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Eishockey

Eishockey-Torhüterin aus Franken: Diese Frau hält Männern den Kasten sauber

Krachende Checks, harte Schüsse, markante Sprüche - ein Sport für echte Kerle? Von wegen. Janin Meyer ist als einzige Frau im Team der Kulmbach Lions längst etabliert.
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Ihre Rolle bei den Lions macht ihr Spaß: Janin Meyer ist Torhüterin in Kulmbach. Fotos: Alexander Muck
Ihre Rolle bei den Lions macht ihr Spaß: Janin Meyer ist Torhüterin in Kulmbach. Fotos: Alexander Muck
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Ein beißender Geruch dringt in die Nase. Es riecht nach Füßen, nach Schweiß. Den aus Handschuhen und Ausrüstung zu bekommen, ist schwer. In einer Ecke steht ein altes Marshall-Radio. Die Umkleide der Kulmbach Lions ist so, wie man sich Eishockey-Kabinen vorstellt.

"Das war Janin früher", sagt ein Spieler und blickt auf einen Kalender mit leichtbekleideten Frauen. Die Jungs lachen. "Das war ein Spaß. Ich hab' dich lieb, Schatzi", schiebt er sicherheitshalber hinterher. Ein anderer sagt: "Heute trägst du dein Haar offen, Janin. Darauf habe ich Jahre gewartet." Janin, das ist Janin Meyer - Torhüterin der Kulmbacher.

24-Jährige hütet seit fünf Jahren das Eishockey-Tor der Kulmbach Lions

Seit fünf Jahren steht die 24-Jährige im Tor der Lions. Sprüche wie diese bekommt Meyer regelmäßig zu hören. Aber sie stören sie nicht. "Meistens meinen die Jungs das mit Humor und dann kriegen sie einen blöden Spruch zurück. Einstecken sollte man schon können, aber austeilen auch. Auf den Mund sollte man definitiv nicht gefallen sein", sagt Meyer.

Mit Jungs zu spielen, ist für Meyer normal. Mit vier Jahren stand sie das erste Mal auf dem Eis. Sie fing als Außenstürmerin an und fand schnell den Weg ins Tor. "Die Feldspieler sehen alle gleich aus. Aber wenn der Torwart kommt, dann ist das einfach cool. Das musste ich ausprobieren", erklärt Meyer, wie sie zur Torhüterin wurde. Beim EHC Bayreuth durchläuft sie die Jugendmannschaften und gilt als großes Talent. Einige trauen ihr den Sprung in höhere Ligen zu. Doch daraus wird nichts.

Mit 16 Jahren ist Schluss mit dem Eishockey. "Ich habe eine Ausbildung angefangen und den Sport auch schleifen lassen." Drei Jahre ist sie von der Eisfläche verschwunden. Dann fragen die Lions aus Kulmbach an. Sie brauchen einen Torwart und ob sie nicht wieder Lust hätte, zu spielen. Janin Meyer hat wieder Lust. Bei den Lions wird die 24-Jährige schnell zum sicheren Rückhalt. "Seit ich in Kulmbach bin, steht eine Frau im Tor. Janin ist total tough und macht ihren Job immer sehr gut. Man merkt auf dem Eis keinen Unterschied. Erst beim Umziehen merkt man wieder, dass eine Frau dabei ist", sagt Mitspieler Uli Mages, der auch Abteilungsleiter der Kulmbacher ist.

Männerthemen in der Kabine? Die Mitspieler halten sich zurück - aber nicht auf dem Eis

In der Kabine, sagt Meyer, würden die Jungs nur Rücksicht nehmen, wenn es ums Duschen geht. "Ich sage an, ob ich vor oder nach ihnen dusche. Aber die Themen sind schon andere als wenn sich Frauen unterhalten." Bei Männergesprächen in der Umkleide halte sie sich zurück. Auf dem Eis aber nicht. Dass sich eine Frau den Geschossen in den Weg stellt, werde oft belächelt. Doch das spornt Janin Meyer an.

"Es gibt mehr blöde Blicke und Kommentare. Aber man strengt sich dann richtig an und will seine Frau stehen." Gerade auswärts würden die Leute erst einmal skeptisch gucken. "Aber nach dem Spiel ist das vorbei", sagt Meyer selbstbewusst. "Wenn man seine Leistung bringt, wird man akzeptiert." Viona Harrer kann das bestätigen. Die 33-Jährige war die erste Frau, die es als Torfrau in die Männer-Oberliga schaffte, in der auch schon einige Profispieler zum Einsatz kommen. Die Regeln im deutschen Eishockey erlauben es, dass Frauen als Torhüterinnen bis zur dritthöchsten Liga bei den Männern spielen können. Einsätze in den beiden obersten Ligen sind aber nicht möglich.

"Als Frau musst du mehr Leistung bringen, um Anerkennung zu bekommen", sagt Harrer. 2014 spielte sie mit der Frauen-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Sotschi. Für Erding und Bad Tölz lief Harrer in der dritthöchsten deutschen Männer-Liga auf - und ließ Kritiker verstummen. "Die Vorbehalte kamen eher aus dem Umfeld des Vereins, ob man denn eine Frau ins Tor stellen könne. Die Mannschaft merkt ja schnell, ob jemand einen Puck fangen kann oder nicht." Was sie Frauen wie Janin Meyer auf den Weg geben würde?

"Sie sollen sich nicht unterkriegen lassen, selbstbewusst bleiben und ihr Ding durchziehen." Meyer hat ihr Ding durchgezogen und sich bei den harten Kerlen längst Respekt verschafft. "Sie ist eigentlich nicht mehr wegzudenken und für uns eine absolute Bereicherung", sagt Lions-Trainer Michael Panoscha. Ein größeres Lob kann die einzige Frau im Kulmbacher Männer-Team wohl kaum bekommen.

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