Weiher
Fußball

ATS macht ohne "Ohne" weiter

Die Kulmbacher wechseln überraschend zum zweiten Mal in dieser Saison ihren Trainer. Die Gründe bleiben im Dunkeln.
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Nur fünf Spiele währte die Ära Ohnemüller beim ATS Kulmbach. Kurz nach Start der Wintervorbereitung hat sich der abstiegsgefährdete Bezirksligist überraschend wieder von seinem erst im Oktober verpflichteten Trainer getrennt. Foto: Monika Limmer
Nur fünf Spiele währte die Ära Ohnemüller beim ATS Kulmbach. Kurz nach Start der Wintervorbereitung hat sich der abstiegsgefährdete Bezirksligist überraschend wieder von seinem erst im Oktober verpflichteten Trainer getrennt. Foto: Monika Limmer
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Der ATS Kulmbach ist immer für eine Überraschung gut. Nach nur fünf Spielen als Trainer ist die Amtszeit von Ralf Werner Ohnemüller schon wieder Geschichte. Zwei Mal durfte er die Bezirksliga-Mannschaft nach der Winterpause zum Hallentraining versammeln, da erhielt er die Nachricht seiner Ablösuing. Und das zwei Tage nach seinem 53. Geburtstag.

Die Hintergründe bleiben nebulös, denn alle Beteiligten hüllen sich auf Anfrage in Schweigen. ATS-Fußball-Abteilungsleiter Christian Kolb sagt nur soviel: "Wir haben unsere Situation analysiert und sind zur Erkenntnis gekommen, dass der Klassenerhalt in der bisherigen Konstellation gefährdet ist. Deshalb haben wir uns entschlossen, Ralf Werner Ohnemüller freizustellen." Und dann schickt er noch die höfliche Floskel hinterher, dass ihm der Verein für seine Arbeit danke und "ihm alle Gute für seine weitere Karriere" wünsche. Zu den Hintergründen der Trennung will sich Christian Kolb nicht äußern: "Das bleibt intern."

Drei Spieler verpflichtet

Der ATS Kulmbach hat in der Winterpause bislang drei Spieler nachverpflichtet. Vom Kreisklassisten BC Leuchau kehrt Stürmer Kevin Kramarzyk (29) nach Weiher zurück, vom Landesligisten SpVgg Selbitz kommt Verteidiger Lorenz Röthlingshöfer (23). Zudem konnte der ATS Benjamin Stückrad (27), der die U15-Bayernliga-Mannschaft der SpVgg Bayreuth trainiert und nach Stationen beim BSC Saas und USC Bayreuth in der abgelaufenen Saison neun Mal und in der laufenden ein Mal für die SpVgg Bayreuth II in der Bezirksliga gekickt hat, zu einem Comeback überreden.

Christian Kolb bestätigt, dass beim ATS auch Verstärkungen aus der Tschechischen Republik ein Thema waren. "Wir haben in alle Richtungen überlegt. Aber wir wollen lieber den Weg mit jungen Spielern aus der Region weitergehen. Für den ATS war ein Lösung mit Tschechen nicht darstellbar."

Für Ralf Werner Ohnemüller steht die laufende Fußball-Saison unter keinem guten Stern. Angefangen hatte der 53-Jährige die Serie als Trainer beim A-Klassisten TSV Melkendorf. Doch die Zusammenarbeit entpuppte sich schnell als Missverständnis und endete schon nach drei Monaten. Im Oktober kehrte Ohnemüller um ATS zurück, für den er einst in den neunziger Jahren gespielt hat und bei dessen Reserve er 2017 ein halbes Jahr als Spielertrainer fungiert hatte.

Ohnemüllers Vorgänger Vitor do Adro war keineswegs traurig, dass er nur vier Monate im Amt sein durfte: "Es war klar, dass ich es aus beruflichen Gründen nicht auf Dauer ausüben kann." Unter Ohnemüller feierte der ATS zwei wichtige Siege in den Abstiegsduellen mit dem FSV Bayreuth und TSV Thiersheim (je 1:0). Sieben Punkte aus fünf Partien unter der Regie des erfahrenen Trainers brachten die Kulmbacher immerhin auf den Relegationsplatz nach vorne. Zum ersten Nichtabstiegsrang fehlt aktuell nur ein Punkt.

Ohnemüller ist enttäuscht

Bei Ralf Werner Ohnemüller sitzt der Stachel der Enttäuschung tief. Denn das Aus kam für ihn völlig überraschend: "Es ist nichts vorgefallen, was ich mir vorwerfen könnte. Unter den schwierigen personellen Voraussetzungen - oft kommen nur fünf oder sechs Mann zum Training - haben wir doch in der Vorrunde noch ordentlich gepunktet."

Der 53-Jährige ist auch der Überzeugung, dass der Klassenerhalt möglich gewesen wäre. Vor allem die Defizite im taktischen Bereich wollte er in der Vorbereitung reduzieren. Auch mit den drei Neuzugängen war Ohnemüller zufrieden. "Ich weiß, wie schwierig es ist, mehr Leute im Winter loszueisen. Wir haben den Kader aufgebessert, das war schon in Ordnung, ich habe mich auf die Neuen gefreut."

Von der Mannschaft hat sich Ohnemüller mit den besten Wünschen verabschiedet - auch wenn ihm manche die Arbeit nicht immer leicht gemacht hätten. "Es ist schade, dass Spieler, die früher auf Grund ihrer fehlenden Teamfähigkeit und mangelnden sportlichen Qualität in der Hirarchie ziemlich weit unten angesiedelt gewesen wären, heutzutage oft Gehör bei Vereinsverantwortlichen finden."

Neuer Trainer bis Ende der Woche

Nun ist der ATS wieder auf der Suche nach einem Übungsleiter. "Bis Ende der Woche wollen wir einen neuen Trainer präsentiere", erklärt Abteilungsleiter Christian Kolb. Bis dahin leiten Torwart und Co-Trainer Patrick Kolb sowie der ehemalige Coach Vitor do Adro die Übungseinheiten. Das erste Punktspiel im neuen Jahr bestreitet der ATS am Sonntag, 17. März, gegen den TSV Mistelbach.



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