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Fußball

Diese Probleme muss der BFV jetzt lösen

Die Saison 2019/20 wird fortgesetzt, sobald es wieder möglich ist - aber nicht vor dem 1. September. Diesen Beschluss hat der Vorstand des Bayerischen Fußball-Verbandes gefasst. Viele Fragen müssen aber noch geklärt werden.
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Auf ihn kommt viel Arbeit zu: BFV-Präsident Rainer Koch. Archiv/Hagen Lehmann
Auf ihn kommt viel Arbeit zu: BFV-Präsident Rainer Koch. Archiv/Hagen Lehmann

Überraschend ist die Entscheidung nicht mehr: Der Vorstand des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) hat die Fortsetzung der wegen der Corona-Krise unterbrochenen Saison einstimmig beschlossen und sich auf das eingeholte Meinungsbild bei den Vereinen berufen: Diese haben sich mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit für eine Fortsetzung ausgesprochen, mögliche Abbruchsszenarien standen nicht zur Option. Der BFV bezeichnete seinen aufgezeigten Weg als alternativlos, im Westen der Republik zeichnet sich dagegen eine andere Lösung ab. In Nordrhein-Westfalen ist deutliche Mehrheit der Vereine für einen Abbruch.

Frühestens ab 1. September soll bei Männer und Frauen von der Bayernliga abwärts der Ball wieder rollen, insofern es durch staatliche Vorgaben möglich ist. Die Regionalliga Bayern als Schnittstelle zur 3. Liga ist von dieser Regelung weiterhin ausgenommen. Die Junioren von der U13 bis zur U19 sollen mit Beginn des neuen Schuljahres ab Mitte September die alte Spielzeit ebenfalls fortsetzen.

"Die bestmögliche Lösung"

"Wir wollen keine Geisterspiele, wir wollen keine juristischen Streitigkeiten, wir wollen den fairen Wettbewerb und Entscheidungen auf dem Platz - nicht am Grünen Tisch. Da aktuell aber niemand mit Gewissheit sagen kann, ob tatsächlich ab dem 1. September wieder gespielt werden kann, brauchen wir eine Lösung mit größtmöglicher Flexibilität. Für den BFV gibt es genau aus diesem Grund auch keine Alternative zum Vorschlag, die aktuelle Saison in jedem Fall zu Ende zu spielen, sobald das wieder möglich ist", hatte BFV-Präsident Rainer Koch bereits im Vorfeld der Entscheidung angekündigt:

"Die Zeit ist nicht einfach, weil wir wissen, dass sämtliche Lösungen im Umgang mit dieser Saison Nebenwirkungen mit sich bringen. Natürlich auch unser Weg. Wir sind aber davon überzeugt, dass das vorgeschlagene Modell unter Abwägung aller Fragen die bestmögliche Lösung ist."Viele Fragen sind aber noch ungeklärt, die Ungewissheit wird besonders die höherklassigen Vereine und den Verband noch längere Zeit begleiten. Nun müssen entsprechende Anpassungen in den BFV-Statuten vorgenommen und die drängendsten Fragen gelöst werden.

Wie das geschehen soll? Der BFV setzt insgesamt fünf "Lösungs-Arbeitsgruppen" (LAG) ein, die sich um die Themenfelder Vereinswechsel, Spielbetrieb Erwachsene, Spielbetrieb Junioren, Meldungen und Fristen sowie Einbettung in Regularien kümmern. Dabei werden die Arbeitsgruppen mit ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern besetzt, hinzu kommen Funktionsträger mit Spielbetriebserfahrung sowie hauptamtliches Personal aus den Fachabteilungen der BFV-Zentrale in München. Auch Vereinsvertreter sollen mitarbeiten. Die komplette personelle Besetzung wird der BFV in der kommenden Woche veröffentlichen.

Welche Punkte sind offen? Wo sind die Fallstricke? Ein Überblick über die bislang noch ungeklärten Fragen, die insbesondere bei den höherklassigen Vereinen für Irritationen sorgen.

Porblem 1: Spielerverträge

Der Verband hat zwar den Rahmen geschaffen, dass die Saison über den 30. Juni 2020 hinaus verlängert werden kann. Wer nach diesem Stichtag aber noch aufläuft, ist eine ganz andere Frage. Die Vereinbarungen mit Spielern (und Trainern) enden üblicherweise zu diesem Tag, manche Akteure haben sich ab 1. Juli 2020 anderen Vereinen angeschlossen - und sind womöglich umgezogen. "Wir haben zwar keine Spielerverträge, aber wir waren mit potentiellen Neuzugängen in Kontakt. Das ist jetzt alles in der Schwebe", sagt Matthias Sesselmann, Vorsitzender des Bezirksligisten VfR Katschenreuth. Viele Fragen sind in diesem Zusammenhang noch offen und kaum zu lösen. Entfällt etwa die Wechselperiode im Sommer, könnten Vereine personell nicht nachlegen

Problem 2: Sponsoren

Durch die künstliche Verlängerung der Saison strecken sich die Kosten um mehrere Monate in die Länge, da die Vereinbarungen mit den Geldgebern ebenfalls von 1. Juli bis 30. Juni laufen. Die Kosten für Spieler, Trainer und laufenden Betrieb decken ebenfalls nur diesen Zeitraum. Das betrifft besonders Vereine in höheren Ligen. Ein zusätzliches Problem: Ob bereits am 1. September wieder gespielt werden kann, ist nicht sicher. "Wir haben nicht den einen Groß-Sponsor, der tausende von Euro in den Verein investiert. Aber von unseren Partnern kamen bislang Signale, dass die Partnerschaft fortgeführt wird", ist Sesselmann zuversichtlich, dass die Sponsoren dem VfR auch nach der Krise die Treue halten.

Problem 3: Junioren

Auch im Juniorenbereich soll von der U13 bis zur U19 die unterbrochene Saison mit Beginn des neuen Schuljahres ab dem 12. September weitergeführt werden, wie unser Partnerportal anpfiff.info berichtet. Voraussetzung ist die Möglichkeit, spätestens im August mit einer Vorbereitung auf dem Platz starten zu können. Für die Männermannschaften wird es aber wohl nicht möglich sein, ab 1. Juli 2020 die U19-Spieler aus dem 2002er-Jahrgang in den Herren-Bereich zu integrieren.

Der eigentlich zum 31. Juli 2020 anstehende Wechsel der Altersklassen soll vorerst entfallen. Erst mit dem geplanten Ende der Runde würden die Junioren zum 1. Dezember in die nächste Altersstufe aufrücken. "Wir haben in der A-Jugend eine Fördergemeinschaft mit Kasendorf.Es würden fünf, sechs Spieler aus der Jugend in den Männerbereich kommen würden. Ob das alles wie geplant ablaufen kann, ist offen", sagt Sesselmann.

Problem 4: Saison 2020/21

Auch wenn es merkwürdig anmutet: Die Gefahr ist groß, dass es eine Saison 2020/21 nicht geben kann. Klar ist nur, dass es keine normale Spielzeit wird. Frühestens könnte sie im März 2021 beginnen, müsste aber in gestraffter Form ausgetragen werden, da im Sommer 2021 der Saisonbeginn 2021/22 ansteht. Die Pokalwettbewerbe würden nicht stattfinden. Zur Diskussion für den Ligabetrieb steht auch eine Einfach-Runde, also ohne Rückspiel. Verkleinerte Ligen sind ebenfalls denkbar.

Aber das ist abhängig davon, wann die aktuell unterbrochene Saison fortgesetzt werden kann. Darüber entscheidet letztlich die Politik mit der Freigabe der Sportstätten. Weil Vieles fraglich ist, habe sich der VfR Katschenreuth beim Meinungsbild des BFV für einen Abbruch der ausgesetzten Saison ausgesprochen. "In unseren Augen wäre es besser, jetzt einen Schlussstrich zu ziehen und mit der neuen Runde zu beginnen, sobald es möglich ist. Es ist derzeit einfach zu viel in der Schwebe", sagt Sesselmann.