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Kulmbach
Corona-Krise

Amateurvereine zwischen Hoffen und Bangen

Abbruch? Annulierung? Warten? Die Verbände gehen in Zeiten der Pandemie mit dem weiteren Spielbetrieb unterschiedlich um. Für die Amateurvereine heißt das: Unsicherheit. Sie wissen nicht, ob sie auf- oder absteigen.
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Eine Sportart ruht: Im Tischtennis ist die Saison beendet.  Foto: René Rupprecht
Eine Sportart ruht: Im Tischtennis ist die Saison beendet. Foto: René Rupprecht

Kann die Saison beendet werden? Was passiert bei einem Abbruch? Bedroht die Corona-Krise die Existenz des Vereins? Es sind Fragen wie diese, die die Sportler in Zeiten des Coronavirus beschäftigen. Während manche Verbände Klarheit geschaffen haben, bauen andere auf den Faktor Zeit.

Wie etwa der Bayerische Fußballverband (BFV), der den Spielbetrieb bis auf Weiteres ausgesetzt hat und hofft, die Saison regulär zu beenden. Zur Not nach dem Stichtag 30. Juni. Ein Abbruch soll verhindert werden. Das hofft auch der SSV Kasendorf, der in der Bezirksliga auf Rang 2 liegt und gute Chancen hätte, direkt oder über die Relegation in die Landesliga aufzusteigen.

"Jeder spielt Fußball, um Meister zu werden oder aufzusteigen. Aber die Landesliga ist noch einmal eine andere Nummer", sagt Vorsitzender Volker Täuber. An Szenarien, wie im Falle eines Abbruchs der Auf- und Abstieg geregelt werden soll, denke Täuber aber noch nicht. "Es wird keine Lösung geben, mit der alle leben können. Es sollte aber so fair und gerecht wie möglich zugehen."

SSV-Trainer Christoph Wächter habe seiner Mannschaft Trainingspläne mitgegeben. Die Kasendorfer sollen sich in den eigenen vier Wänden und im Freien gemäß der behördlichen Vorschriften fit halten. Dem Vorsitzenden Täuber fehlt aber nicht nur der Fußball. "Das Gesellige fehlt. Der SSV ist ein Verein, der sich durch Kameradschaft auszeichnet." Nach dem Training oder dem Spiel im Sportheim zusammenzusitzen, das sei für das Vereinsleben elementar - und ist derzeit nicht möglich.

In Existenzängste komme der Verein ob der fehlenden Einnahmen aber nicht. "Der SSV ist ein gesunder Verein und wir können ein paar Monate überbrücken. Sollte die Phase aber länger dauern, muss man sehen, wie sich alles entwickelt. Wir haben weiter Ausgaben, aber keine Einnahmen." Bedenken habe Täuber, ob Sponsoren angesichts der drohenden Wirtschaftskrise künftig die finanziellen Möglichkeiten haben, einen Verein zu unterstützen.

Drei Optionen im Kegeln

Während im Fußball die Runde ausgesetzt ist, gibt es im Kegeln einen Drei-Stufen-Plan. Die ersten beiden Optionen sehen vor, die beiden ausstehenden Spieltage bis spätestens Anfang Juni über die Bühne zu bringen. Die letzte Option ist ein Abbruch der Runde mit dem aktuellen Tabellenstand. Bei diesem Szenario wäre der SKC Franken Kulmbach Meister der Kreisliga und Aufsteiger in die Bezirksliga.

Für Pressewart René Hinz wäre das ein Titel mit Beigeschmack. "Die Meisterschaft wäre immer damit verbunden, nicht die fairste gewesen zu sein", hätte Hinz Bauschmerzen, sollte der SKC über diesen Weg Meister werden. "Für den Tabellenzweiten Hof wäre es extrem schade und sportlich gerecht wäre Plan C nicht." Denn: Hof hätte im noch ausstehenden direkten Duell gegen Kulmbach die Chance, auf Rang 1 zu springen und aus eigener Kraft Meister zu werden.

Auf der anderen Seite, sagt Hinz, sei die Tabelle nach 16 von 18 Spielen aussagekräftig genug, um einen Abbruch mit aktuellem Stand zu rechtfertigen. Sollten die Maßnahmen der bayerischen Staatsregierung gelockert werden und der Verband Plan A oder B durchziehen können, würde sich der SKC einen Antritt aber gut überlegen. "Wir würden auf die letzten beiden Spiele verzichten, wenn uns das Risiko noch zu hoch wäre" , sagt Hinz. Da das Spiel gegen Hof noch anstehe, würde das einem Verzicht auf die Meisterschaft gleichkommen.

Für den Bayernligisten Lohengrin Kulmbach wären die beiden ausstehenden Spieltag ohnehin hinfällig, da der Abstieg in die Landesliga nicht mehr verhindert werden kann. Anders sieht die Lage in der Landesliga aus. Der SKC Föllschnitz hätte bei einem Saisonabbruch den Klassenerhalt geschafft. Sollten die zwei Spiele noch absolviert werden, könnte der SKC aber noch auf einen Abstiegsplatz rutschen.

Was passiert mit dem Post SV Kulmbach?

Keine Spiele finden mehr im Tischtennis statt. Der Deutsche Tischtennisverband (DTTV) und die 18 Landesverbände haben entschieden: Die Saison ist mit dem aktuellen Tabellenbild beendet. Die erstplatzierten Mannschaften steigen auf, die Teams auf Abstiegsplätzen steigen ab. Die Mannschaften, die auf einem Relegationsplatz liegen, bleiben in ihren Ligen.

In der Bezirksklasse B Gruppe 5 ist die Situation verzwickt. Der TTC Trebgast-Lanzendorf liegt auf dem ersten Platz, punktgleich dahinter folgt der Post SV Kulmbach. "Wir haben noch keine Rückmeldung bekommen, wie in unserem Fall verfahren wird", sagt PSV-Vorsitzender Rainer Leichauer. Entweder müsse, sofern die Lage es zulässt, ein Entscheidungsspiel ausgetragen werden oder beide Mannschaften steigen auf. Für Leichauer spielt die Ligazugehörigkeit aber nur eine untergeordnete Rolle.

"Sollten wir in der Bezirksklasse bleiben, wäre das nicht schlimm. Wir haben drei Spieler über 60 und keine Jugend, die nachkommt. Vielleicht wäre es besser, wir würden in der Liga bleiben." Zumal, so Leichauer, eine Ligareform anstehe und die Bezirksliga in der kommenden Saison stärker einzuschätzen sei.

In der Zwangspause vermisse Leichauer nicht nur die Duelle an der Platte. "Der Sport fehlt, aber auch das Gesellige. Wir spielen auf Hobby-Niveau und die sozialen Kontakte sind sehr wichtig. Nach dem Training oder Spiel zusammenzusitzen, das gehört einfach dazu" Immerhin: Finanziell sei der Verein nicht gefährdet. "Die Ausgaben sind nicht die größten. Man muss Bälle und und alle paar Jahre Platten kaufen."