Trebgast
Fußball

Auf dem Acker gegen Klaus Augenthaler

Wolfgang Horter war Teil der Jahrhundertmannschaft des TSV Trebgast. Nun feierte der Ex-Kapitän seinen 70. Geburtstag.
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Das Jahr 1974, der Aufstieg in die Landesliga war geschafft: Das feierten die Trebgaster (von links) Werner Nagel, Wolfgang Horter, Heinz Beck, Klaus Müller, Wolfgang Martin und Trainer Günter Schuhmann. Foto: Archiv
Das Jahr 1974, der Aufstieg in die Landesliga war geschafft: Das feierten die Trebgaster (von links) Werner Nagel, Wolfgang Horter, Heinz Beck, Klaus Müller, Wolfgang Martin und Trainer Günter Schuhmann. Foto: Archiv
Er hat die großen Zeiten des TSV Trebgast miterlebt und geprägt: Als Kapitän stieg Wolfgang Horter mit dem aktuellen Kreisklassen-Schlusslicht einst bis in die Bayernliga auf. Vor kurzem feierte das Tregbaster Eigengewächs seinen 70. Geburtstag.

Innerhalb weniger Jahre stieg der TSV Trebgast in den 1970er Jahren bis in die höchste bayerische Spielklasse auf. 1972 feierte er die Meisterschaft in der A-Klasse (heutige Kreisliga), nur fünf Jahre später gelang der Sprung in die Bayernliga, wo die Trebgaster bis 1981 spielten. Die Bayernliga-Bilanz: 136 Spiele, 200:211 Tore und 128:144 Punkte. Horter schrieb das Trebgaster Fußballmärchen mit: "Auf dem Spielfeld war ich sehr aggressiv, aber nach dem Spiel war wieder alles vorbei. Eine Rote Karte erhielt ich allerdings im Spiel beim ASV Laineck."

Horter entdeckte früh seine Leidenschaft für den Fußballsport. Schon alles kleines Kind jagte er mit der Dorfjugend in Feuln dem Ball nach. "Wenn der Knecht eines Feulner Bauern mit dem Füttern fertig war, sind wir als junge Burschen immer raus auf die Wiese und haben mit ihm Fußball gespielt", erinnert sich der 70-Jährige. Meist habe der Knecht dabei die Gummistiefel angehabt, die er zuvor im Stall getragen hatte.


Universaltalent beim TSV

Im Alter von zehn Jahren stellte Horter erstmals sein Talent in der Schülermannschaft des TSV Trebgast unter Beweis. Unter anderem war er in einem Team mit den Brüdern Peter und Klaus Ramming sowie Helmut Küfner, Manfred Reitmeier, Hans Moos, Horst Weber, den Brüdern Herbert und Rudolf Bauer.

"Man hat damals nicht so bald angefangen, im Verein Fußball zu spielen. Es hat auch nur die Schüler- und Jugendmannschaft gegeben", sagt Horter, der im Schülerteam universell einsetzbar war. Vom Torwart bis zum Linksaußen habe er alle Positionen gespielt. Meist jedoch Stürmer. Schließlich war Horter groß gewachsen und hatte einen guten Schuss.

Sein Multitalent stellte er auch nochmals im Herrenbereich unter Beweis. Als sich der etatmäßige Keeper Wolfgang Martin im Landesligaspiel in Alzenau verletzt hatte, sprang Horter als Keeper ein - und er machte er eine gute Figur. Auch dank ihm endete die Partie mit einem Unentschieden.
Horter entwickelte sich im Herrenbereich schnell zum Leistungsträger. 1972 holten die Trebgaster um Spielführer Horter die Meisterschaft in der A-Klasse und stiegen in die Bezirksliga Ost auf. Bereits zwei Jahre später folgte unter Trainer Karl Siemko der Aufstieg in die Landesliga Nord. "Er war ein väterlicher Typ und ein Bombentrainer, der sehr viel Ahnung vom taktischen Bereich hatte und jeden Blödsinn mitgemacht hat", erinnert sich Horter gut an seinen Ex-Coach. Wohl auch, weil er bei ihm im Training häufig eine Bleiweste tragen musste.


Geld war ihm nicht wichtig

1977 folgte das für Horter schönste Erlebnis seiner aktiven Karriere: der Aufstieg in die höchste Amateurklasse Bayerns. Das Wagnis Bayernliga sei aber nur möglich gewesen, weil der Verein mit Peter Oehme einen großzügigen Sponsor an der Seite hatte. Bereits in der Landesliga und später in den vier Bayernliga-Spielzeiten hatte sich die TSV-Mannschaft verändert. Spielte sie in der Bezirksliga fast ausschließlich mit Eigengewächsen, so wurde sie später gezielt verstärkt. "Wir haben ja als Spieler gar nicht mitbekommen, was da an Geldern gezahlt wurden, als sie sich dem TSV angeschlossen haben", sagt Horter über die Neuzugänge, die meist eine Arbeitsstelle bei Oehme erhielten. Doch seien alles "Pfundskerle gewesen, die dazu gepasst" haben. Horter denkt gerne an Detlef Gogolok, Peter Braun, Gerd Wunderlich, Torjäger Oswald Will und Klaus Müller von den Amateuren des SV Werder Bremen.

"Wir waren froh, dass wir mit diesen Fußballern spielen konnten. Wir hatten noch aus Freude Fußball gespielt, uns ging es nicht um das Geld." Und dann beginnt sich Horter zu erinnern: An viele gemeinsame Abende der ersten und zweiten TSV-Mannschaft, an denen ältere Spieler den jüngeren Fußball-Lieder beibrachten. Eine tolle Gemeinschaft sei das damals gewesen. Horter wusste die kleinen Dinge zu schätzen. So wie bei der Bayernliga-Partie gegen die Amateure des FC Bayern München im Grünwalder Stadion: "Wir verloren zwar damals 0:2, aber das Spielfeld war wie ein Rasenteppich. So einen Rasen hatte ich noch nie gesehen und ich durfte darauf spielen."


Verletzung stoppt Horter

Der TSV Trebgast spielte damals noch auf dem alten Sportplatz an der Turnhalle - der wohl schlechteste Platz in der damaligen Bayernliga. "Die Bayern-Amateure mussten damals mit Klaus Augenthaler noch auf dem alten Acker spielen", erzählt der 70-Jährige und schmunzelt.
Doch die Bayernliga-Karriere Horters endete früh. Nach nur zwölf Einsätzen in dieser Spielklasse erlitt der damals 31-Jährige beim 2:2 am 26. November 1978 gegen den SV Wacker München einen Ermüdungsbruch im rechten Schienbein. Nach seiner Genesung spielte Horter nur noch in der Reserve und später in der Altliga. Ein Kreuzbrandriss beendete dann die aktive Karriere des Trebgaster Eigengewächses.
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