Kulmbach
Karate

Ein nie endender Lernprozess

Der Kulmbacher Henry Landeck hat vor 30 Jahren seine Schule aufgebaut. Inzwischen trainieren 60 Schwarzgurte bei ihm.
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Henry Landeck trägt den Karate-Virus in sich - und inzwischen den 6. Dan (Schwarzgurt). Foto: privat
Henry Landeck trägt den Karate-Virus in sich - und inzwischen den 6. Dan (Schwarzgurt). Foto: privat
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Aus kleinsten Anfängen heraus hat Henry Landeck ein Karate-Zentrum für das original japanische Shotokan-Karate, der Kampfkunst zwischen Sport und Meditation, geschaffen und bietet mittlerweile nicht nur in Kulmbach, sondern auch in Bayreuth, Hollfeld und Waischenfeld Trainingskurse an. Jetzt feiert seine Kampfsportschule 30-jähriges Bestehen. Der Chefinstructor selbst, der den 6. Schwarzgurt (Dan) trägt, gehört zu den erfolgreichsten Karatesportlern in ganz Deutschland.

Henry Landeck trägt den Karate-Virus in sich: "Ich bin mit Karate wesentlich ruhiger geworden. Je mehr man von der Geschichte dieses Sportes weiß, umso mehr wird man von der Sache auch gefesselt. Man bekommt auch ein besseres Lebensgefühl."

Der erste Schwarzgurtträger

Henry Landeck war 1982 der erste Kulmbacher, der den Schwarzgurt abgelegt hat: "Ich hatte vorher beim ATS Kulmbach Boxsport betrieben. Als ich mit 14 Jahren eine Ausbildung als Bäcker begonnen habe, konnte ich nicht mehr trainieren, weil ich bereits früh um 2 Uhr aufstehen musste, um mit dem Fahrrad von Mainleus nach Kulmbach zu kommen." Durch seinen Bäckermeister kam Landeck 1974 zum Karatesport und begann dann, seine eigene Schule aufzubauen: "Ich wollte ein Angebot schaffen, bei dem die Kampfkunst nach japanischen Vorbildern im Fokus steht, denn in den Vereinen steht sie nicht so im Vordergrund."

Karate ist für Henry Landeck mehr als nur ein Sport, bei dem man eine effektive Selbstverteidigung lernt. Karate sieht er vor allem als eine Schule fürs Leben. "Man lernt, mit Niederlagen umzugehen. Dazu kommen die Persönlichkeitsentwicklung und die Steigerung des Selbstbewusstseins. Karate ist gut für Seele, Geist und Körper, Gesundheit, Vitalität und Sicherheit."

Sein eigenes Dojo, ein Bewegungsort für asiatische Kampfkünste, baute Henry Landeck im Mai 1980 auf. Inzwischen trainieren seine Schützlinge auf 270 Quadratmetern in der E.-C.-Baumann-Straße. Der 59-jährige Bundesstützpunkt-Trainer der Japan Karate Association (JKA) hat mit seinen Athleten bereits unzählige Erfolge feiern können. So war das Kulmbacher Karate-Zentrum bei der Bayerischen Meisterschaft 2018 der erfolgreichste Verein. Auch für die Deutsche JKA-Nationalmannschaft waren Athleten des Kulmbacher Karate-Zentrums erfolgreich im Einsatz. Landecks Schützlinge holten vier Mal Silber und ein Mal Bronze bei der Weltmeisterschaft und gewannen den Worldcup. Zudem stellten das Karatezentrum acht Europameister, 15 Deutsche Meister und 102 Bayerische Meister.

Derzeit trainieren 60 Schwarzgurte vom 1. bis zum 4. Dan bei Henry Landeck, der auch im Besitz der Bundesprüferlizenz des Deutschen JKA-Karatebundes ist.

Vorbild Hideo Ochi

Landeck selber legte seine Prüfungen vom 1. bis zum 6. Dan allesamt bei Hideo Ochi ab, der viele Jahre als Bundestrainer für Karate in Deutschland zu den weltweit renommiertesten Lehrern des Shotokan-Karates gehörte. Hideo Ochi (9. Dan) feierte im Jahr 2015 seinen 75. Geburtstag, wohnt und lebt in Bottrop - wenn er nicht gerade unterwegs ist, um bundes-, europa- oder weltweit Karatelehrgänge zu leiten.

Viele seiner Athleten hat Henry Landeck in Zusammenarbeit mit seiner Ehefrau Heike in den zurückliegenden 30 Jahren zu großen Erfolgen geführt. Einer der Besten ist Christoph Röthlein, der von Henry Landeck besonders gefördert wurde, ihm aber heute vieles zurückgibt. Landeck sagt: "Er hat als sechsjähriger Junge 1998 bei uns mit Karate begonnen und wurde 2004 zum ersten Mal Deutscher Meister. Seit einigen Jahren unterstützt er mich vorbildlich als Meisterschaftscoach."

Mit dem aktuellen Kulmbacher Herrenteam, zu dem ferner Bruder Maximilian Röthlein sowie Daniel Bergmann gehören, erkämpfte sich Christoph Röthlein mehrfach den Deutschen Meistertitel sowie den JKA-Cup, seit über 40 Jahren Deutschlands größtes Karateturnier ist. Außerdem wurde er mit der Deutschen Nationalmannschaft Europameister.

Entscheidend beim Karate ist die Konzentration. Henry Landeck sagt: "Alle Aktionen und Techniken sollen absolut kontrolliert abgeschlossen werden. Im Zielpunkt bilden Körper und Geist eine Einheit." Und die Sportart wird den Kulmbacher sein Leben lang nicht mehr loslassen. Schließlich sieht er Karate "als einen nie enden wollenden Lernprozess".

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