rot geben, aber es gab bislang noch keine negativen Stimmen." Auch nicht in der Presse, die der Kulmbacher hinterher genauso studiert wie im Internet verfügbare Videos von den Partien. "Die Sport-Total-Kameras, die es mittlerweile auf allen Plätzen bis zur Landesliga hinunter gibt, sind schon eine super Sache. Davon profitieren in der Nachbereitung eines Spiels die Fußballer, Trainer - aber auch wir Schiedsrichter", sagt der 25-Jährige, der sich zudem im Vorfeld über die Vereine informiert, die er zu pfeifen hat. "Man schaut sich vorher schon Statistiken und Spielsysteme an." Das erwartet auch sein Chef Walter Moritz, der für die bayerischen Top-Schiedsrichter in der Regionalliga persönlich zuständig ist. Er sagt, was einen guten Schiedsrichter auszeichnet: "Man muss immer bereit sein, dazuzulernen und kritikfähig sein. Nur so reift man als Schiedsrichter zu einer Persönlichkeit." Qualitäten, die Johannes Hamper in seinem Beruf auch braucht. Denn seit einem Jahr setzt er Recht und Ordnung auch hauptberuflich als Polizeimeister bei der Inspektion in Kulmbach durch. Und da droht ihm das gleiche üble Phänomen wie auf dem Fußball-Platz, nämlich zunehmenden Respektverlust vor Autoritäten, wie Walter Moritz beklagt: "Wer hat es früher gewagt, Polizisten anzugehen? Dieses Problem macht auch vor uns Schiedsrichtern nicht halt. Die verbale Gewalt nimmt zu, der Respekt hat nachgelassen. Da sollten sich die Fußballer mal ein Beispiel am Handball nehmen. Da wird nach einer Entscheidung der Ball hingelegt, und es geht weiter."

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