Ludwigschorgast
Fußball

FC Ludwigschorgast: Erinnerung an die glorreiche Vergangenheit

Vor 30 Jahren stieg der FC Ludwigschorgast in die Bezirksoberliga auf. Nun kamen die ehemaligen Spieler zu einem Treffen im Sportheim zusammen.
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Der FC Ludwigschorgast um Jürgen Braunersreuther verlor 1989 am letzten Spieltag der Bezirksligasaison beim SSV Kasendorf um Gerd Angermann mit 2:4, stand aber bereits vorher als Meister fest.  Fotos: Kurt Dehler/Archiv
Der FC Ludwigschorgast um Jürgen Braunersreuther verlor 1989 am letzten Spieltag der Bezirksligasaison beim SSV Kasendorf um Gerd Angermann mit 2:4, stand aber bereits vorher als Meister fest. Fotos: Kurt Dehler/Archiv
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30 Jahre ist es her, als Ludwigschorgast Kopf stand. Der FC feierte am 28. Mai 1989 die Meisterschaft in der Fußball-Bezirksliga Ost. Die 2:4-Niederlage am letzten Spieltag gegen den SSV Kasendorf spielte keine Rolle mehr, der Titelgewinn stand schon zuvor fest. Der Aufstieg in die Bezirksoberliga (BOL) war perfekt. Die Spieler feierten nicht nur auf dem Platz und im Sportheim, sie nahmen auch ein Bad im Dorfbrunnen. Nun kamen die Aufstiegshelden und die Mannschaftsmitglieder von damals zu einem Treffen im Ludwigschorgaster Sportheim zusammen - und schwelgten in Erinnerungen.

Zweifellos erlebte der FC seine Blütezeit Ende der 1980er Jahre. Was selbst kühnste Optimisten nicht für möglich hielten: Die Bezirksliga, in die die Ludwigschorgaster 1988 aufgestiegen waren, blieb nur eine Durchgangsstation. Der große Coup gelang eine Saison später mit dem Sprung in die BOL - die damals sechsthöchste Liga, vergleichbar mit der heutigen Landesliga. Ein Ereignis, das als "Sportmärchen des FC Ludwigschorgast" in die Vereinsgeschichte einging.

Drei Jahre mischte der Provinzklub im Konzert vieler oberfränkischer Großvereine (FC Bamberg, VfB Coburg, FC Lichtenfels, BSV Bayreuth) mit. Das Erfolgsrezept der FC-Mannschaft war ihr Zusammenhalt, ihre Konditionsstärke und ihre gesundes Selbstvertrauen. Zum Großteil setzte sich das Team aus Spielern zusammen, die dem FCL schon seit der Schülerzeit verbunden waren. Sie spielten nicht für Geld, sondern mit Herz und Begeisterung. Wenn es einmal eine Punkteprämie gab, wurde diese meist im Sportheim gelassen. Großen Anteil am Erfolg hatte Spielertrainer Klaus Hain, der Halt und Vorbild der jungen, ehrgeizigen Mannschaft war.

Harte Vorbereitung unter Klaus Hain

Werner Günther, der das Jubiläumstreffen organisierte, ist ein Ludwigschorgaster Eigengewächs. Seit seinem siebten Lebensjahr schnürte er die Fußballschuhe für den FCL. Den Sprung in die erste Mannschaft schaffte er auf Anhieb. Seither führte der Weg in seiner sportlichen Laufbahn stets nach oben: von der damaligen B-Klasse (heute Kreisklasse) bis in die BOL. Kampfgeist und Wendigkeit waren seine Markenzeichen. Als Kapitän ging er immer voran. Zusammen mit seinem Bruder Rudi, den seine Kopfballstärke auszeichnete, bildete er ein erfolgreiches Tandem, das den Gegnern das Leben schwer machte. "Zwischen den Jahren 1959 und 1969 gab es gute Jahrgänge mit vielen Talenten, die auch menschlich zusammenpassten", sagt Günther.

Noch heute erinnert er sich genau an die harten Vorbereitungszeiten unter Klaus Hain mit dreimaligem Training in der Woche und ein bis zwei Spielen am Wochenende. Unvergessen blieben Werner Günther die kräftezehrenden Laufeinheiten. Zum Beispiel ging es die steile Bergstraße im Ort oft rauf und runter. "Das Training von damals ist mit heute nicht mehr zu vergleichen. Das würde jetzt keiner mehr machen. Aber jeder Spieler hat voll mitgezogen, keiner wollte zurückbleiben. Schließlich wollten alle am Spieltag auf dem Platz stehen und nicht auf der Bank sitzen."

Eine besondere Erinnerung hat er an einen Doppeleinsatz: Vormittags war er als Feuerwehrmann bei einem Brand in Hegnabrunn gefordert, und am Nachmittag stand er als Fußballer in Waldsassen auf dem Platz. Nach dem Spiel wurde im Sportheim eingekehrt, auch beim Gegner. Sieg oder Niederlage spielte keine Rolle: "Das war für uns eine Selbstverständlichkeit. Auch wenn es auf dem Platz manchmal zur Sache ging, danach war alles vergessen."

Wie kein anderer hat Jürgen Braunersreuther, ein weiteres FC-Urgestein, die Höhen und Tiefen des Vereins erlebt. Der Rekordspieler mit mehr als 1200 Einsätzen erhielt mit 17 Jahren die Spielberechtigung für die erste Mannschaft. Seitdem hatte der offensive Mittelfeldspieler einen Stammplatz sicher - von der B-Klasse bis in die Bezirksoberliga. Von dort durchlief er als Einziger wieder alle Klassen bis hinunter in die B-Klasse. Denn "Brauni" ist noch immer in der B-Klasse aktiv - und das mit 56 Jahren. "Mir macht der Fußball noch Spaß, ich fühle mich fit, und gebe meine Erfahrungen gerne an die Jüngeren weiter", sagt Braunersreuther.

Hervorzuheben ist seine Vereinstreue. Er hatte Angebote von höherklassigen Vereinen, doch er entschied sich für Ludwigschorgast - und seine gewohnte Umgebung. "Das Schöne an der Meisterschaft in der Bezirksliga war, dass uns niemand auf dem Schirm hatte und wir uns klammheimlich an die Tabellenspitze setzten", erinnert sich Braunersreuther. Trainer Hain nennt er einen "ausgefuchsten" Trainer, der schon beim FC Bayern Hof in der Bayernliga gespielt hatte. Hain habe schnell erkannt, dass er eine pflegeleichte Mannschaft übernommen hatte, in der Potenzial steckte.

Im Bus war immer Stimmung

Die weiteste Anreise zum Jubiläumstreffen hatte Peter Haas, der mittlerweile in Murnau (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) wohnt. Vor allem im Angriff war der ballgewandte und antrittsschnelle Dribbler, wie sein Bruder Winfried im Mittelfeld, ein wertvoller Spieler. Wenn Peter Haas in den gegnerischen Strafraum drang, war er oft nur durch ein Foul zu stoppen. Gerne erinnert sich der Linksfuß an die Auswärtsspiele mit dem Bus. "Der war voll besetzt, weil viele Fans mitfuhren. Heimwärts herrschte oft eine tolle Stimmung. Selbst als wir beim FC Bamberg 0:4 verloren hatten, wurde ein Bier aufgemacht und gesungen. Nur einer schüttelte mit dem Kopf: Klaus Hain. Wir waren wie eine richtige Familie."

Ralf Förtsch wechselte in der Winterpause der Bezirksligasaison 1988/89 vom ATS Kulmbach nach Ludwigschorgast. Der "Alte" war mit seinen Torjägerqualitäten und als sicherer Elfmeterschütze eine Verstärkung. Einen kuriosen Treffer erzielte er in Ebern: "Der Torwart ließ den Ball fallen, weil er an ein Foul geglaubt hatte. Da reagierte ich blitzschnell und schob den Ball ins Tor."

Beim damaligen C-Klassisten SV Cottenau spielte Uwe Rothert, bevor er sich dem FC anschloss. Auch er machte den Weg von der B-Klasse bis in die Bezirksoberliga mit. Der Vorstopper zog sich aber im zweiten Heimspiel in der BOL vor 800 Zuschauern gegen den ATS Kulmbach einen Bänderriss zu. "Seitdem konnte ich nicht mehr spielen", sagt Rothert. Es war das erste Derby der beiden Mannschaften. Die Kulmbacher gewannen mit 4:1.

Immer wieder wurde beim Jubiläumstreffen von allen Spielern das Wir-Gefühl betont. Torhüter Karl-Heinz Schmitt bezeichnete die Kameradschaft als "unübertrefflich". Als Kupferberger hat er in Ludwigschorgast seine "schönste Zeit als Fußballer erlebt und viele Freunde gefunden".

In die Vereinsgeschichte ging eine denkwürdige Partie in Bamberg ein. So fand der 2:0-Sieg gegen die damalige Spitzenmannschaft des SC 08 Bamberg Beachtung in den Zeitungen mit Schlagzeilen wie "Fußballwunder ersten Ranges" oder "Ludwigschorgast sorgt für Sensation". Torschützen waren Klaus Hain und Udo Laaber.

Doch aktuell sind nur die Erinnerungen an die glorreichen Zeiten geblieben. Von ähnlichen Erfolgen ist der FC Ludwigschorgast im Jahr 2019 meilenweit entfernt. Der Verein stellt nicht einmal mehr eine eigene Herrenmannschaft. Wegen Personalnot wurde in der zurückliegenden Winterpause die Reserve zurückgezogen. Die erste Mannschaft gründete zu Saisonbeginn 2019/2020 eine Spielgemeinschaft mit dem FC Kupferberg.

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