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Corona-Krise: Dieser Sport boomt im Internet

Der Kampf um Bauer, Dame und König erfährt im Internet einen neuen Hype. Und manche Vereine trainieren via Skype.
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Bis PC und Kopf rauchen? Schachspieler wie Oliver Mönius vom SC Höchstadt müssen derzeit ins Internet ausweichen. Foto: privat
Bis PC und Kopf rauchen? Schachspieler wie Oliver Mönius vom SC Höchstadt müssen derzeit ins Internet ausweichen. Foto: privat

"Selten war es so einfach, eine Partie gegen einen Großmeister zu spielen", ließ der Bayerische Schachverband kürzlich wissen. Ob Anfänger oder geübter Spieler - sich mit Großmeistern messen kann auf einmal jeder. Weil auch der Denksport von den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus betroffen ist, verlagern Vereine Training und Wettkämpfe ins Internet - und können gegen Größen des Sports spielen.

"Auf Online-Plattformen wie chess24, schach.de und Lichess ist ein neuer Boom ausgebrochen. Zehntausende Schachspieler und immer mehr Klubs beteiligen sich dort an Turnieren", teilte der Schachbezirk Oberfranken mit. Über 80 000 Spieler weltweit waren kürzlich gleichzeitig auf Lichess angemeldet, vor der Corona-Pandemie waren es keine 50 000. Im Freistaat habe die bayerische Schachjugend die Initiative ergriffen, in Corona-Zeiten verstärkt digital um Bauern, Damen und Könige zu kämpfen.

Kein gleichwertiger Ersatz

"Jeder, der Lust auf Schach hat, kann mitspielen. Eine Vereinsmitgliedschaft ist keine Voraussetzung", sagt Johannes Pfadenhauer. Der 23-Jährige ist in der Schachjugend Referent für Lehrgänge und spielt für den TSV Bindlach in der Bayernliga. Für Pfadenhauer ist die digitale Variante eine gute Alternative. Aber: "Das echte Schach kann es nicht ersetzen." Der größte Unterschied sei, dass online nur Blitz- und kein Schnellschach gespielt werde. Die Bedenkzeit pro Zug ist beim Blitzschach (drei bis zehn Minuten) kürzer als beim Schnellschach (zehn bis 60 Minuten) Und: "Beim Face-to-Face-Schach ist die soziale Komponente natürlich deutlich höher."

Nach Aussetzung der laufenden Saison in Folge der rasanten Ausbreitung des Coronavirus wurde mit dem Kandidatenturnier mit Weltmeister Magnus Carlsen auch der letzte analoge Wettbewerb abgesetzt. Auch wenn Schach im Internet boomt, einen virtuellen Spielbetrieb als Pendant zum regulären gibt es noch nicht. "Es haben sich aber sogenannte Quarantäne-Ligen entwickelt, die dem regulären Ligabetrieb am nächsten kommen", sagt Pfadenhauer.

Auch beim Bezirksligisten SK Kulmbach greift man derzeit auf Online-Plattformen zurück. "Etwa 15 Spieler von uns nutzen die Angebote im Internet, um weiter zu trainieren. Die Tendenz ist steigend", sagt Vorsitzender Alvin Krämer. Zwar nutzten die Kulmbacher das virtuelle Schachbrett hauptsächlich zum Üben, vereinsintern seien aber Turniere geplant. Ein wirklich Ersatz für das reale Spiel sei die Online-Variante aber nicht. "Das analoge Schach ist einfach besser. Der persönliche Kontakt und das Gesellige fehlen. Dafür bin ich in einen Verein eingetreten. Schach könnte ich ja immer am Computer spielen", sagt Krämer.

Training via Skype

Eine doppelte Premiere feierte zuletzt der SC Höchstadt, der erstmals ein vereinseigenes Online-Turnier ausspielte und sein Angebot erweiterte. Denn: Jugendtrainer Michael Brunsch lädt seine Schachschüler nun per Skype, einem Anbieter für Videotelefonie, zum Training. Auf dem gleichen Weg erreicht in der Krisenzeit der SC Bamberg seine Mitglieder. Jürgen Röber, 2. Jugendleiter beim SCB, unterrichtet aus dem heimischen Arbeitszimmer.

"Das ist eine gute Alternative, um Partien nachzuspielen oder Aufgaben zu lösen", sagt Röber, der aktuell acht junge Schachspieler über die Webcam unterrichtet. Röber hat aber auch Nachteile erkannt: "Eine individuelle Betreuung oder eine genaue Analyse ist nicht möglich." Und für den jüngsten Schach-Nachwuchs kämen Online-Einheiten ohnehin zu früh, er wird während der Corona-Zwangspause mit Übungsheften unterrichtet. An eine langfristige Etablierung der Online-Einheiten glaubt Röber nicht.

"Punktuell ist das sicher sinnvoll und wird beispielsweise im Leistungssport gemacht. Aber im Breitensport ist das analoge Training besser." Den Spielbetrieb hält der SCB mit Turnieren aufrecht. Vom 75-jährigen Vereinsvorsitzenden bis zum 14-jährigen Talent kämpft die gesamte Bandbreite der Bamberger Mitglieder um die Figuren des Gegners.

Kein Boom in Ebern

Doch nicht jeder Verein hat sein Training ins Internet verlagert. Wolfgang Messingschlager, Abteilungsleiter beim TV Ebern, kann den Online-Boom beim Bezirksligisten nicht bestätigen. "Mir ist keine Initiative in unserem Verein bekannt", sagt er. Normalerweise treffen sich die Eberner einmal in der Woche. Der letzte Spieltag der Saison fiel dem Coronavirus zum Opfer. Seitdem pausieren die Unterfranken.

"Bei uns spielen die wenigsten im Internet", sagt Messingschlager. Das liegt wohl auch an der Altersstruktur und der damit einhergehenden Internetnutzung. "Wir haben vier Herren, die bereits über 80 Jahre alt sind", erklärt der Abteilungsleiter. Auch die übrigen Aktiven sind nicht mehr die Jüngsten. Sorgen macht er sich um den Nachwuchs. Einige der Aktiven wollen aufhören. Ob die Eberner dann noch eine Mannschaft stellen können, ist ungewiss.