Ludwigschorgast
Laufen

Bei 52 Grad durch die Wüste

Michael Kraus und Susanne Schubert von der LG Ludwigschorgast aus dem Landkreis Kulmbach liefen 200 Kilometer durch Namibia.
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Michael Kraus (vorne) und Susanne Schubert (hinten) von der LG Ludwigschorgast liefen quer durch Namibia. Foto: privat
Michael Kraus (vorne) und Susanne Schubert (hinten) von der LG Ludwigschorgast liefen quer durch Namibia. Foto: privat
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Michael Kraus aus Ludwigschorgast (Landkreis Kulmbach) hat bereits auf allen Kontinenten dieser Erde an Ultraläufen teilgenommen. Allein sieben Mal ist er in der Wüste gelaufen und hat dabei über 1200 Kilometer zurückgelegt. Jetzt machte er sich mit Susanne Schubert auf den 200 Kilometer langen Weg des "Transnamib" durch Namibia.

Während der 19-tägigen Reise durch Afrika (rote Route in der nebenstehenden Grafik) haben die Oberfranken auch die seminomadischen Himba kennengelernt, die in einer der letzten grandiosen Urlandschaften Afrikas leben wie im letzten Jahrtausend.

Während es für den 58-jährigen Ludwigschorgaster schon der 28. Extremlauf weltweit war, schnupperte die 38-jährige Wahl-Mainleuserin erstmals die Luft eines Abenteuerlaufes. Und diese Luft war heiß, extrem heiß: 52 Grad in der Sonne bringen den menschlichen Organismus schnell ans Limit.

Michael Kraus berichtet von dem Laufabenteuer:

"Es gibt nur wenige Länder auf dieser Erde, in denen solch vielfältige und bezaubernd schöne Landschaften nebeneinander liegen wie in Namibia. Und wer aus dem engen Mitteleuropa kommt, den wird die Weite Namibias zunächst verunsichern. Straßen, meist sind es staubige Pisten, ziehen sich bis zum Horizont. Und wenn dieser erreicht ist, sieht immer noch alles so aus wie vorher. Man hat das Gefühl zu stehen.

Neun Etappen

Doch stehen geblieben sind wir bei unserem Transnamibia-Laufabenteuer nicht. Ganz im Gegenteil: In neun Etappen ging es durch die abgelegensten Landstriche zwischen den Ausläufern der Namib- und der Kalahari-Wüste. Nur ein Tag blieb uns Zeit zur Akklimatisation in Windhuk, der Hauptstadt von Namibia. Dann setzte sich der Konvoi mit vier allradgetriebenen Bussen und einem 1000-Liter-Wassertank im Schlepptau in nordwestlicher Richtung in Bewegung. Nach gut siebenstündiger, holpriger Fahrt erreichten wir das Abu-Huab-Camp.

Schon auf der ersten Etappe über 31 Kilometer war es mörderisch heiß, einige Teilnehmer hatten bereits jetzt mit Kreislaufproblemen zu kämpfen. In der Wüste spielt es keine Rolle, ob das Trinkwasser lauwarm ist. Jeder einzelne Schluck hilft schlichtweg zum Überleben.

Die zweite und dritte Etappe führten über Sandpisten, gewürzt mit steinigen Passagen. Insgesamt haben wir, das sind 38 Wüstenläufer - zwei Deutsche, ein Belgier und der Rest Franzosen - bereits knapp 85 Kilometer zurückgelegt und dabei 630 Meter bergauf bewältigt. Trotz aller Strapazen war Susanne voll begeistert: "Das, was ich bisher alles erlebt habe, ist mit Worten gar nicht zu beschreiben, dafür bin ich sehr dankbar."

Es wird wilder

Ab jetzt wurde es wilder. Die restlichen Etappen fanden im Kaokoland statt, in einem der letzten echten Wildnisgebiete Afrikas. Die permanent hohen Temperaturen - auch die Nächte brachten kaum Abkühlung - forderten ihren Tribut. Auf der vierten Etappe über 22 Kilometer gaben 17 der 38 Starter den Wettkampf auf, liefen nur noch eine verkürzte Strecke. Auch Susanne und ich diskutierten kurz, wie es weitergeht. Nachdem der französische Organisator Serge Morel ("Das ist ein Wüstenlauf, und in der Wüste ist es nun mal heiß") in die Runde fragte, wer weitermacht, kam von mir eine klare Antwort: "Ja, ich laufe weiter!" Susanne ebenfalls.

Die vierte Etappe war die bisher schönste, aber auch staubigste Etappe in einem überwältigenden Canyon. Die fünfte Etappe (24 Kilometer) verlief über weite Ebenen auf überwiegend sandigem Untergrund. Der zweite Verpflegungspunkt stand erst bei Kilometer 19 statt bei 14,5. Seit der ersten Verpflegung nach sieben Kilometern gab es keinen Wassernachschub mehr - eine lange Durststrecke.

Nach zwei Nächten im Khowarib-Camp folgten wir der Route in nördlicher Richtung nach Opuwo. Die sechste Etappe (22 Kilometer) lag auf dem Weg. Zwischen den Bergen schlängelte sich die Laufstrecke auf steiniger Piste hinaus in eine weite Landschaft mit unendlichen Geraden. Solche Abschnitte sind eine mentale Herausforderung. Aber: Distanz ist, was dein Kopf daraus macht. Susanne freute sich über ihren Etappensieg in der Frauenwertung.

Die siebte Etappe (18 Kilometer) führte an Himba-Siedlungen vorbei.

Der Mann mit dem Messer

Susanne lief mit der Französin Isabelle gemeinsam, als etwa nach zehn Kilometern zwei Himba-Männer aus dem Busch auftauchten. "Sie liefen einfach mit uns, und einer fing dann an zu pfeifen. Wir dachten, da kommen jetzt gleich viele Männer aus dem Busch und hatten schon ein mulmiges Gefühl. Einer der Männer führte ein großes Messer bei sich und hat es mir dann um den Hals gehängt", berichtet die 38-Jährige. Die Männer begleiteten die zwei Frauen bis in Ziel. Dort erklärte ein Dolmetscher, dass diese Himba-Männer auch Läufer sind.

Die letzten beiden Etappen verliefen am Kunene-Fluss im Norden Namibias an der Grenze zu Angola bei den Epupa-Wasserfällen. Morgens waren anspruchsvolle 16 Kilometer zu bewältigen, beim Nachtlauf noch einmal acht Kilometer.

Emotionaler Zieleinlauf

Der Zieleinlauf war emotional. Es gab Glückwünsche, Umarmungen, Freudentränen. Gemeinsam geschwitzt, gelitten und glücklich die Ziellinie überquert - wir sind zu echten Freunden geworden. Vor der Abreise besuchten wir noch den Ethosa-Nationalpark, eines der schönsten Naturschutzgebiete der Welt, und konnten Elefanten, Löwen, Nashörner, Zebras, Giraffen & Co. aus nächster Nähe beobachten.

Namibia haben wir verlassen mit einem Rucksack voll toller Erfahrungen und Erlebnisse."

Susanne Schubert auf Platz 2

Auf Platz 2 Ergebnisse Michael Kraus und Susanne Schubert sind erfahrene Marathonläufer. Michael Kraus' Bestzeit steht bei starken 2:40 Stunden. Susanne Schubert ist vor fünf Jahren den ersten von mittlerweile 13 Marathons (persönliche Bestzeit 3:47:31) gelaufen. Auch beim Stelvio-Marathon in Südtirol oder dem Swiss-Alpine-Marathon in Davos war sie schon am Start.

Beim "Transnamib" belegte die 38-Jährige den ausgezeichneten 2. Platz in der Gesamtwertung, Michael Kraus wurde Sechster bei den Männern. Weitere Informationen gibt es auf Michael Kraus' Internetseite www.l aufend-erleben.de.

Abenteuerläufer, bitte melden!

Auch Sie haben außergewöhnliche Lauf-Abenteuer erlebt? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an sport@infranken.de, wir berichten gerne!

Ergebnisse "Transnamib"

Männer: 1. Dominique Bordet (Frankreich) 13:13:19 Stunden; 2. Eddy Gustin (Belgien) 13:54:14 Stunden; 3. Francois Lacassagne (Frankreich) 14:24:16; 4. André Siman (Frankreich) 14:40:19; 5. Jean Moreau (Frankreich)16:14:53; 6. Michael Kraus 16:16:02 - Frauen: 1. Catherine Dubois 17:32:21 (Frankreich); 2. Susanne Schubert 18:23:21; 3. Marielle Carmagnolle 19:49:51 (Frankreich).

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